Grand Lau­sanne im Hoch­haus­fie­ber

In Malley, einem Stadtviertel im Westen von Lausanne, spriessen vier neue Hochhäuser aus dem Boden. Zwischen ökologischen Ansprüchen, dem Wunsch nach sozialer Durchmischung und den Wunden vergangener Volksabstimmungen bleibt das Bauen in die Höhe eine grosse architektonische und politische Herausforderung.

Publikationsdatum
28-09-2026

In der Region Lausanne umgeben heute vier neue Hochhäuser den Bahnhof Prilly-Malley: der Tilia Tower, die beiden Türme von Central Malley und die Aufstockung Malley Phare. In diesem Entwicklungsgebiet entstanden über 500 neue Wohnungen, trotzdem nimmt der Druck auf den Wohnungsmarkt weiter zu. Die vier Hochhäuser überschreiten 60 m und strahlen weit über die geografischen Grenzen des Quartiers hinaus.

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Regelungen für das Bauen in die Höhe

So viele neue Hochhäuser sind selten: 1932 wurde mit der tour Bel-Air das erste Hochhaus der Schweiz in Lausanne gebaut, Nachahmer gab es in der Westschweiz aber keine.

Anderswo in der Schweiz baut man dagegen schon länger in die Höhe. In Basel sind Hochhäuser beliebt, weil die Landesgrenzen eine Flächenausdehnung verhindern. Der Kanton hat deshalb 2010 ein Hochhauskonzept verabschiedet, das gezielt Standorte für Hochhäuser fördert. In Zürich gehören Wolkenkratzer seit Mitte des 20. Jahrhunderts zur Identität der Stadt, besonders die Wohntürme aus dem sozialen Wohnungsbau der 1960er- und 1970er-Jahre. Die zunehmende Entwicklung in die Höhe ist damit noch nicht abgeschlossen. Um sie besser zu steuern, hat der Zürcher Stadtrat 2024 die Richtlinien für Hochhäuser aktualisiert und gleichzeitig die entsprechende Teilrevision der Bau- und Zonenordnung (BZO) erarbeitet. In Genf kehren die Hochhäuser nach Jahren des Misstrauens zurück, trotz fehlendem Richtplan: Beispiele sind die tour Opale, die tour Atura und, in naher Zukunft, das städtebauliche Gross­projekt PAV, das rund 30 Hochhäuser vorsieht, darunter zwei Gebäude mit 170 und 175 m Höhe.

Und über welches städtebauliche Instrument verfügt Lausanne? 2014 erschien die «Stratégie pour l'implantation des tours (Strategie zur Setzung von Hochhäusern)». Sie legt mehrere Kriterien fest, um die architektonische Qualität von Hochhäusern zu beurteilen: Skyline, städtebauliche Gestaltung und Erschliessung sind die wichtigsten.

Benoît Bieler, Direktor der Richtstrategie Lausanne West, gibt über Malley Auskunft: 2004 wurde das 80 ha grosse Stadtviertel als Entwicklungsgebiet ausgewiesen (siehe auch: Stéphanie Sonnette, «Malley, un palimpseste», Bâtisseur suisse Central Malley, erscheint im November 2026): Der Ort gilt als fehlendes Bindeglied zwischen Renens und Lausanne. Warum haben diese Projekte gerade hier die Form von Hochhäusern angenommen?

«Das Hochhaus ist keine Zauberformel, sondern eines von vielen Instrumenten zur Verdichtung im Werkzeugkasten der Stadtplanung», erklärt Bieler. «In Malley gab es bis anhin keine öffentlichen Räume. Der Nutzungsplan sah Hochhäuser vor, die es erlaubten, Flächen freizuhalten und diese öffentlichen Räume zu schaffen.»

Vor dem Volk

Das Bauen in die Höhe verlief jedoch nicht ohne Widerstand. In Lausanne und Umgebung sind in den letzten fünfzehn Jahren mehrere Hochhausprojekte an der Urne gescheitert. 

«Sichtbeziehungen, etwa zur Kathedrale, schliessen gewisse Varianten von Hochhäusern von vornherein aus», fährt Bieler fort. Die geografische Lage von Malley – flach, versteckt, vor allem aber ohne jeden Seeblick – erklärt vielleicht, weshalb der Widerstand hier schwächer ausfiel als anderswo.

Was ausserdem vielen Hochhäusern zum Erfolg verhilft, ist folgende Vorgehensweise: Man lässt zuerst den Sondernutzungsplan von der Bevölkerung genehmigen und schreibt erst danach das Architekturprojekt aus. Das passierte so auch in Malley: Der von den Behörden unterstützte Sondernutzungsplan wurde 2016 nach einer Volksabstimmung mit 58 % angenommen. Dieser sah die Volumen der heute realisierten Hochhäuser schon vor, die Projektwettbewerbe wurden aber erst nach der Annahme durch das Stimmvolk ausgeschrieben.

