Lang­sam­ver­kehr­sbrüc­ken im Fo­kus

Footbridge Chur 2025

An der Footbridge Chur 2025 wurden die Siegerinnen und Sieger der internationalen Student Design Competition SDC-FC25 gekürt. Der Wettbewerb bot dem Nachwuchs die seltene Gelegenheit, den Einstieg ins Wettbewerbswesen zu erleben und eigene Ideen vor internationalem Fachpublikum zu präsentieren.

Data di pubblicazione
28-01-2026

Vom 3. bis 5. September 2025 fand in Chur im Rahmen des Footbridge-Symposiums1 ein Studierendenwettbewerb statt. Dieser bot angehenden Bauingenieuren und Bauingenieurinnen – allenfalls im Team mit Architektinnen und Architekten – die Möglichkeit, eigene Entwürfe für Fuss- und Velobrücken zu erarbeiten und einer Jury zur Beurteilung einzugeben. 

Zur Wahl standen zwei Aufgaben: die «Panoramabrücke Thun» sowie eine «neue Langsamverkehrsbrücke über den Rhein in Tamins». Gefordert waren ein Plan im DIN-A0-Format, ein technischer Bericht und ein Modell, das nach Ansicht der Jury weit aussagekräftiger ist als jedes Rendering. Eine Kostenschätzung war nicht verlangt.

Eine hochkarätige internationale Jury begleitete die «Student Design Competition SDC-FC25». Teilnahmeberechtigt waren Studierende der Fachrichtungen Bauingenieurwesen und Architektur, die im Frühjahrsemester 2025 an einer Hochschule eingeschrieben waren. Eingaben konnten einzeln oder im Team erfolgen; interdisziplinäre Teams waren willkommen, jedoch nicht verpflichtend.

Zwei Projektaufgaben

Die Panoramabrücke Thun soll eine neue Verbindung für Fussgänger und Radfahrer zwischen dem Bahnhof Thun und dem rechten Aareufer schaffen. Innerhalb des Projektperimeters waren die Lage und die Form frei wählbar. Eine Zwischenabstützung in der Aare war möglich, allerdings musste am linken Ufer ein Mindestabstand von 20 m eingehalten werden, um das Laichgebiet der Äschen zu schützen. Bei der neuen Rheinbrücke in Tamins hingegen sollte eine Fuss- und Velobrücke neben der bestehenden Rheinbrücke von Christian Menn (1963) – einem seiner Hauptwerke – entstehen. Sie durfte keine Abstützungen im Rhein aufweisen. 

Insgesamt wurden 15 Arbeiten eingereicht – acht für Thun, sieben für Tamins. Jeweils drei Projekte schafften es ins Finale, die Siegerinnen und Sieger erhielten 2000 Franken Preisgeld, die Zweit- und Drittplatzierten je 1000 Franken.

Der Siegerentwurf in Thun

Sarah Benz (ETH Zürich) überzeugte mit einer Brücke, die die Aare in schrägem Winkel quert und so eine direkte Anbindung an die Hofstettenstrasse beim Spielplatz des Thunerhofs schafft. Trotz der grösseren Länge verkürzt sich die Verbindung für den Langsamverkehr. Der schräge Übergang mit der abgewinkelten Verbindung zur Panoramastrasse bremst Radfahrer auf natürliche Weise und erhöht damit die Verkehrssicherheit.

Die Brücke ist an den Ufern schiefwinklig beweglich gelagert und ruht mittig auf einem Pfeiler (Lager horizontal fixiert), der in einem Spundwandkasten gegründet ist. Der stählerne Hohlkasten erreicht beim Pfeiler 1.80 m Höhe und verjüngt sich zu den Ufern hin auf 60 cm. Mit zwei Spannweiten von je 49.50 m entsteht ein sanft überhöhtes Längenprofil. 

Während die Untersicht horizontal verläuft, neigt sich der Gehweg mit 2.2 % beziehungsweise 2.6 % gegen die Ufer. Die schlanken Enden minimieren Eingriffe in die Uferbereiche und schonen das Laichgebiet der Äschen. Der Brückenträger wird am Ufer in zwei Teilen von 60 m und 39 m vormontiert und mithilfe von Pontons eingeschoben – ein Verfahren, das den Einsatz eines Grosskrans in der Innenstadt überflüssig macht.

Der 5.50 m breite Gehweg erhält einen zweischichtigen Belag aus Gussasphalt, die Konstruktion besteht aus hell beschichtetem Stahl. Der Querschnitt ist als Hohlkasten ausgebildet: eine geneigte obere Platte, eine schmalere untere Platte und seitliche Verjüngungen, die in ein durchgehendes Gesims übergehen, das zugleich das filigrane Geländer trägt. Für eine dezente Beleuchtung sind lineare Leuchten in den Handläufen vorgesehen. 

Die gekrümmten Seitenbleche erfordern eine aufwendige Herstellung; die Jury stellte daher infrage, ob dieser Zusatzaufwand ästhetisch notwendig ist – zumal der besondere Reiz der Brücke bereits in ihrer klaren Form und der markanten achteckigen Stütze liegt.

Der Entwurf ist technisch detailliert durchgearbeitet – von den Pfahlfundationen über die Lagerung bis zu den Fahrbahnübergängen. Die Konstruktion gilt als robust und gut machbar. Probleme mit Verformungen oder Schwingungen sind nicht zu erwarten. Die Jury würdigte denn auch die gelungene Verbindung von architektonischer Prägnanz, technischer Machbarkeit und sorgfältiger Detaillierung.

