Fünf Jah­re Big BIM

Der Rohbau des neuen Hauptgebäudes des Inselspitals in Bern wächst ­rasant in die Höhe. In einem Jahr soll die Aufrichte gefeiert werden,die klinische Inbetriebnahme ist 2023 geplant. Nach fünf Jahren BIM im ­Grossprojekt blickt der Gesamtprojektleiter zurück und in die Zukunft.

Publikationsdatum
07-11-2019
Bruno Jung
Gesamtprojektleiter Neubau Spitalgebäude Baubereich 12, Inselspital Bern

Der Neubau des Spitalgebäudes «Bau­bereich 12» (BB12) ist eines der ersten Projekte, das im Hinblick auf eine langfristige Entwicklung des gesamten Masterplans Inselareal in Bern realisiert wird. Der Neubau mit über 82 000 m² Geschossfläche wird das neue Hauptgebäude des Inselspitals sein und in Zukunft das heutige Bettenhochhaus ersetzen. Das Schweizer Herz- und Gefässzentrum und verschiedene Fachkliniken werden ebenfalls hier untergebracht.

Im Herbst 2014 wurde der Projektwettbewerb nach SIA 142 durchgeführt. Bereits bei der Erstellung der Wettbewerbsunterlagen wurde aufseiten des Bauherrn diskutiert, ob Building Information Modelling (BIM) dem Generalplaner für die Planung vorgeschrieben und entsprechende Nachweise verlangt werden sollen. Damals verzichtete man darauf, da in der Schweiz noch wenig Erfahrung mit BIM in Grossprojekten vorhanden war und entsprechend viele potenzielle Anbieter von der Teilnahme ausgeschlossen worden wären.

Nach dem Zuschlag an die Planergemeinschaft Archipel wurde das Thema BIM im Planungsprozess schnell wieder aufgenommen. Bauherr und Generalplaner fanden bald den Konsens, dass ein Projekt dieser Grösse und Komplexität ohne den Einsatz von BIM nicht effizient realisiert und gesteuert werden könne.

Mit BIM und der dazugehörigen neuen Zusammenarbeitskultur im Projekt wurden in einem ersten Schritt für die Planung übergeordnete Ziele angestrebt: Beherrschen der Komplexität in Bezug auf Architektur, Haustechnik oder Medizintechnik; Effizienz­stei­ge­rung in der Planung und im Abgleich mit der Bau­herrschaft; Erhöhen der Planungsqualität und Kosten­sicherheit; strukturierte Prozesse und Informationen sowie einfachere Beurteilung und Umsetzung von Projektänderungen.

Mitarbeitende involvieren

Die gemeinsame Erarbeitung der BIM-Prozesse war für die Bauherrschaft und das Generalplanerteam aufwendig, aber nutzbringend. Gleichzeitig mit den Prozessen haben sie die Erwartungen an die Zusammenarbeit, Lieferergebnisse und das Projektmanagement geklärt. Vielfach waren es nicht die technischen Diskussionen, sondern Fragen nach der Zusammenarbeit sowie fehlende Normen-, Rechts- und Erfahrungssicherheit, die das Projektteam beschäftigten.

Auch die Direktion Infrastruktur der Insel Gruppe als Bauherrschaft hat in dieser Zeit eine BIM-
Strategie für den ganzen Lebenszyklus der Gebäude ent­wickelt, die entsprechenden Organisationsentwicklungen eingeleitet und erste Massnahmen umgesetzt. So ist der neu geschaffene Bereich «Datenmanagement» verantwortlich für das integrierte Life-­Cycle-Daten­management mit der entsprechenden Strukturierung und Standardisierung.

Als erfolgsentscheidend kristallisierte sich ­heraus, dass die Mitarbeitenden die Freiheit erhielten, die neuen Techniken zu entdecken, sich aktiv in den Veränderungsprozess einzubringen und damit die ­Entwicklung mit ihrem Fachwissen mitzugestalten. Wichtige Eckpfeiler dieser Mitarbeiterinnen- und Mit­ar­beiterbefähigung der Direktion Infrastruktur waren die internen Programme: Konfliktkultur, Innovationsmanagement und Talentmanagement.

Die ausführliche Version dieses Artikels ist erschienen in TEC21 45/2019 «Spitalbau – digital unterstützt».

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Das Projekt


Der Neubau Spitalgebäude Baubereich 12 ist nach dem Theodor-Kocher-Haus und dem Forschungsgebäude das dritte Projekt im Rahmen des Masterplans Inselareal. Das neue Gebäude wird künftig das heutige Bettenhochhaus ersetzen. Zudem wird der Bau das Schweizer Herz- und Gefässzentrum und verschiedene Fachkliniken beheimaten.


Das Projekt der Planergemeinschaft Archipel mit den Architekturbüros GWJ Architektur, IAAG Architekten und ASTOC Architects and Planners ist als Stadt in der Stadt konzipiert.


Die Eingangshalle und öffentliche Räume – die Stadtplätze – laden zum Eintreten und Verweilen ein. Das Pflegegeschoss – das Quartier – bieten eine Orientierung und Nachbarschaft. Das Patientenzimmer – das Zuhause – ist ein Ort der Geborgenheit.


«Obwohl im Grundriss und in der Höhe gestaffelt, präsentiert sich das Gebäude als einheitlicher Baukörper. Die klassische Sockeltypologie eines Spitalgebäudes wird durch die gleichförmige Fassadengestaltung geschickt überspielt. Es gelingt dem Entwurf auch, die verschiedenen Anforderungen der hochfrequenten Ambulatorien, der technisierten Interventionsgeschosse und der Pflegegeschosse stimmig über das ganze Gebäude zu erfüllen», heisst es im Wettbewerbsbericht.


Dank den grossen Fenstern und dem abgesetzten Volumen wird im neuen Gebäude der Lichteinfall für die Patienten, Besucher und Mitarbeitende optimiert. Vier Passerellen verbinden das Gebäude mit den anderen Kliniken des Inselspitals, sorgen für kurze Wege und erleichtern so die interdisziplinäre Zusammen­arbeit.

Projektdaten


Geschossfläche
82 000 m2


Anzahl Geschosse
20


Anzahl Räume
3334


Anzahl Betten
520


Mitarbeitende
1600


Operationen pro Tag
70 – 80

 

Projektbeteiligte


Bauherrschaft
Inselspital, Universitäts­spital Bern, Direktion ­Infrastruktur Insel Gruppe


Generalplanung
Planergemeinschaft Archipel, Bern


Architektur
IAAG Architekten, Bern;
GWJ Architektur, Bern; ASTOC Architects and Planners, Köln


Tragwerksplanung und Tiefbau
Kissling + Zbinden, Bern
dsp Ingenieure & Planer, Uster

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