Harmonisierte Schullandschaft

Projektwettbewerb Neubau Schulraumerweiterung Oberrüti

Die Primarschule der Aargauer Gemeinde Oberrüti braucht mehr Platz. Statt die Funktionen zu bündeln, verteilt der Siegerentwurf vom Team um Soppelsa Architekten sie auf mehrere neue Gebäude. Damit wertet er das heutige Schulhauskonglomerat von der Anlage zum Ensemble auf.

Tina Cieslik Architektur/ Innenarchitektur, Redaktorin TEC21

Die Primarschule liegt am westlichen Dorfrand von Oberrüti und bildet mit Mehrzweckhalle, Kindergarten und Schulhaus eine nach Südosten offene Anlage um den Pausenplatz. Sie liegt auf einer Sicht- und Wegachse, die von der neugotischen Kirche St. Rupert, dem Wahrzeichen der 1500-Einwohner-Gemeinde, den Hang hinauf zu einem öffentlichen Waldspielplatz führt. Das Schulhaus wurde 2008 renoviert und ist in einem guten Zustand. Steigende Schülerzahlen – prognostiziert werden ganze 25 % Zuwachs! – machen aber den Ersatz der jetzigen Einfach- durch eine Doppelturnhalle nötig, zudem braucht es Fachräume für Werkunterricht und das Textile Werken. Neben den Flächen für die Schulen hat auch der lokale Inline-Hockey-Club Bedarf an einem Aussenhartplatz angemeldet. Vor­gesehen ist, dass der Platz von Club und Schule gemeinsam genutzt ­werden kann.

63 Bewerbungen gingen für die Präqualifikation ein, daraus wählte die Jury acht Teams für den Projektwettbewerb aus. Mit den Planern um Soppelsa Architekten aus Zürich gewann das einzige Nachwuchsteam im Feld. Während alle drei rangierten Projekte die bestehende Wegachse als Referenz ihres Entwurfs nutzen, ist das Siegerprojekt «Wöschbrättli» das einzige, das diesen Weg zu einem Freiraum mit ganz eigenen Qualitäten aufwertet.

Topografie

Die Architekten verteilen die Nutzungen auf drei verschiedene Volumen, die sie rund um einen neuen, naturnahen, terrassierten Pausenplatz gruppieren. Der Kindergarten wirkt als verbindendes Element zwischen Bestand und Neubauten. Die Turnhalle markiert die Anlage nach Westen, die Werk­räume liegen im hinteren Bereich. Ein Kleinbau für die Aussengeräte grenzt die Neubauten nach Norden gegen die offene Landschaft ab. Daran anschliessend wird der optionale Hartplatz angeordnet.

Neben der klugen Disposition der Funktionen stechen die aneinandergereihten Satteldächer von Turnhalle und Werkgebäude ins Auge – die namensgebenden «Wöschbrättli». Sie sind eine Referenz an die örtliche Bautypologien  und sollen helfen, Alt und Neu dereinst als Einheit wahrzunehmen.

Unter einem Dach

Für eine ähnliche Lage entschieden sich auch die beiden weiteren rangierten Projekte «Drumling» von Stoos Architekten und «Pelikan» von Morscher Architekten. «Drumling» orientiert sich an der Flucht des Kindergartens und platziert die Dop­pelturnhalle und die Werkräume in zwei Volumen mit quadratischem Grundriss, die durch eine gross­zügige Mittelzone verbunden sind. Der Weg in Richtung Spielplatz weitet sich nach Norden hin trichter­förmig aus und dient gemeinsam mit dem Aussenraum zwischen dem Kindergarten und dem Neubau als wei­terer Pausenplatz.

Auch «Pelikan» orientiert sich an der Ostfassade des Kindergartens und ordnet die neue Doppelturnhalle recht nah nördlich von diesem an. Auf diese Weise bleibt die identitätsprägende Sichtachse zur Kirchturmspitze erhalten. Den Projektverfassern gelingt es, im ­gleichen Gebäude auch noch die Werk­räume unterzubringen und die Funktionen dennoch analog ihrer tageszeitlich unterschiedlichen Nutzung zu trennen. Fast fragt man sich, warum der Sieger drei Volumen braucht, wenn es doch so logisch auch mit einem funktioniert.

Doch Kompaktheit bedeutet nicht unbedingt Qualität, auch wenn in diesem Fall die architektonische durchaus gegeben ist. Der Mehrwert des Siegerprojekts besteht eindeutig in der differenzierten Anordnung der Volumen, die spannende Aussenräume ermöglicht und Bestand und Neubauten harmonisch zusammenfügt.

 

Weitere Pläne und Bilder finden Sie in der Rubrik Wettbewerbe.

 

Auszeichnungen

1. Rang, 1. Preis: «Wöschbrättli»
Soppelsa Architekten, Zürich; Sima Breer Landschaftsarchitektur, Winterthur; Apt Ingenieure, Zürich; Pirmin Jung Ingenieure, Rain; Gruenberg + Partner, Zürich; Gruner Wepf, Zürich
2. Rang, 2. Preis: «Drumling»
Stoos Architekten, Brugg; raderschallpartner landschaftsarchitekten, Meilen; Makiol Wiederkehr, Beinwil am See
3. Rang, 3. Preis: «Pelikan»
Morscher Architekten, Bern; david & von arx landschaftsarchitektur, Solothurn

FachJury

Niklaus Widmer, Architekt, Aarau; Philipp Husistein, Architekt, Aarau; Marie-Noëlle Adolph, Landschaftsarchitektin, Meilen; Oliver Tschudin, Architekt, Zürich (Moderation, Ersatz), am Jurytag vom 27. März 2018, vertreten durch Christoph Haller, Architekt und Raumplaner, Zürich

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