Kli­ma­wan­del und Städ­te­bau

Im September lud das Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur (CCTP) der Hochschule Luzern zum Webinar «Klimawandel – Chance für die Stadt von morgen». Im Fokus der interdisziplinären Veranstaltung standen erschreckende Fakten, differenzierte Argumente und konstruktive Ideen.

Publikationsdatum
26-10-2020

Der Titel war die reinste Provokation: Angesichts der Häufung von verheerenden Naturereignissen, extremen Wetterlagen und langen Trockenperioden mutet es zunächst befremdlich an, den Klimawandel auch als Chance zu begreifen. Er offenbart sich vielmehr weltweit als existenzielle Bedrohung, auch wenn noch nicht alle Menschen dies gleichermassen zu spüren bekommen. Da der Wandel bereits stattfindet, ist er auch nicht mehr zu verhindern. Als Handlungsoption bleibt lediglich der Versuch, ihn möglichst einzudämmen und mit seinen unvermeidlichen Auswirkungen leben zu lernen. Was also soll an einer derart zerstörerischen globalen Krise eine Chance sein?

Beobachten, lernen, handeln

Dass der Klimawandel gerade deswegen, weil er von Menschen verursacht ist, die Menschen zu Selbstkritik und Verhaltensänderung einlädt, war der Ausgangspunkt des Webinars. Ganz im Sinne von John F. Kennedy, der seinerzeit darauf hingewiesen hat, dass «Krise» auf Chinesisch mit zwei Zeichen geschrieben wird: jenen für Gefahr und Gelegenheit. «Never waste a good crisis», soll auch Winston Churchill gesagt haben. Denn so schmerzlich Krisen sind, sie bieten Gelegenheit, Fehler zu erkennen und zu korrigieren.

Im Zusammenhang mit einer anderen globalen Krise, die Covid-19-Pandemie, hat die Baubranche bereits begonnen, Beobachtungen zu sammeln und Lehren zu ziehen. Während dem Lockdown hat sich in aller Deutlichkeit gezeigt, wie sorgfältig unsere gebaute Umwelt gestaltet sein muss, um auch unter erschwerten Bedingungen eine hohe Lebensqualität zu bieten. Doch im Unterschied zur Pandemie, die abrupt aufgetreten ist, handelt es sich beim Klimawandel um eine Krise, die sich über Jahre und Jahrzehnte aufbaut. Deshalb ist sie weniger fassbar – auch wenn ihre Konsequenzen ungleich dramatischer sind und zu sein versprechen.

Kurzfristiger Gewinn versus langfristigem Nutzen

Umso wichtiger ist es, die durch die Pandemie ausgelöste Diskussions- und Lernbereitschaft der Baubranche zu nutzen, um die Auseinandersetzung mit dem Klimawandel voranzutreiben. Das Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur (CCTP) der Hochschule Luzern, die schon länger zum Thema resiliente Stadtstrukturen forscht, versammelte deshalb eine handverlesene Runde vor der Kamera, um in 150 kurzen Minuten Fakten zu sammeln, Fragen zu stellen und Forschungsansätze zu vergleichen.

Besonders anregend war die Konfrontation unterschiedlicher Fachgebiete: Klimaforschung, Philosophie, Architektur und Städtebau, Ökonomie. Dabei zeichnete sich ab, dass sich viele Akteure durchaus dessen bewusst sind, dass Handlungsbedarf besteht, und entsprechende Schritte unternehmen: Klimaforscher betreiben Aufklärung, Architektinnen und Architekten suchen nach entwerferischen Lösungen, Rückversicherungsgesellschaften unterstützen ein weitsichtiges Klima-Management in Stadtverwaltungen. Doch der Konflikt zwischen kurzfristigem Gewinn und langfristigem Nutzen erschwert den adäquaten Umgang mit der Krise. Es braucht noch viele Ideen, Worte und Taten!

Ein Best-of-Video der Veranstaltung finden Sie hier.

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