Chri­stian Menn: Ein Le­ben für den Brüc­ken­bau

Christian Menn (1927–2018) zählt zu den international bedeutendsten Figuren des modernen Brückenbaus. Sowohl als Konstrukteur wie auch als Professor an der ETH Zürich prägte er die Kunst des Brückenbaus weltweit über Jahrzehnte mit. Zu seinem Gedenken – Christian Menn verstarb im Juli dieses Jahres – fasst der Ingenieur und Autor Aldo Rota die wichtigsten Stationen seines Lebens zusammen.

Data di pubblicazione
27-09-2018
Revision
01-10-2018

Die Schweizer Berge – oder vielmehr die Täler zwischen ihnen, die es mit kühnen Brückenschlägen zu überqueren galt – waren für Christian Menn prägendes Element und ingenieurtechnische Herausforderung. Vor der majestätischen Kulisse der Berner Oberländer Alpen in Meiringen wurde Christian Menn am 3. März 1927 geboren, im Angesicht des Calanda-Massivs im Bündner Rheintal hat sich sein Lebenskreis am 16. Juli 2018 vollendet.

Dazwischen lag ein erfülltes Ingenieurleben als Brückenbauer, ETH-Professor und internationaler Experte, in dem er rund 100 Brücken entworfen und etliche davon auch zur Ausführung gebracht hat. Durch sein eindrückliches und vielfach an prominenter Stelle präsentes Werk ist Christian Menn zum wohl bekanntesten Schweizer Brückenbauer der Nachkriegszeit geworden, hoch geschätzt nicht nur von Ingenieurskollegen, sondern auch von ArchitektInnen, KunsthistorikerInnen und auch Touristikern, die die Strahlkraft seiner Bauwerke für die Bekanntheit ihrer Talschaft nutzen. 

Der berufliche Werdegang von Christian Menn, Sohn des Bauingenieurs Simon Menn, war geradlinig auf den Brückenbau ausgerichtet. Auf den Abschluss seines Bauingenieurstudiums an der ETH Zürich im Jahr 1950 folgten einige praktische Lehrjahre bei Ingenieurbüros und Bauunternehmungen in Chur, Zürich und Bern und von 1953 bis 1956 die mit der Promotion abgeschlossene Assistenz von Professor Pierre Lardy an der ETH Zürich. Nach einer weiteren praktischen Erfahrungsphase in Bern und Paris gründete Menn 1957 in Chur ein eigenes Ingenieurbüro mit Fokus Brückenbau. Der Schritt in die Selbstständigkeit war erfolgreich, und das junge Ingenieurbüro erwarb sich rasch einen guten Ruf, dem bald herausfordernde Projekte in der ganzen Schweiz und schliesslich bis in die USA folgten. 

Die Schweizer Brückenbauer wurden bald auf den innovativen Bündner und seine kühnen Entwürfe aufmerksam, sodass Christian Menn 1971 als Professor für Baustatik und Konstruktion an die ETH Zürich berufen wurde. Auf diesem Lehrstuhl hat er bis zu seiner Emeritierung 1992 zahllose Studenten und Doktoranden ausgebildet, gefordert und gefördert und dadurch den modernen Betonbrückenbau in der Schweiz bis in die heutige Zeit entscheidend mitgeprägt. 

Menns Ingenieurbüro blieb nach seiner Berufung an die ETH, zuerst unter der Leitung seines Mitarbeiters Hans Rigendinger, bis heute im Brückenbau und in neuerer Zeit zunehmend auch in der Instandsetzung und Erhaltung von Brücken aktiv und ist bis heute in Chur, inmitten der Bündner Berge und 150 Täler, verwurzelt. 

Frühe von Menn entworfene Brückenbauwerke wie die 1960 fertiggestellte Überführung der Kantonsstrasse über die Bahnlinie Winterthur–Arbon bei Felben-Wellhausen (TG) waren noch unspektakuläre Balkenbrücken, teilweise mit vorgespannten Kastenträgern, und liessen noch nichts von der Kühnheit der späteren Entwürfe erahnen. Ein früher funkelnder Solitär in Menns Werk ist die 1960 fertiggestellte Letziwaldbrücke im abgelegenen Seitental Avers (mehr zum Averstal in TEC21 51-52/2013). Ihr sehr flacher Dreigelenkbogen – im Stil von Robert Maillarts berühmter Salginatobelbrücke von 1930 – überquert den Averser Rhein an prominenter Lage in 85 m Höhe. 

Menn verwendete die elegante, aber anspruchsvolle Bauform des Dreigelenkbogens später nicht mehr, sondern wandte sich in seinen folgenden Entwürfen, beginnend mit der Crestawaldbrücke von 1959 bei Sufers, dem schlanken Stabbogen mit mittragendem vorgespanntem Fahrbahnträger zu. Diese Bauform wurde von Menn an zahlreichen bekannten Brücken (etwa die wichtigsten Brücken der San Bernardino-Transitachse, die Viamalabrücke von 1966 und das Gespann Cascella- und Naninbrücke von 1968) zur Perfektion entwickelt und ist zu seinem Markenzeichen geworden. 

Neue Wege jenseits von Balken und Bogen ging Christian Menn 1980 mit der Ganterbrücke auf der Simplon-Nordrampe: Die flach abgespannte Schrägkabelbrücke mit in markanten Betonscheiben eingebetteten Spanngliedern wies seinerzeit die grösste Spannweite in der Schweiz auf und ist auch heute noch eines der eindrücklichsten Brückenbauwerke der Schweiz.

Die spezielle Bauweise mit in Scheiben einbetonierten Spanngliedern verfolgte Menn dann nicht weiter, arbeitete aber weiter an Schrägkabelbrücken und legte schliesslich Mitte der 1990er-Jahre in Zusammenarbeit mit Dialma Jakob Bänziger einen souveränen Entwurf für die Sunnibergbrücke der Umfahrung Klosters vor. Die 2005 eröffnete leichtfüssige Brückenkonstruktion mit elegant geschwungenen geteilten Pylonen und harfenförmig angeordneten Kabeln ohne Betonverkleidung stellt wohl einen Höhepunkt des zeitgenössischen Brückenbaus dar und ist zu einer Ikone des Ingenieurbaus geworden. 

Einer der letzten Entwürfe Christian Menns – bisher noch nicht realisiert – wird als einfeldrige Schrägseilbrücke vielleicht einmal den Grimselsee mit der längsten und höchstgelegenen Brücke der Schweiz überspannen. Dieses Projekt für das Berner Oberland entstand im letzten Abschnitt eines Ingenieurlebens, das eben dort, im Berner Oberland, begonnen hatte. 

Lesen Sie auch: «Eine ist besonders gut». In seinem letzten Interview mit TEC21 erzählt er, was gute Brücken ausmacht. Weitere Infos über das Werk von Christian Menn finden sich in der Monografie «Christian Menn. Brücken».

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