Der Siegerentwurf in Tamins

Rouven Inauen (FH Graubünden) entwarf eine 157 m lange Zweigelenkbogenbrücke aus Stahl, die in respektvollem Dialog zur bestehenden Brücke von Christian Menn steht. Die neue Brücke bildet mit ihr ein gelungenes Ensemble, ohne sie zu imitieren. Eigenständig im Ausdruck nimmt sie präzise geometrische Bezüge zur Altbrücke auf und ergänzt diese damit überzeugend.

Der flache Bogen mit 130 m Spannweite verläuft parallel zum Bestand in 6 m Abstand und übernimmt dessen Gefälle. Bogen und Fahrbahn sind mit einem engen Rautenfachwerk verbunden, sodass ein schlankes, kompaktes Tragwerk entsteht. In dunklem Farbton beschichtet, wirkt die neue Brücke wie ein feiner Schleier hinter dem Original – ein Bild, das die Jury besonders würdigte.

Auch konstruktiv überzeugt der Entwurf: Die Brücke berührt den Boden lediglich an vier Punkten, die paarweise eng beieinanderliegen und so die Eingriffe ins Terrain minimieren. Der Bogen besteht aus zwei Kastenträgern, die sich von den Kämpfergelenken aus spreizen und im Scheitel die Fahrbahn an deren Rändern aufnehmen. 

Das Rautenfachwerk stabilisiert die Konstruktion. Die Fahrbahn selbst wird durch einen horizontalen Windverband ausgesteift, wobei die Jury anregte, alternativ eine stärkere direkte Verbindung zwischen Fahrbahnblech und Obergurten zu prüfen.

Der Bauablauf ist klar strukturiert: Bis zu den Drittelspunkten wird der Bogen im Freivorbau erstellt, wobei 4 m lange Einzelschüsse vor Ort verschweisst werden. Die Obergurte der Fachwerke sind dabei temporär zurückverankert. Das 48.20 m lange Mittelstück wird vorfabriziert und mit einem Mobilkran eingehoben. Für die Endmontage sind zwei Gerüsttürme vorgesehen, die das Fügen der Bauteile erleichtern und eine Feinjustierung ermöglichen. 

Alternativ könnte geprüft werden, ob auf diese Hilfskonstruktion verzichtet und der Übergang vom Kragarm zum Druckbogen direkt am Kran hängend vollzogen werden kann. Damit präsentiert das Projekt ein ebenso machbares wie raffiniertes Baukonzept, das gemäss der Jury durch seine technische Klarheit und architektonische Zurückhaltung besticht.

Nachwuchsförderung im Zentrum

Der Wettbewerb wollte junge Talente auf die Bühne holen. Für viele Teilnehmende war es der erste Kontakt mit dem Wettbewerbswesen und den realitätsnahen Entwurfsaufgaben, verbunden mit echten Diskussionen über städtebauliche, kontextuelle, gestalterische und technische Fragen. Die Diskussionen der Jury reichten weit über Details wie Entwässerung hinaus. 

Im Zentrum standen auch die Grundhaltungen – etwa die Beziehung zur Altbrücke von Menn oder die Einbettung in den urbanen Kontext von Thun. Das spiegelte sich auch im ausführlichen Jurybericht wider, der Teil eines professionellen Prozesses ist und in dem alle Eingaben kritisiert und gewürdigt werden.

Der Wettbewerb war damit mehr als eine Trockenübung: Er bot den Teilnehmenden ein Lernfeld zwischen Theorie und Praxis, regte zu kontroversen Dialogen an und würdigte die Vielfalt der Ansätze. Der Wettbewerb ist letztlich auch ein Anlass, der eine wichtige Inspirationsquelle für alle Beteiligten sein kann. 

Die Jury betonte, dass auch die nicht prämierten Beiträge entscheidend seien, da sie ein Fächer an Möglichkeiten eröffneten, der eine fundierte Preisvergabe überhaupt erst ermöglichte. «Die Vielfalt – von frischen Ideen bis zu heroischen Fehlversuchen – macht den Reiz solcher Wettbewerbe aus», so der Jurypräsident Jürg Conzett. 
 

Anmerkung

1 Das Footbridge Symposium findet alle drei Jahre statt und ist ein internationaler Treffpunkt für Fachleute aus Ingenieurwesen, Architektur und verwandten Disziplinen. Nach Austragungen in Städten wie London, Berlin oder Madrid wurde 2025 erstmals in Chur diskutiert. Über 200 Teilnehmende aus aller Welt nahmen an Vorträgen, Diskussionen und Exkursionen teil.

Footbridge Chur 2025
Internationaler offener Studierendenwettbewerb
 

Preistragende:


Panoramabrücke Thun

1. Preis: Sarah Benz, ETH Zürich
2. Preis: Patrick Friedli, ZHAW
3. Preis: Sebastijan Gjokaj & Joël Stalder, ETHZ
 

Rheinbrücke Tamins

1. Preis: Rouven Inauen, FH Graubünden
2. Preis: Gaspard Guilhot & Jean Devergnies, EPFL
3. Preis: Marius Canellas, EPFL


Jury:
Jürg Conzett (CH, Präsident)
Gianfranco Bronzini (CH)
Maria Kierzek (CH)
José Romo Martín (ES)
Poul Ove Jensen (DK)
Jesper B. Henriksen (DK)

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