Ein Park, der keiner sein kann
Der Ueberlandpark in Schwamendingen versucht, Verkehrs- und Landschaftsplanung in einem einzigen Projekt zu vereinen. Doch die Nähe zur A1 bleibt spürbar. Die Überbauung kann ihren Anspruch, Park zu sein, nicht einlösen und markiert damit die Grenzen der Überlagerung zweier Systeme.
«Wege laden zum Verweilen ein, bieten einzigartige Naturerlebnisse und zeigen, wie die Natur mitten in der Stadt aufblüht.»1 So beschreibt die Stadt Zürich den Ueberlandpark über der Einhausung der A1. Der Anspruch des Projekts folgt einer städtebaulichen Logik, die zwei unterschiedliche Systeme überlagert, um Verkehrsräume in Grünräume umzudeuten. Doch wie gelingt die Überlagerung, ohne dass die Infrastruktur zur eigentlichen Autorin des Freiraums wird?
Irchelpark: ein Gegenbild
Der Irchelpark am Fuss des Zürichbergs beweist, wie ein solches Vorhaben funktionieren kann. Als Grünbrücke überspannt er die Winterthurerstrasse und bildet eine weite, modellierte Landschaft, die eine geplante Natürlichkeit erzeugt. Seine Wege öffnen ruhige, organisch geformte Sequenzen aus Wasserflächen, Wiesen und Baumgruppen. Auch hier überlagern sich Park und Verkehr, doch die Systeme sind klar getrennt: Der Park bleibt Park, der Verkehr bleibt Verkehr. Wie historische Parkanlagen, die ihre eigene Ordnung über das Terrain legten, spannt der Irchelpark eine räumliche Struktur über Gelände und Verkehrsraum. Die Distanz ermöglicht eine landschaftliche Atmosphäre, die nicht an die überlagerte Infrastruktur erinnert.
E-Dossier Einhausung Schwamendingen: Damaris Baumann berichtete im Sommer 2025 detailliert über die Einhausung und den Ueberlandpark in Schwamendingen.
Weitere Architekturkritiken der Studierenden sowie Berichte über das Projekt seit 2015 sind ebenfalls hier gesammelt.
Ueberlandpark: Park unter Zwang
Der Ueberlandpark kehrt dieses Prinzip jedoch um: Er übernimmt die lineare Logik der Infrastruktur. Die Wege öffnen kontrollierte, graue Szenen: Schotter, Asphalt, akkurat gepflanzte Bäume und dezidiert festgelegte Fusswege. Natur erscheint als streng gefasste Fläche, abgesteckt durch die wiederkehrenden, überlangen Sitzbänke.
Orte zum Spielen bilden Knoten aus übereinanderliegenden Baumstämmen oder verwobenen Stahlstreben. Die Gebilde wirken wie zeitgenössische Follies, eher symbolisch als nutzbar. In gleichmässigen Abständen ragen massive Betonkuben aus dem Boden: Lüftungsschächte, die den verdeckten Verkehr unablässig in Erinnerung rufen. Daneben verdeutlicht der gestreckte Pavillon S die formale Enge des Projekts: Die Autobahndecke, langgezogen wie ein plattgetretener Kaugummi, zwingt die Parklandschaft wie ein Korsett in dieselbe Figur. Zum Ende öffnet sich, präzise geführt, der eindrückliche Blick auf das Heizkraftwerk Aubrugg von Pierre Zoelly. Die versprochenen «Naturerlebnisse» sind im Ueberlandpark eher infrastruktureller Natur.
Wenn Landschaft und Infrastruktur kollidieren
Auch wenn internationale Beispiele beweisen, dass Überdeckungsparks funktionieren können, war die planerische Herausforderung des Ueberlandparks komplex. Er musste nicht nur einen Grünraum formen, sondern eine jahrzehntelange städtebauliche Zäsur überbrücken. Die Idee, Verkehrs- und Landschaftsplanung in einer einzigen Geste zu vereinen, stösst hier an ihre Grenzen. Es entsteht ein Park mit begrenzter atmosphärischer Eigenständigkeit.
Der Vergleich mit dem Irchelpark verdeutlicht: Die klare räumliche Trennung von Verkehrsebene und Parklandschaft erzeugt atmosphärische Qualität. Der Ueberlandpark ist eine Überbauung, der man die Rolle eines Parks nur zuschreibt: eine Rolle, die er räumlich wie atmosphärisch nicht erfüllt. Gefangen in der Form seiner Grundlage entsteht kein gewachsener Park, sondern lediglich eine sorgfältig gestaltete Oberfläche. So reproduziert er die Logik der Infrastruktur, die er eigentlich überdecken wollte.
Maximilian Sinn ist Stadtforscher und Aktivist. Nach seinem Architekturstudium vertieft er im MAS gta ETH seine Forschung zu Architekturtheorie, Stadtbaugeschichte und der zeitgenössischen Stadt.
Anmerkung
1 Stadt Zürich, «Ueberlandpark: Projektteam Ueberlandpark und Einhausung», 2025, letzter Zugriff am 26.2.2026.