Gutes Zeugnis für den Fonds Landschaft Schweiz

Eine vom Fonds Landschaft Schweiz durchgeführte Umfrage bei früheren Projektverantwortlichen zeichnet ein positives Bild über den Erfolg der unterstützten Projekte. Im Winter entscheidet das Parlament über die Verlängerung des Fonds.

Lukas Denzler Journalist, Korrespondent TEC21

Die Erhaltung der Biodiversität und der Landschaft in der Schweiz bedarf besonderer Aufmerksamkeit. Neben den negativen Trends gibt es auch einige positive Entwicklungen. Eine Erfolgsgeschichte stellt etwa der Fonds Landschaft Schweiz (FLS) dar. Seit 1991 fördert er Projekte mit dem Ziel, Kulturlandschaften wiederherzustellen, aufzuwerten und zu pflegen. Bisher sind rund 2500 Projekte unterstützt worden. Typische Projekte sind etwa Massnahmen zur Sicherung und Ausbesserung landschafts­prägender Trockenmauern, das Anlegen von Alleen und Hochstamm-Obstbäumen, die Entbuschung von Alpweiden oder die Instandstellung traditioneller Wasserkanäle im Wallis (Suonen). Auf der Alpensüdseite trugen die Wiederherstellungen von verwilderten Kastanienselven zu einem Comeback der Kastanienkultur bei. Über die Gesuche um Unterstützung entscheidet eine vom Bundesrat eingesetzte Kommission unabhängig von der Bundesverwaltung. Das Parlament hat den auf zehn Jahre befristeten Fonds bereits zweimal verlängert.

Identitätsstiftende Landschaft

Nach ihrem Rücktritt als Zürcher Ständerätin wurde Verena Diener 2016 Mitglied der FLS-Kommission und ein Jahr später deren Präsidentin. Bei der Gründung des Fonds 1991 anlässlich des 700-Jahr-Jubiläums der Eidgenossenschaft war die Zürcher Politikerin Mitglied des Nationalrats. «Es war ein schönes Geburtstagsgeschenk», erinnert sie sich. Der Fonds sei damals auch eine Antwort gewesen auf die starken Veränderungen der Landschaft, die zahlreichen baulichen Eingriffe und die Zersiedlung. Er sei jedoch nicht politisch ausgerichtet, betont Diener. Der Fonds biete Entwicklungsmöglichkeiten und unterstütze Vereine, Organisationen und Gemeinden bei der Umsetzung von Projektideen und lokalen Initiativen. Der sorgsame Umgang mit der vertrauten Landschaft und ihre sinnliche Wahrnehmung gebe den Menschen Kraft, ist Verena Diener überzeugt. 

Für seine Tätigkeit standen dem FLS seit Beginn jeweils 50 Millionen Franken für zehn Jahre zur Verfügung. Mit dessen Gründung wollte das Parlament «etwas von bleibendem Wert« schaffen. Und so ist es folgerichtig, dass die FLS-Kommission 2016 beschloss, eine Erfolgskontrolle zur Wirksamkeit der bisherigen Fördertätigkeiten durchzuführen. «Die Nachhaltigkeit der vom FLS unterstützten Projekte ist wichtig, denn dafür werden Steuergelder eingesetzt», sagt Verena Diener. Als Methode wählte der FLS eine schriftliche Befragung und liess sich für deren Umsetzung professionell beraten. Angeschrieben wurden insgesamt 340 Projektträgerschaften, die in den «geraden» Jahren zwischen 2001 bis 2010 (also der zweiten Dekade des FLS) mindestens 10 000 Franken erhielten. Die Rücklaufquote betrug über 90 %. 

Die Auswertung zeigt nun, dass die geförderten Projekte grösstenteils in guter bis sehr guter Qualität weiterbestehen. Auch sind die nötigen Pflege- und Unterhaltsarbeiten sichergestellt. «Ein Schlüssel für den Erfolg ist, dass die Ideen jeweils von Menschen aus den Regionen selbst kommen und diesen nicht einfach übergestülpt werden», sagt Diener. Zentral ist ihrer Ansicht nach auch, dass die Projekte durch Mitarbeitende des FLS achtsam begleitet werden, wobei die Verantwortung bei der Projektträgerschaft verbleibt. Mehr als 60 % der Befragten gaben an, die Unterstützung durch den FLS sei für die Umsetzung des Projekts entscheidend gewesen. Bei einem weiteren Drittel der Projekte konnten mehr Massnahmen oder diese schneller umgesetzt werden. Zudem erwies sich die Unterstützung durch den FLS als hilfreich für die weitere Mittelbeschaffung. Die Projekte hätten positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung, von Bauern, Landbesitzern und Gemeindebehörden ausgelöst. Nach Einschätzung der Befragten wirkten sich mehr als 90 % der Projekte auch positiv auf die Biodiversität aus. 

Wegweisende Projekte

Dass eine Aufwertung der Kulturlandschaft oft mit einem Gewinn für die Biodiversität einhergehe, bestätigt Urs Känzig, Leiter Naturförderung im Amt für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern. Als Beispiele nennt er die Trockenmauern in den Rebbergen am Bielersee und die Renaturierung des Chlepfibeerimooses bei Herzogenbuchsee. Der FLS sei immer wieder von entscheidender Bedeutung, wenn es darum gehe, eine Restfinanzierung für Aufwertungsprojekte sicherzustellen. Känzig hebt noch einen anderen Aspekt hervor: «Es gelingt so immer wieder auch, neue Ideen und wegweisende Projekte mit Vorbildfunktion zu realisieren.»     

2021 werden die Mittel des Fonds aufgebraucht sein. Es liegt nun am Parlament, die Weichen für die Zukunft des FLS zu stellen. Die dafür zuständige Kommission des Ständerats sprach sich für eine Weiterführung um zehn Jahre aus. Nach einem positiven Entscheid der entsprechenden Kommission im Nationalrat hat sie Mitte August einen Erlassentwurf einstimmig verabschiedet, der dem Bundesrat unterbreitet wird. Ständerat und Nationalrat werden voraussichtlich in der Wintersession darüber befinden. Würde der Fonds wider Erwarten nicht mehr weitergeführt, entstünde eine Lücke, die nicht so einfach ausgefüllt werden könnte.

Weitere Informationen: 
Bulletin 52: Erfolgskontrolle und Erfolgsgeschichten

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