Gemeinschaftlich in die Höhe

Die Westschweiz hat den Hochhausbau neu für sich entdeckt – allerdings tut sie sich noch schwer, gemeinschaftlichen Nutzungen Raum zu geben. Ursprünglich war im obersten Stockwerk der tour Bel-Air ein Teesalon geplant. Heute befindet sich dort eine 6.5-Zimmer-Wohnung für Fr. 8000 Monatsmiete (Stand 7.3.2026 auf immoscout24.ch).

In Central Malley beherbergt das Hochhaus auf Areal A im 18. Stock eine doppelgeschossige Bar. Architekturschaffende und Gemeindebehörden kämpften mit allen Mitteln darum, im Raum zwischen Aufzug und Bar einen winzigen öffentlichen Salon mit Blick auf die Landschaft einzurichten. Und bei den Hochhäusern in der Nachbarschaft? Die Gemeinschaftswaschküche des Hochhauses auf Areal B grenzt an die Terrasse des Sockelbaus – die stark verkleinert wurde, seit sie mit Solarpanels belegt werden musste. Beim Tilia Tower verkaufen der Gemeinschaftsraum und die Terrasse des Co-Living-Bereichs ein idealisiertes Bild von Gemeinschaft: Das Angebot richtet sich an wohlhabende, mobile Arbeitskräfte und schliesst einkommensschwache Haushalte faktisch aus. Im obersten Stockwerk befinden sich zudem Luxuswohnungen.

Wird das Gemeinschaftsleben in Hochhäusern künftig mehr Raum erhalten? Möglich: Die Zürcher Hochhausrichtlinien schreiben seit Kurzem ein ausreichendes Angebot an Gemeinschaftsflächen in den Obergeschossen vor. Ausserdem sollen Hochhäuser ab 60 m innerhalb von Quartierzentren eine publikumsorientierte Nutzung in einem der obersten Geschosse aufweisen.

Auf der Höhe der Zeit

In der Schweiz erlebt der Hochhausbau ein neues Interesse, besonders in Entwicklungsgebieten. «In den letzten zehn Jahren wurden so viele Hochhäuser gebaut wie in den drei Jahrzehnten davor zusammen – das gab es seit dem Boom der 1960er- und 1970er-Jahre nicht mehr», erklärt der Ökonom Frédérique Hasenmaile. Der Grund für dieses Interesse sei «der wachsende Immobiliendruck und der astronomische Anstieg der Landpreise» (siehe Collage 6/22).

Allein in Malley sind drei weitere Hochhäuser geplant. Ist es widersprüchlich, das Bauen in die Höhe mit nachhaltigen Massnahmen verbinden zu wollen? Für Benoît Bieler ist es «sinnvoll, im Hochhausbau zu experimentieren, auch wenn das auf dieser Ebene natürlich komplexer ist». Innovative Lösungen haben sich bereits bewährt: der Einsatz von CO2-reduziertem Zement LC3 (Tilia), eine Hybridstruktur aus Holz und Beton (Tilia und Malley Phare), ein geothermisches Energiesystem für eine Klimatisierung mit geringem CO2-Ausstoss (Tilia), der Einsatz von Erdwärmesonden…

Die jüngere Geschichte zeigt, wie vielschichtig die Erwartungen sind, die heute auf dem Wohnhochhaus lasten. Aber erwarten wir das nicht zu Recht?

Dieser Artikel wurde erstmals in espazium revue 8-9/2026 unter dem Titel «Grand Lausanne : syndrome de tourette» veröffentlicht. Die vorliegende Übersetzung wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und anschliessend von der Redaktion überarbeitet.

Tour Tilia, Malley, Prilly (VD)

Bauherrschaft: Insula, Lausanne

Architektur: 3XN, Kopenhagen; Itten+Brechbühl, Lausanne; Fehlmann Architectes, Morges

Bauingenieurwesen: Lüchinger Meyer Partner, Lausanne

Totalunternehmung: HRS Real Estate, Saint-Sulpice

Verfahren: Internationaler Wettbewerb 2020

Fertigstellung: 2026

Tour Central Malley A, Malley, Prilly (VD)

Bauherrschaft: CFF Immobilier, Renens

Architektur: AAPA, Carouge

Bauingenieurwesen: Nicolas Fehlmann Ingénieurs Conseils, 
Morges

Verfahren: Wettbewerb 2018

Fertigstellung: 2026

Tour Central Malley B, Malley, Prilly (VD)

Bauherrschaft: CFF Immobilier, Renens

Architektur: Pont12, Chavannes-près-Renens

Bauingenieurwesen: Ingeni, Lausanne; Nicolas Fehlmann Ingénieurs Conseils, Morges

Totalunternehmung: Implenia, Crissier

Verfahren: Wettbewerb 2018

Fertigstellung: 2026

Malley Phare, Malley, Prilly (VD)

Bauherrschaft: Suva, Luzern

Architektur: CCHE, Lausanne

Bauingenieurwesen: Monod-Piguet + associés, Lausanne

Totalunternehmung: JPF Ducret, Bulle; Perspectives Construction, Lausanne

Fertigstellung: 2027

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