Stadt aus Holz V

Editorial

Data di pubblicazione
20-11-2019

Provisorien hat es schon immer gegeben. Weil temporäre Nutzung aber stets eine Übergangslösung bedeutet, wird ihrer Architektur im Vergleich zu permanenten Bauten städtebaulich weniger Be­deutung beigemessen. Doch im Zusam­men­hang mit dem dichter werden­den Lebensraum erhält der in der Vergan­gen­heit eher als Rand­phänomen verortete Begriff «provi­sorisch» neue Bedeutung. Für Asyl­bauten, Schul­häuser oder Wohnüberbauungen werden oft Nischen im Stadtraum genutzt – Flächen an der ­Autobahn, an Bahngleisen, auf Pausen­plätzen oder in der Agglomeration. Teure Wohnungen gibt es heute genug, derweil steigt die Nachfrage nach günstigem, ein­fachem Wohn- und Arbeitsraum.

Holzmodul- und Elementbau ist ideal dafür; digitale Methoden in Planung, Vorfertigung und Baustellenlogistik verkürzen die Bauzeit und senken die Kosten. Auch der Innenausbau kann den Nutzer­finanzen angepasst werden: Aufputzleitungen, offene Installationen, Küchen ohne Spülmaschinen, kleine Zimmer, rohe Holzwände, dafür gros­se Gemeinschaftszonen. Nebenbei wird ein Lebensgefühl mitgeliefert – mehr ­Gemeinschaft von Menschen unter­schiedlicher Herkunft und Entfaltungs­möglichkeiten. Wie sich die Konstel­lation aus Studierenden, Asylsuchenden, Mi­gran­ten, Leuten mit wenig Geld, Kreativen mit Ateliers oder Kleingewerb­lern bewährt, wird die Zukunft zeigen.

Viele dieser Bauten stehen in Reserve- oder Entwicklungszonen und sind 10 bis 20 Jahre nutzbar. Das ist eine passable Zeit – gerade heute, wo manche als «permanent» verkaufte Siedlung nach wenigen Jahrzehnten wieder abge­rissen wird. Das Nachhaltigkeitsargument ist aber – trotz den niedrigen Kosten – bei der kürzeren Nutzungsdauer nur dann einlösbar, wenn eine Nachnutzung mit eingeplant ist. Kriterien wie Stabili­tät, Holzqualität, Anschlüsse und Trans­por­tierbarkeit entscheiden darüber, ob sich ein Umzug lohnt. Aktuelle Beispiele zeigen, dass Holzmodule wiederverwendbar sind. Das erspart Baumüll oder Recycling.

Die Chance des Holzbaus liegt darin, bei permanenten wie bei provisorischen Bauten, mit Standardisierung und Vor­fabrikation städtische Archi­tektur für die Zukunft zu schaffen.

Das Projekt «Stadt aus Holz» im Auftrag des Bundesamts für Umwelt BAFU umfasst unsere Sonderpublikationen und die Veranstaltungsreihe von Wüest  Partner sowie Führungen, die Lignum Holzwirtschaft Schweiz zu relevanten Holzbauten im In- und Ausland organisiert.


In den kommenden zwei Jahren werden wir Fragen zum Holzbau systematisch nach­gehen. Alle Aktivitäten werden laufend ­zusammen mit unseren Publikationen auf espazium.ch/holzbau veröffentlicht. In diesem digitalen Dossier sind – neben vielen weiteren Beiträgen zum Thema Holz – auch die früheren Sonderpublika­tionen «Stadt aus Holz» zu finden. Darin ­untersuchten wir die Zusammenhänge von Holzbau und Umwelt (Stadt aus Holz I – «Neue Weg beschreiten»), die überarbeiteten Brandschutzvor­schriften (Stadt aus Holz II – «Der Einsatz von Holz ist einfacher geworden»), Holz im Kontext der Megatrends (Stadt aus Holz III – «Mega­trends als treibende Kräfte») und kommer­zielle Fragen bei Grossüberbauungen (Stadt aus Holz IV – «Handwerklich und rentabel»).


Publikationen:
espazium.ch/holzbau

Veranstaltungen:
www.wuestpartner.com/ueber-uns/stadt-aus-holz

Führungen:
www.lignum.ch/aspects

Dieser Artikel ist erschienen im Sonderheft «Stadt aus Holz – Module, Elemente, Partizipation, BIM und Provisorien». Weitere Artikel zum Thema Holz finden Sie in unserem digitalen Dossier.

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