«Den Si­mu­la­tio­nen sind kaum noch Gren­zen ge­setzt»

Spitalbauten sind an sich schon komplexe Gebäude. Zudem verlangt der technische und gesellschaftliche Wandel laufend nach neuen  Nutzungskonzepten. Daher liegt es nahe, Gebäudeplanung und -betrieb digital zu vernetzen. BIM kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. 

Publikationsdatum
07-11-2019

Architekten und Fachplaner, die Gesundheitsbauten entwerfen, stehen vor einer schwierigen Aufgabe. Sie sollen Gebäude konzipieren, die viele Bedürfnisse ab­decken: Patienten, Pflegepersonal und Ärzte, Logistikmitarbeiter und Besucher haben unterschiedliche Ansprüche an die Bauten. Für die Krankenhauskunden – Patienten und Patientinnen – zählen Dinge wie eine komfortable Ausstattung, eine angemessene Raumproportion, eine angenehme Akustik oder eine gute Orientierung. Und wiewohl die Genesung der Patienten im Mittelpunkt steht, sollten die Mitarbeitenden, die täglich und über viele Jahre in den Gebäuden arbeiten, als essenzielle Leistungserbringer nicht vernachlässigt werden. Das Interesse der Bauherren konzentriert sich vorwiegend auf Rentabilität und Prozessoptimierung, neueste Diagnose- und Opera­tions­technik, aber auch auf motiviertes Personal. Wie also gehen Architekten diese Bauaufgabe an, und in welcher Form kann Building Information Modelling sie dabei unterstützen? TEC21 hat bei Nickl und Partner Architekten nachgefragt, einem Büro, das sich seit 40 Jahren mit der Konzeption und Realisierung von Gesundheitsbauten beschäftigt.

TEC21: Sowohl die gesellschaftliche als auch die technische Entwicklung verändern den Betrieb im Spital grundlegend. Was heisst das für die Architektur von Gesundheitsbauten ganz allgemein?

Magnus Nickl: Die Anforderungen an die technische Ausstattung, die Automatisierung und den Bereich Smart Building werden immer komplexer. Hinzu kommt das Ambiente, das besonders im Spitalbau eine zentrale Rolle spielt. Zudem zeigt sich eine Tendenz zu mehr ambulanten Eingriffen auf der einen Seite und längeren Aufenthalten, vor allen von älteren Patienten, auf der anderen Seite. Dieser Entwicklung müssen wir im Raumprogramm Rechnung tragen.

TEC21: Sie planen Spitalbauten mit der BIM-Arbeitsmethode? Welchen Vorteil ziehen Sie daraus?

Jörg Leidenroth: Die Planung wird aufgrund der Normen und des technischen Fortschritts immer umfangreicher. Das BIM-Modell liefert 3-D-Gebäudedaten, die Geometrien sowie das Wesentliche: Infor­mationen – Informationen zum Gebäude, zu Räumen bzw. zu einzelnen Bauteilen. Wenn diese im BIM-­Modell strukturiert und in der notwendigen Tiefe vorliegen, können Berechnungen detaillierter erfolgen. Die BIM-Methode gibt uns Tools an die Hand, vor allem Bauteilgeometrie, Bauphysik oder technische Ausstattung optimal zu planen.

TEC21: Warum sollte sich eine Klinikleitung für BIM ent­scheiden?

Nickl: Die Klinikleitung kann mithilfe eines digitalen Zwillings schon in der Planungsphase den Betrieb des Gebäudes optimieren.

Leidenroth: Die neuen technischen Möglichkeiten erleichtern im Projekt die Kommunikation und Abstimmung zwischen Bauherrschaft, Nutzern und der Öffentlichkeit. Mit Darstellungen in 3-D oder kurzen Filmen lässt sich Architektur leichter vermitteln, was die Akzeptanz der Projektbeteiligten erhöht.

TEC21: BIM verändert den Planungsprozess. Gilt das auch für das Raumprogramm der Gebäude?

Nickl: In diesem Zusammenhang ist das Thema «Evidence-Based Design» relevant. Unter Ein­bezug der Ausgangsdaten der Nutzung, die zum Beispiel über Tracking Tools ermittelt werden, sind Simu­lationen möglich, die Grundrissgeometrien oder Raumprogramme erheblich beeinflussen. So entstehen Bauwerke, die einen wirklichen Mehrwert für die Nutzer haben.

TEC21: Ein Gebäude lässt sich simulieren. Gilt das auch für Abläufe im Klinikbetrieb? Zum Beispiel die Wege, die Ärzte, Patienten oder Pflegekräfte zurücklegen?

Leidenroth: Ja, mit viel Erfahrung mit Software, Prozessen und Informationen. Technisch sind den Simulationen tatsächlich kaum mehr Grenzen gesetzt. Sie erlauben einen Einblick in die künftigen Arbeitsabläufe, von der Festlegung von Warteflächen über Logistikabläufe hin zu wegeoptimierter Anordnung der Pflegestationen.

Nickl: Gerade für den wirtschaftlichen Be­trieb solcher Gebäude werden Daten und deren ­Verfügbarkeit immer wichtiger.

Die ausführliche Version dieses Artikels ist erschienen in TEC21 45/2019 «Spitalbau – digital unterstützt».

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