Down­town De­ni­se Scott Brown

Als Architektin, Stadtplanerin, Theoretikerin und Lehrende hat Denise Scott Brown den Lauf der Architektur seit den 1960er-Jahren entscheidend mitgeprägt. Das Architekturzentrum Wien zeigt die weltweit erste Einzelausstellung ihres Schaffens.

Publication
31-01-2019
Revision
31-01-2019

Denise Scott Brown hat den Zusammenhang von Architektur und Stadtplanung, die Regeln von Entwurf, Fotografie und Analyse sowie Fragen von sozialer Verantwortung und Alltag und nicht zuletzt die Möglichkeit gemeinsamer Kreativität neu definiert. Zusammen mit ihrem langjährigen Partner und Ehemann Robert Venturi hat sie die Moderne infrage gestellt und sich mit besonderer Aufmerksamkeit der Alltagsarchitektur gewidmet. 

Das Architekturzentrum Wien (Az W) zeigt nun in der Einzelausstellung «Downtown Denise Scott Brown» das Werk dieser beeindruckenden Frau. Die Schau will aufzeigen, wie stark Denise Scott Brown die Architektur in Praxis und Theorie beeinflusst hat. Ihre Aussagen haben bis heute Gültigkeit, denn Scott Brown war der Überzeugung, dass man die Dinge, die Architektur und die Umgebung zuerst einmal so annehmen muss, wie sie sind, um sie verändern zu können. Mit ihrer Forschung über Las Vegas hat die Architektin gemeinsam mit Robert Venturi und Steven Izenour eine neue Einschätzung der Architektur losgetreten.

Die Analyse dessen, was andere als «unwertig» empfinden, ist für sie genauso wichtig und interessant wie zum Beispiel Gebäude aus der Bauhauszeit oder andere zeitgenösische moderne Gebäude. Auch heutzutage sind Kontext, Kommunikation und Geschichte für die Planung wichtig, und Scott Browns undogmatische Formensprache, ihre zurückhaltenden urbanen Eingriffe, ihre aufschlussreichen fotografischen Analysen, aber auch ihre manieristischen Eskapaden und ihr postheroischer Humor sind reif für eine Wiederentdeckung.
 

Denise Scott Brown und Robert Venturi 2003 im Interview mit TEC21: 
«Wir sind die letzten noch lebenden Funktionalisten»


Obwohl Scott Brown einen elementaren Beitrag zum Architekturdiskurs geleistet hat, wird ihre Arbeit auch heute noch häufig Venturi zugesprochen. Diese Vermengung beruht nicht zuletzt darauf, dass Scott Brown die kollektive Kreativität besonders wichtig war. Damals wurde – wie auch heute noch – in einem Team meist zuerst der Mann gewürdigt, die Frau jedoch mehr oder weniger als Assistentin angesehen. Besonders eklatant zeigte sich diese fehlende Würdigung von Scott Browns Arbeit 1991 bei der Verleihung des Pritzker-Preises, der nur Venturi zugesprochen wurde. 

Auch wenn Denise Scott Brown die Wichtigkeit des Gemeinsamen immer betont hat, gibt es Projekte, die insbesondere auf ihre Arbeit zurückzuführen sind. Diese Projekte und Theorien werden in der Ausstellung im Az W bevorzugt gezeigt. Angelika Fitz, Direktorin des Az W, betont die neuartige Form der Ausstellungsinszenierung. Da sich Scott Brown besonders auch für das Urbane und die Stadt interessierte, hat das Az W einen städtischen Platz gebaut, der mit Schaufenstern von Wiener Geschäften umgeben ist. In diesen «Auslagen» wird das Leben und Werk Denise Scott Browns ausgestellt.

Der Katalog zur Ausstellung erscheint im Format eines Reiseführers. «Your Guide to Downtown Denise Scott Brown» erläutert die Entstehungsgeschichte der Ausstellung und führt auf verschiedenen Routen durch Leben und Werk von Denise Scott Brown, begleitet von einem ausführlichen, bislang unveröffentlichten Gespräch mit der Architektin.

Ausstellung bis 18. März 2019 im Architekturzentrum Wien. Weitere Infos: www.azw.at

Jeremy Eric Tenenbaum. Herausgegeben und mit Beiträgen von Angelika Fitz, Katharina Ritter, Architekturzentrum Wien: Your Guide to Downtown Denise Scott Brown. 
Park Books, Zürich 2018. Text in Englisch, 176 Seiten, 237 farbige und 27 sw-Abbildungen,
16.5 × 24 cm, ISBN 978-3-03860-127-2, Fr. 39.–

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