Mit­ten­drin am Rand

An der 13. Manifesta in Marseille hat die Gruppe «la-clique» zusammen mit dem Verein JUST eine einfache Installation im Panier, der Altstadt von Marseille, konzipiert. Sie erfüllt vielfältige soziale Zwecke und gibt jenen das Wort, die sonst nicht gehört werden.

Data di pubblicazione
29-10-2020

Diesen Sommer und Herbst findet die 13. Manifesta, die europäische Wanderbienna­le, nach Zürich (2016) und Palermo (2018) in Marseille statt. Die Macher begründen die Wahl der Stadt mit ihrer emblematischen geschichtlichen Bedeutung am Mittelmeer, am Rand Europas. Darüber hinaus sei sie als Hafenstadt ein wichtiger Ort für kulturelles Networking.

Der Anlass ist in drei Bereiche gegliedert. Beiträge unter dem Titel «Traits d’union.s» untersuchen soziale und städtische Veränderungen; das Bildungsprogramm «Le Tiers Programme» ist aus Partizipationsprojekten mit Bewohnerinnen und Bewohnern von Marseille entstanden, und «Les Parallèles du Sud» umfasst 80 weitere in der Stadt verteilte Projekte und Anlässe.

Im Rahmen von Les Paral­lèles du Sud stellt la-clique, eine Gruppe junger Architekten, Landschaftsplanerinnen, Künstler und Musiker von ETH und EPFL, zusammen mit dem Marseiller Verein JUST die «Speakers’ Corner» vor – inspiriert vom Versammlungsplatz im Londoner Hyde Park. Einige Mitglieder von la-clique haben vor vier Jahren auch die Holzplattform auf dem See der Manifesta in Zürich mitgestaltet. Die Psychologen und Sozialarbeiter von JUST forschen zum Thema soziale Gerechtigkeit, die sie als die Bereitschaft einer Gesellschaft deuten, das Wissen marginalisierter Einzelpersonen und Gruppen genauso anzuerkennen wie jenes der Mehrheit. Ihr bevorzugtes Werkzeug ist die partizipatorische Ak­tionsforschung, die über spezifisch geschaffene Situatio­nen zu konkreten Lösungen führen soll. Das Projekt versucht, Möglichkeiten des städtischen Raums für die Integration sozial Benachteiligter und von Minderheiten aufzuzeigen.

Der Speakers’ Corner ist eine multifunktionale metallene, in Elemente zerlegbare Struktur auf Rollen, die als Treppe, Sitzlandschaft, Tribüne, Unterschlupf, Leinwandhalterung oder Podium dienen kann. Accessoires sind eine situativ einsetzbare Lampe und ein Schirm. Die Installation wird bis Ende November für Reden, Lesungen, Film- und Musikauf­führungen genutzt. Ein­geweiht wurde sie mit verschiedenen gesellschaftskritischen Poetry-­Slam-­Darbietungen.  

Die zerlegbaren Elemente können nach der Biennale auch an einem anderen Ort wieder zusammengebaut werden. Man darf aber vor allem auf die Antworten gespannt sein, welche Rolle Architektur bei der Integration von Minderheiten spielen kann.

www.la-clique.ch
www.manifesta13.org

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