Aus Alt mach Neu

Projektwettbewerb Alters- und Pflegeheim Dankensberg, Beinwil am See AG

Damit das Alterszentrum Dankensberg erweitert werden kann, muss die Villa weichen, mit der alles begonnen hat. Die Qualitäten des Gebäudekonglomerats mit Garten und Seesicht sollen erhalten bleiben.

Jean-Pierre Wymann Architekt ETH SIA BSA

Die Stiftung Dankensberg geht auf die private Initiative des Zigarrenfabrikanten Alfred Sager zurück. 1921 erstellte er in Beinwil am See ein Haus mit zwei Wohnungen und elf Patientenzimmern. Später wurde das Alters- und Pflegeheim erweitert. Heute verfügt es über 53 Pflegeplätze und 21 Alterswohnungen. Die zwei wichtigsten Qualitäten der Anlage sind der grosse Park mit Gartenhaus, Biotop und einem Kleintiergehege im Westen und der Blick auf den Hallwilersee im Osten.

Um das Angebot zu erweitern, entschied der Stiftungsrat, die Gründervilla A zum Abbruch freizugeben und das angeschlossene Gebäude B umzubauen. Dadurch sollen zwei zusätzliche Pflegeabteilungen mit 18 bis 19 Betten entstehen. Der grosszügige Aussenraum soll möglichst erhalten bleiben. Um Lösungsansätze für diese Bauaufgabe zu erhalten, hat die Stiftung Dankensberg einen Projektwettbewerb im selektiven Verfahren durchgeführt. Aus 83 Bewerbungen wurden 7 Architekturbüros ausgewählt, darunter auch ein Nachwuchsbüro.

Homogen

Die Jury empfiehlt einstimmig das Projekt von Fiechter & Salzmann Architekten zur Weiterbearbeitung. Die Erweiterung besteht aus einem kompakten Volumen, das mit dem Bestandsgebäude B verwoben ist. So entstehen eine Gesamtfigur und ein neuer Hauptbau mit vielen Bezügen zum Bestand. Die Gartenfassade mit der Loggia erinnert an die Gründervilla. Das Motiv der Doppelfenster und der weisse Verputz werden von den später angefügten Erweiterungsbauten übernommen.

Durch den kleinen Fussabdruck des Neubaus bleibt die Gartenanlage fast vollständig bestehen und wird durch gestalterische Elemente aufgewertet. Eine grosse Fläche mit Sitzplätzen erstreckt sich bis zum Gartenhaus. Daneben sind rechtecki­ge Beete mit ganzjähriger Bepflanzung angelegt. Die Raumfolge von Foyer, Speisesaal, Lounge und Mehrzweckraum im Erdgeschoss ist zum Garten orientiert und vielfältig nutzbar. Die Pflegeabteilungen in den beiden Obergeschossen sind übersichtlich organisiert und zeichnen sich durch kurze Wege aus. Die Aufenthaltsräume sind nach Osten ausgerichtet und verfügen über einen grosszügigen Balkon mit Seesicht.

Mit einer geschickten Disposition reagiert das Projekt auf die beiden Qualitäten des Orts. Das Erdgeschoss ist ganz auf den Garten fokussiert, im Obergeschoss profitieren die Aufenthaltsräume vom Seeblick über die bestehenden Gebäude hinweg. Trotzdem spart die Jury nicht mit Kritik. So verhindere die Personalgarderobe eine einladende Geste gegen Norden. Zur Erschliessung der Obergeschosse fehle wahrscheinlich eine Treppe, und die Stationszimmer lägen zu peripher. Auch die Fassadegestaltung überzeuge in vielen Bereichen nicht. Der mosaikverkleidete Sockel führe zu eigenartigen Proportionen, der Dachrand wirke unausgewogen, und eine hochwertigere Konstruktion als die vorgeschlagene Kompaktfassade sei wünschenswert.

Heterogen

Der zweitrangierte Beitrag von amrein giger architekten besetzt die nordwestliche Ecke des Wett­bewerbsperimeters und geht auf Distanz zum Bestandsgebäude C. Dadurch greifen sie mehr in den Grünraum ein, sorgen aber für ein angemessenes Nebeneinander von Alt und Neu. Die blaugrün schimmernde Metallverkleidung stellt einen Kontrast zur Bestandfassade dar. Die Jury misst der Ensemblewirkung einen hohen Stellenwert bei, vermisst beim Projekt jedoch die Einheitlichkeit.

