Al­tes Ho­spiz St. Got­thard

Seit dem 17. Jahrhundert zur Beherbergung von Reisenden genutzt, wurde das Alte Hospiz immer wieder den sich ändernden Bedürfnissen angepasst und 2010 von den Basler Architekten Miller & Maranta zu einem Gästehaus umgebaut. Der Kunst- und Architekturhistoriker Michael Hanak hat dem Gebäude eine Monografie gewidmet.

Data di pubblicazione
07-05-2013
Revision
28-10-2015

Die Publikation konzentriert sich einerseits auf die Dokumentation und Beschreibung des von Miller & Maranta umgebauten Hospizes, andererseits spannt sie mit Beiträgen zur Geschichte des Gebäudes und der Verkehrslandschaft Gotthard den Bogen zu jenen Entwicklungen, die den Bau über die Zeit prägten.

Damit macht Hanak die Transfor­mation des Gebäudes nachvollziehbar: von der einfachen Herberge – von einem Priester zunächst für Pilger und Kirchenleute errichtet, im 19. Jahrhundert weitergeführt als Unterkunft für Händler und Soldaten – zum Gästehaus für Reisende, die nicht nur passieren, sondern verweilen möchten.

Hanak untersucht die Geschichte des Gotthardpasses und des Alten Hospizes anhand von Texten und historischem Bildmaterial. Die aktuelle fotografische Dokumentation stammt vom Foto­grafen Ruedi Walti. Indem Hanak Bild- und Textebene verwebt, entsteht ein Gesamtbild. 

Das neue Alte Hospiz

Die ausgewogen gestaltete Publikation nimmt den Leser mit auf die Reise zum Gotthardpass. In eindrücklichen Fotografien zeichnet Walti den Weg über die Passtrassen nach, führt den Leser hin zu den ersten Eindrücken von der Passhöhe und dem Alten Hospiz ­inmitten der umgebenden Bauten.

Der anschliessende Essay von Hubertus Adam untersucht den Umbau des Alten Hospizes zum Gästehaus. Adam beschreibt nicht nur den abgeschlossenen Bau, dessen Besonderheit ein nach Norden orientierter Kapellenanbau ist. Er führt ein in seine wechselvolle Geschichte, erklärt die Konstruktion des entkernten und völlig neu aufgebauten Gebäudes, dessen innere Struktur ein im Werk vorgefertigter Holzbau ist.

Adam positioniert den Bau mit seinem expressiv verformten Dach und der nach Süden aufragenden Front als Charakterbau in der Tradition des Alpinen Bauens. Die fotografische Annäherung Waltis an das Gebäude mündet in einen Rundgang durch die Innenräume. Ergänzt durch Grundriss- und Schnittzeichnungen sowie detaillierte Skizzen der Holzkonstruktion der Zimmer entsteht ein Porträt des Hospizes. 

Im anschliessenden Beitrag definiert Michael Hanak den Prozess der Neugestaltung als Transformation, bei der es den Architekten gelungen sei, die historische Zeugenschaft des Gebäudes zu bewahren und es gleichzeitig in eine neue, seiner Bedeutung entsprechende Form zu überführen.

Diese Be­schreibungen des neuen Alten Hospiz erzählen in Kombination mit Waltis Bildern von der Auseinandersetzung mit der lokalen Bautradition, deren historische Schichten die Architekten mit der neuen, starken Form verwoben haben, die das Erscheinungsbild des Hospizes heute prägt.

Der Beitrag des Historikers Kilian T. Elsasser, wiederum unterstützt von Waltis Aufnahmen, führt den Leser zurück zur Geschichte der Gotthardroute als Transport- und Handelsweg, die zunächst immer wichtiger ­wurde, mit dem Bau des Gotthardtunnels am Bedeutung verlor und heute durch Tages­touristen geprägt ist.

So vermittelt die Publikation auch die Geschichte eines Mythos: des Gotthardpasses. Sie macht greifbar, was bei dessen Besuch mitschwingt, aber unmittelbar nicht (mehr) erfahrbar ist. Ersetzen kann das sorgfältig editierte Buch den Augenschein nicht, aber neugierig machen und einladen, den Ort zu erfahren.

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