Was bleibt vom Kaufhaus?
Editorial espazium magazin 16/2026
Das erste Warenhaus der Welt eröffnete 1852 in Paris. «Le Bon Marché» versprach alles unter einem Dach. Die Pariser Bevölkerung kam, um zu staunen, zu verweilen und sich unter die Leute zu mischen. Das Warenhaus war nicht nur ein Geschäftshaus, sondern vielmehr ein Stück Stadt. In der Schweiz eröffnete Julius Brann 1896 das erste Kaufhaus in Zürich. Diesem folgten bald Manor, Loeb, EPA und der Glaspalast von Jelmoli an der Zürcher Seidengasse. Der Weihnachtsbaum im Atrium und das Gedränge vor den Schaufenstern an einem Samstagnachmittag gehörten bald zum kollektiven Gedächtnis.
Heute dagegen schliesst ein Kaufhaus nach dem anderen: Manor zog aus seinem Hauptgebäude in der Zürcher Bahnhofstrasse aus, Jelmoli macht dicht und in Deutschland streicht Galeria Karstadt Kaufhof über fünfzig Filialen. Der Onlinehandel floriert und hat dem stationären Detailhandel spätestens seit der Pandemie die Kundschaft abgejagt. Allein ist er aber nicht verantwortlich. Im Fall von Jelmoli war es eine Immobiliengesellschaft, die das Ende besiegelte, denn Büros rentieren offenbar besser als Verkaufsflächen.
Was bleibt heute also vom Kaufhaus? Eine Strategie ist die Luxuslinie: Harrods in London und die Galeries Lafayette in Paris funktionieren längst als Tourismusdestinationen und auch das Paris La Samaritaine kehrte nach seinem Umbau als prächtiger Konsumtempel zurück.
Globus schlug diesen Weg ebenfalls ein: In Basel entstand hinter denkmalgeschützter Fassade ein vollständiger Neubau, ausgerichtet auf Pomp und Erlebnis. Das Kaiserhaus in Bern dagegen geht konzeptuell neue Wege: Hier formieren sich fünf Altstadthäuser zu einem Ensemble und versammeln 60 Labels unter einem Dach, bei denen Kreislaufwirtschaft Betriebsprinzip ist. Hierher kommt man zum Entdecken, Verweilen und «Kömerle» – wie in guten alten Zeiten. Welche der beiden gänzlich unterschiedlichen Lösungen ist für Sie die Antwort auf das Dilemma der heutigen Konsumgesellschaft?