Grün­dä­cher för­dern In­sek­ten

Gründächer tragen dazu bei, die Artenvielfalt und Artenzusammensetzung von Insekten und Spinnen in städtischen Gebieten zu fördern, da sie wie Trittsteine die einzelnen Lebensräume im ansonsten verbauten Raum untereinander vernetzen. Dies fanden Forschende der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL und der ETH Zürich heraus.

Publikationsdatum
24-12-2013
Revision
13-10-2015

Ziel des Forschungsprojektes1 war es, zu untersuchen, ob begrünte Dächer für Insekten und Spinnen isolierte Naturinseln darstellen oder untereinander vernetzt sind. Das Forscherteam interessierte sich auch dafür, ob es Zusammenhänge gibt zwischen den beobachteten Lebensgemeinschaften und Faktoren wie der Grösse des Daches, der Anzahl der Blumen und der Distanz zur nächsten Grünfläche. Um dies herauszufinden, untersuchten sie 40 Gründächer und 40 extensiv genutzte Standorte am Boden innerhalb der Stadt Zürich.

Die Ergebnisse zeigen, dass für Insekten und Spinnen mit eher geringem Aktionsradius wie Laufkäfer und Spinnen die Gründächer zu weit voneinander entfernt sind, um als Trittsteine zu wirken. Für sie sei daher die Vielfalt an Lebensräumen auf dem Dach selbst ausschlaggebend dafür, welche und wie viele Arten vorkommen, erläutert Marco Moretti von der WSL. 

Trittsteine auf dem Weg durch die Stadt
Für Fluginsekten wie Bienen und Rüsselkäfer hingegen eröffnen sich dank der Gründächer neue Möglichkeiten. Ist die Distanz nicht allzu weit, findet über den Dächern ein regelmässiger Austausch statt. Die Naturinseln schaffen Trittsteine auf dem Weg durch die Stadt, vernetzen entfernte Lebensräume miteinander und machen dadurch die Städte durchlässig für die Tierwelt.

Die Forschenden fanden zudem heraus, dass die Vernetzung der grünen Oasen der bei weitem wichtigste Faktor für die Artenvielfalt und Artenzusammensetzung der Fluginsekten in einer Stadt ist. Gut miteinander vernetzte Insektengesellschaften gelten ausserdem als weniger anfällig gegenüber Störungen und haben somit bessere Überlebenschancen. 

Vielfältige Dächer anstreben
Mit der gezielten Förderung von begrünten Dächern im Rahmen der Stadtplanung liesse sich daher der Lebensraum von Insekten und Spinnen verbessern. Ein enges Netzwerk würde dabei auch weniger mobilen Arten den Austausch ermöglichen. Wichtig ist bei der Gestaltung von Gründächern weniger die Grösse, als vielmehr die Vielfalt an natürlichen Strukturen und Pflanzen. So könne man beispielsweise durch Variation des Bodenmaterials und dessen Schichtdicke ein breiteres Angebot an Lebensräumen für Pflanzen und Tiere schaffen, erläutert Moretti. 

Anmerkungen

  1. Die Ergebnisse entstanden im Rahmen einer Dissertation von Sonja Braaker an der WSL als Teil des Forschungsprojekts «Enhance», das die Lebensraumvernetzung und Massnahmen zu deren Förderung in urbanen, landwirtschaftlichen und wassernahen Gebieten untersuchte.

Neue SIA-Norm Dachbegrünung
Die Begrünung von Dachflächen hat sich in den letzten Jahren von Pilotprojekten hin zum Standardverfahren der Bedeckung von Flachdächern entwickelt. Zunehmend werden auch Schräg- und Steildächer begrünt. Um den damit einher gehenden Bedarf nach Planungs- und Qualitätssicherung bei Dachbegrünungen zu decken, wurde nun eine entsprechende SIA-Norm erarbeitet. Die kürzlich erschienene Norm SIA 312 «Begrünung von Dächern» enthält die aktuellen Erkenntnisse zur Planung und Ausführung von Dachbegrünungen. Ebenso werden umweltspezifische Überlegungen wie Regenrückhaltewirkung und ökologischer Ausgleich behandelt.
Die neue Norm gilt für die Projektierung und Ausführung von begrünten Dachflächen. Sie umfasst den ganzen Aufbau ab Drainage- bzw. Wurzelschutzschicht, die Gestaltung von Dachflächen sowie Material- und Pflanzenwahl. Die Norm enthält auch Hinweise zur Anwachspflege und zur Kombination von Dachbegrünungen mit Solarenergienutzung. Die Allgemeinen Bedingungen Bau (ABB) zur vorliegenden Norm sind in der Norm SIA 118/312 «Allgemeine Bedingungen für Begrünung von Dächern» enthalten.

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