Vervollständigung durch Erweiterung

Studienauftrag Gemeindehaus Wallisellen

In einem Studienauftrag für das Gemeindehaus Wallisellen komplettieren jessenvollenweider mit Studio Vulkan den Bestand durch einen rücksichtsvoll eingefügten Erweiterungsbau.

Franziska Quandt Redaktorin TEC21

Die Städte im Glatttal wachsen. Verschiedene Interventionen wie die Glattalbahn machen den Standort immer attraktiver für die Bewohner und neue Anwohner. Die Gemeinde Wallisellen hat mittlerweile durch den Zuzug einen enorm gestiegenen verwaltungstechnischen Aufwand. Dafür wird mehr Personal benötigt, das wiederum mehr Platz braucht.

Mit einem Studienauftrag soll eine überzeugende Erweiterung des bestehenden Gemeindehauses im Stadtzentrum gefunden werden. Das alte Verwaltungsgebäude, ein Gemeinschaftswerk der Architekten Hertig Hertig Schoch und des Landschaftsarchitekten Albert Zulauf, ist im kommunalen Inventar der schützenswerten Bauten und Anlagen der Gemeinde Wallisellen aufgeführt. Das Ensemble zeichnet sich durch facettenreiche Übergänge vom Innen- in den Aussenraum aus, die vom Eingangsniveau bis zum Dachgarten konsequent umgesetzt worden sind.

Die Wettbewerbsjury erwartet eine intensive Auseinandersetzung mit dem Bestand und dass durch die Sanierung bedarfsgerechte Räumlichkeiten entstehen, die dem heutigen Ausbaustandard entsprechen. Eine mögliche Ergänzung mit Alterswohnungen soll zusätzlich aufgezeigt werden.

Sanft erweitert

Das Projekt von jessenvollenweider mit Studio Vulkan überzeugt die Jury mit seinem einfühlsamen Konzept in Bezug auf den Bestand. Ein wichtiges Kriterium für die Architekten war der Erhalt eines Grossteils der Anlage. Auch die Wiederherstellung des über die Jahre verunklärten Konzepts der grünen Mitte von Wallisellen mit weitläu­figem Park und darin eingelagerten öffentlichen Nutzungen war ein ­zentraler Punkt des Entwurfs. Dafür werden zum Beispiel die Parkplätze konsequent an die Ränder des Grundstücks gelegt. Der pavillon­artige Bibliotheksbau, das Hauptgebäude und das dazwischen spannende Pergoladach mit seinen präzise gesetzten Stützen und Wandscheiben sowie die Treppen-Brunnen-Anlage bleiben erhalten und werden in die Studie integriert.

Das bestehende Gemeindehaus wird mit einem siebengeschossigen Baukörper erweitert, der optisch an den Bestand erinnert. Der neue Kubus und sein Sockelbauwerk werden in die Komposition von Treppen und Platten der Architektur der 1960er-Jahre eingebunden. Bei der Fassadengestaltung wird die Architektur von Hertig Hertig Schoch in zeitgenössischer Manier weiterentwickelt. Schmale Bänder aus vorfabrizierten Betonelementen fassen die horizontalen Fensterbänder. In den oberen Geschossen sind die Brüstungsbänder weniger hoch ausgeführt. Dadurch wird der siebengeschossige Baukörper vertikal gegliedert. Das bestehende Vordach wird erweitert und zum gedeckten, kalten Haupteingang ausgebaut, an dem die Trakte des Gemeindehauses anliegen.

Ein neues Ensemble

Die Jury bemängelt lediglich die Zugangssituation, die die gute Auffindbarkeit des Informationsschalters vermissen lässt, und die Anordnung der einzelnen Verwaltungseinheiten, die nicht den betrieblichen Anforderungen der Gemeinde Wallisellen entsprechen. Diese Mängel wurden laut jessenvollenweider in der Überarbeitung behoben.

Ein in sich stimmiges Projekt, das mit der Erweiterung ein neues Ganzes schafft. Sowohl im Umgang mit dem Bestand als auch beim Einfügen des Neubaus und beim Umgang mit dem Aussenraum wird die Qualität des Ensembles sogar noch gestärkt.

 

Weitere Informationen finden Sie unter der Rubrik Wettbewerbe.

 

Auszeichnungen

1. Rang: jessenvollenweider Architektur, Basel, mit Studio Vulkan, Zürich, Dr. Lüchinger + Meyer, Zürich, und Waldhauser + Hermann, Münchenstein

Weitere Teilnehmer

agps architecture, Zürich, mit Rotzler Krebs Partner Landschaftsarchitekten, Winterthur;

Fawad Kazi Architekt, Zürich, mit  Hager Partner, Zürich;

Fiechter & Salzmann Architekten, Zürich, mit Vogt Landschaftsarchitekten, Zürich;

Müller & Truniger Architekten, Zürich, mit raumfalter, Zürich, Harry van der Mejis, Luzern, und Lorenz Eugster Landschafts­architektur & Städtebau, Zürich;

phalt Architekten, Zürich, mit Anderegg Partner, Zürich, und Balliana Schubert Landschaftsarchitekten, Zürich

FachJury

Adrian Streich, Architekt; Beat Rothen, Architekt; Rita Illien, Landschaftsarchitektin; Peter Baumberger, Architekt

SachJury

Peter Spörri, Gemeinderat, Hochbau und Planung, Präsident der Baukommission; Jürg Niederhauser, Gemeinderat, Tiefbau und Landschaft; Barbara Roulet, Gemeindeschreiberin; Peter Senn, Leiter Hochbau und Planung

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