Schweizer Solarhaus im internationalen Wettbewerb

Solar Decathlon 2017

Mit dem Projekt «NeighborHub» nehmen rund 50 Studierende aus vier Schweizer Hochschulen am Solar Decathlon 2017 teil.

Charles von Büren Bautechnik/Design, Korrespondent TEC21

In der «Blue-Factory» in einem ehemaligen Brauereigebäude in der Nähe des Bahnhofs Fribourg entsteht derzeit ein Holzbau, der in vielem in die Zukunft weist. Energieautonom, mit einem Grundriss als Loft und zahllosen erfindungsreichen technischen Details ausgestattet, wird er nach seiner definitiven Montage im Juni zerlegt und in die USA verfrachtet. Dort wird er erneut aufgestellt und betriebsbereit gemacht, um dann durch eine kritische Jury beäugt zu werden.

Rund 50 Studierende aus vier Schweizer Schulen (EPFL, HEIA-FR, HEAD, UNIFR) nehmen mit diesem Projekt am weltweit ausgeschriebenen Hochschulwettbewerb «Solar Declathon» teil. Er wurde 2002 in den Vereinigten Staaten ins Leben gerufen. Die Aufgabe: innerhalb von 18 Monaten ein Haus zu entwerfen und zu konstruieren, das einzig und allein mit Sonnenenergie auskommt. Der Entwurf ist mit Plänen, Modellen und vor allem einem funktionierenden Prototypen im Massstab 1:1 einzureichen. Dieses ambitiöse Vorhaben wurde durch Unterstützung der beteiligten Schulen, dem Bundesamt für Energie und diversen Firmen und Institutionen ermöglicht. Der Entwurf nennt sich «NeighborHub», frei übersetzt «Herz der Nachbarschaft». Sieben Themen sind angesprochen: Energie, Mobilität, Materialien, Biodiversität, Lebensmittel, Abfall- und Wasserwirtschaft.

Geschlossene Kreisläufe und multifunktionale Sonnenkollektoren

Das Herz des Hauses (core) ist ein beheizter Raum (8.8 x 7.2 m) mit vier Modulen: Technik, Küche, Baderaum mit Trockentoilette und eine Schlafnische. Die Konstruktion besteht aus Kerto-Furnierschichtholzplatten. Dieser Kern ist mit einer temperierten Zone (skin) umschlossen (14.4 x 11.2 m), die nach aussen je nach Witterung durch grosse Klappfenster mit Solarzellenvordach zu öffnen oder zu schliessen ist. Die Solarzellen werden so gleichzeitig zum Beschattungselement, sie decken den Energiebedarf komplett. Das Haus verfügt über vertikale Gewächshäuser und ein Aquaponik-System für den Anbau von Obst und Gemüse.

Das Dach ist teilweise begrünt, in der Mitte sammelt sich Regenwasser. Wie bei der Mülltrennung wird auch das Wasser des «NeighborHub» in mehrere Kategorien unterteilt. Das Regenwasser dient für bestimmte Haushaltsgeräte, da sein geringer Mineralstoffgehalt deren Verkalkung verhindert. Das als Grauwasser bezeichnete Abwasser dieser Haushaltsgeräte, der Dusche und der Waschbecken wird von kräftigem Schilfgras, das auf Kiesschichten wächst, gefiltert und gereinigt (Phytoreinigung). Dank Trockentoiletten entfällt Abwasser. Der damit gewonnene Kompost dient den Anbaukulturen im Vorgarten und auf dem Dach.

Reise nach Übersee

Die einzelnen Module des Hauses passen in Schiffscontainer. Denn ab Mitte Juni wird das Gebäude zerlegt, verschifft und nach Denver, Colorado gebracht um dort im Oktober innert neun Tagen montiert zu werden. Der «NeigborHub» ist kein Einfamilienhaus sondern eine Infrastruktur, deren Programm ein Experimentierfeld ist: eine Mischung zwischen Quartiertreff, Planungszentrum und Lebensschule.  Er soll die nachhaltige Quartierentwicklung in einem partizipatorischen Prozess sowohl auf der raumplanerischen als auch auf der Ebene des persönlichen Verhaltens fördern und mitgestalten. Zudem zeigt er eine neue und umweltfreundliche Art des Wohnens auf. Davon zeigt sich Marilyne Andersen, Dekanin der Fakultät ENAC der EPFL und akademische Leiterin des Projekts, überzeugt.

 

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