Im transparenten Erdgeschoss erzeugen die öffentlichen Räume einen diagonalen Raumfluss, angefangen mit dem Speisesaal über die Cafeteria und den Aufenthaltsbereich bis zum Mehrzweckraum. Das Gebäude öffnet sich auf beiden Seiten, sowohl zum Eingangsbereich im Norden als auch über einen grosszügigen gedeckten Sitzplatz zum Garten im Süden. Das Obergeschoss ist geschickt gestaffelt, die Wege sind kurz, und die Orientierung ist gut. Am Ende der Korridore wird immer ein Bezug zur Umgebung hergestellt. Zum Aufenthaltsbereich gehört eine geschützte Loggia, die im Gegensatz zum Balkon des Gewinnerprojekts nicht den Seeblick anvisiert, sondern klar auf den Grünraum ausgerichtet ist.

Die Jury bemängelt neben der fehlenden Einheitlichkeit des äusseren Auftritts vor allem die Umbaumassnahmen. Die Zimmer im Altbau seien von der übrigen Pflegeabteilung abgehängt, die Korridore eng und die Steigzonen für die Haustechnik mit grossen Eingriffen verbunden. Mit der ­Rampe als Verbindung zum Neubau ­könnten zwar die Raumhöhen der neuen Geschosse angehoben werden, nachteilig sei aber die Führung übereck.

Typologisch

Einen strikt typologischen Ansatz verfolgt der Beitrag auf dem dritten Rang von Stump & Schibli Architekten. Zu den bestehenden Erweiterungsbauten, die wie Finger nach Süden in den Park greifen, wird ein zweigeschossiger Neubau gesetzt. Ein gläsernes Foyer verbindet alle Gebäude untereinander. So haben die Zimmer im Erdgeschoss einen direkten Bezug zum Garten. Der Preis dafür ist aber hoch, denn es geht ein grosser Teil des Grünraums verloren. Zwischen den Bauten verbleiben Resträume mit eingeschränkter Aufenthaltsqualität.

Alle Zimmer der Pflegeabteilungen werden im Neubau untergebracht und beiderseits eines langen, eher unattraktiven Korridors aufgereiht. Dieser mündet zwar in einen Aufenthaltsraum mit Balkon im Süden, erhält aber nur wenig Tageslicht. Im bestehenden Haus sind nur Räume untergebracht, die mit wenigen Eingriffen in die bestehende Bausubstanz auskommen. Die Anordnung des Mehrzweckraums im Dachgeschoss kommt aus betrieblichen Gründen nicht infrage, sollte er doch zusammen mit Cafeteria, Foyer und Küche genutzt werden können. Trotz der sorgfältigen Umsetzung des stringenten Konzepts kann der Verlust der grosszügigen Gartenanlage nicht mit einem Mehrwert kompensiert werden.

Garten und Seeblick

Die Aufgabe war anspruchsvoll, galt es doch ein über ein Jahrhundert gewachsenes Konglomerat von unterschiedlichen Gebäuden zu erweitern. Erschwerend kam hinzu, dass mit dem Abbruch der Gründervilla Ursprung und Nahtstelle des Potpourris an Bauten abhanden kommen. Den Verfassern des Siegerprojekts gelingt es, die beiden wichtigsten Qualitäten des bestehenden Alterszentrums – Seeblick und Gartenanlage – herauszuarbeiten und schlüssig in einen überzeugenden Entwurf umzusetzen. Sie ersetzen den Verlust an Historie mit einem Neubau, der sich auf die Erweiterungsbauten bezieht und in dem die Geschichte leise mitschwingt.

 

Pläne und weitere Informationen finden Sie unter der Rubrik Wettbewerbe.

 

Auszeichnungen

1. Rang / 1. Preis: «Edmund»
Fiechter & Salzmann Architekten, Zürich;
Andreas Geser Landschafts­architekten, Zürich;
WMM Ingenieure, Münchenstein
2. Rang / 2. Preis: «Sumatra»
amrein giger architekten, Basel
3. Rang / 3. Preis: «Gilberte»
Stump & Schibli Architekten, Basel
4. Rang / 4. Preis: «Tante Grün»
Stoos Architekten, Brugg

Weitere Teilnehmende

BUR Architekten, Zürich
GNWA, Gonzalo Neri & Weck
Architekten, Zürich
Metron Architektur, Brugg

FachJury

Andreas Graf, Architekt; Monika Jauch-Stolz, Architektin; William Steinmann, Architekt; Oliver Eichenberger, Architekt (Ersatz)

SachJury

Hans Schärer, Präsident Stiftungsrat Dankensberg (Vorsitz); Peter Lenzin, Gemeindeammann Beinwil am See; Stephan Weber, Vizepräsident Stiftungsrat Dankensberg (Ersatz)

Wettbewerbsbegleitung

William Steinmann, Wettingen

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