Zeitgenössisches Auffrischen der Belle Epoque

Die etappierte Neugestaltung des Seeufers in Brunnen SZ

2005 hat die Vierwaldstätterseegemeinde einen Ideenwettbewerb für die Umgestaltung der Quaianlage veranstaltet. Die Umsetzung des siegreichen Vorschlags geht nun in die zweite Etappe.

Paul Knüsel Umwelt/Energie, Stv. Chefredaktor TEC21

Brunnen gehört zum Agglomerationsraum Talkessel Schwyz und ist eine mittelgrosse Ortschaft in der Innerschwyzer Voralpenregion. Knapp 9000 Einwohner und beinahe 3'000 Arbeitsplätze zählt die Gemeinde. Die meisten davon bietet der Dienstleistungssektor, darunter auch die Hotellerie. Das Dorf selbst liegt am nördlichen Ende des Urnersees, umgeben von Stoos, Rigi und Mythen, und zeugt als einer der letzten Standorte im Kanton Schwyz vom Tourismusaufschwung in der Belle Epoque. Im Mittelalter stiegen hier Jakobspilger auf die Schiffe nach Luzern um. Und im 19. Jahrhundert entdeckten gekrönte Häupter aus ganz Europa diesen Flecken am Vierwaldstättersee. Vor genau 150 Jahren kam auch die englische Queen Victoria inkognito zu Besuch und schwärmte danach ausdrücklich von dieser Zentralschweizer Berglandschaft.

Reste der Tourismusblüte

Mit dem Bau der Gotthardbahn, dem Aufkommen der Dampfschiffe auf dem Vierwaldstättersee und dem Ausbau der Axenstrasse war Brunnen von allen Seiten plötzlich bequem und ebenso spektakulär erreichbar. Bereits vor Beginn des 20. Jh. zählte der Ort mehrere Grandhotels. Eines steht heute noch: der Waldstätterhof direkt an der historischen Uferpromenade, die sich schon damals auf einer Länge von etwa 3 km erstreckte. Sie ist seit der vorletzten Jahrhundertwende praktisch unverändert geblieben. In den 1990er-Jahren begann die Gemeindebehörde aber über eine tief greifende Erneuerung nachzudenken und entsprechende Planungs- und Studienaufträge zu vergeben. Die Absicht war, die Erhaltung der wertvollen Quaisubstanz mit einer Aufwertung zum Erholungsraum zu verbinden. Nicht zuletzt soll dies neue Impulse für die Tourismusförderung setzen.

2005 fand ein Ideenwettbewerb für die Seeufergestaltung statt, den das Planungsteam Dettling Wullschleger Architekten und Ryffel + Ryffel Landschaftsarchitekten gewann. Die Gemeinde konzentrierte die Erneuerung daraufhin auf einen Abschnitt von knapp einem halben Kilometer, der vor dem Hotel Waldstätterhof liegt. Diese erste Etappe wurde 2016 abgeschlossen; seither weist der Quai neben den historischen Ufermauern eine Treppe und einen Steg bis an die Wasserlinie auf. Das realisierte Gestaltungsprojekt beinhaltete auch eine Neubepflanzung der Promenade mit schirmförmigen Platanen, Sitzbänke darunter sowie einen einheitlichen, gesprenkelten Hartbelag. In der Nacht wird die Anlage zudem beleuchtet.

Anbindung an historisches Dorfzentrum

Geplant ist nun, den grosszügig umgestalteten Waldstätterquai im südöstlichen Bereich mit einer zweiten Aufwertungsetappe zu ergänzen. Die bestehende Schiffsanlegestelle soll bis in drei Jahren ebenfalls einen offeneren Platz bilden und sich dadurch besser an den geschützten Ortskern anbinden, wobei sich hier die historische Siedlungs- und Hotelkulisse mit Ergänzungs- und Ersatzbauten der vergangenen Jahrzehnte vermischt. Unabhängig davon hat die Gemeinde eine Aufwertung von öffentlichen Zonen im Dorfzentrum bereits durchgeführt. Der ursprüngliche Ideenwettbewerb schlägt aber auch essenzielle Interventionen im westlichen Quaibereich, etwa Plätze oder eine Aussichtsplattform vor. Deren Realisierung hat die Gemeinde bis auf Weiteres aufgeschoben.

Quelle: Tourismusgeschichte Zentralschweiz, ViaStoria 2013
 

Mehr zum Thema in TEC21 47/2018 «Dynamik am Seeufer»

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