Wild­tierü­berfüh­rung Ry­ne­tel

Das «Nationalstrassennetz» der Wildtiere bekommt im Aargau ein neues Element. Die Grünbrücke über die A1 ist mit ihrem Überbau aus Holz schweizweit die erste ihrer Art. Demnächst soll sie den Tieren das Wandern zwischen den Voralpen und dem Schwarzwald erleichtern.

Date de publication
02-12-2020

Im Aargauer Waldgebiet Rohr–Rupperswil durchtrennen die SBB-Linie Aarau–Brugg, die Nationalstrasse N1R, die Kantonsstrasse Suhr–Hunzenschwil und die Autobahn A1 einen Wildtier­korridor von nationaler Bedeutung. Um eine bessere Nutzung dieses Korridors im Bereich der Nationalstrasse zu ermöglichen, hat das Bundesamt für Strassen Astra zwischen Suhr und Gränichen eine Wildtierüberführung über die A1 beauftragt.

Seit Februar 2020 wird an der hierzulande ersten Grünbrücke mit einem Überbau aus Holz gearbeitet. Die Skepsis des Astra gegenüber einer Holzkonstruktion zeigte sich zunächst darin, dass im Ausführungsprojekt parallel zur Holzvariante eine Stahlbetonvariante ausgearbeitet wurde. Schliesslich setzte sich das Holztragwerk durch. Die Planer konnten nachweisen, dass sich die Wildtierüberführung trotz hoher Erdauflasten problemlos mit einem Holztragwerk realisieren lässt.

Zunächst war von Holz ­jedoch noch nichts zu sehen, denn sowohl die Bohrpfähle der Gründung als auch die Seiten- und Mittelwände sind aus Stahlbeton ­konstruiert. Anschliessend wurden die vorgefertigten Holzträger über der Fahrbahn konsekutiv in beide Richtungen montiert. Die Doppelbogenkonstruktion besteht aus druckimprägniertem Brettschicht­holz mit einer Spannweite von 17.4 m. Auch das Sekundärtragwerk ist in Brettschichtholz ausgeführt und mit einer Furnierschichtplatte flächig verkleidet und abgedichtet. Gelagert sind die Träger mittels Stahlgelenken auf den Stahlbetonwänden.

Der Bau der Wildtierüberführung erfolgte tagsüber unter Aufrechterhaltung des vierspurigen Autobahnverkehrs bei reduzierter Fahrstreifenbreite. Nachts wurde bei Bedarf ein Fahrstreifen je ­Fahrt­richtung abgebaut. Derzeit laufen die Abschlussarbeiten. Bis Ende 2020 wird die Holzbrücke mit Wurzelschutzfolie, Sickergeröll, Drainagematte und Erdreich für die Bepflanzung fertiggestellt.

Die Konstruktion wird bis auf die Höhe des bestehenden Waldgeländes mit Erde überdeckt
und auf der ganzen Breite mit Kleinstrukturen und Sträuchern bepflanzt. Zusätzlich zu den Hecken wird ein Blendschutz die Wildtiere vor Emissionen durch Scheinwerferlicht schützen.

Um die Wanderung zwischen  den Voralpen und dem Schwarzwald für grosse Wildtiere uneingeschränkt zu ermöglichen, braucht es jedoch noch weitere Anstrengungen: Die Vernetzung des an­schliessenden Kulturlands gehört ebenso dazu wie der Bau einer Überführung über die Nationalstrasse N1R, dem kurzen vierspurigen Autobahnzubringer von Hunzenschwil bis Aarau (ehemals T5).

Am Bau Beteiligte

Bauherrschaft
Bundesamt für Strassen Astra, Infrastruktur­filiale Zofingen


Planung
Ingenieurgemeinschaft WUEF, Bänziger Partner, Baden; Timbatec Holzbauingenieure, Thun


Ausführung
Arbeitsgemeinschaft FERA, Arvia Bau, Würenlingen; Häring, Eiken


Anlieferung
Brettschichtholz Hüsser Holzleimbau, Bremgarten


Abmessungen
Spannweite 2 x 17.4 m / Länge 35.6 m (quer zur Fahrbahn) / Breite 54 m (längs zur Fahrbahn) /
Brückenfläche 1922 m2


Material
Fichte 850 m3
Herkunft: Schweiz


Termine
Planung und Ausschreibung: 2014 bis 2019
Bauzeit: Februar 2020 bis Frühjahr 2021


Kosten
13.9 Mio. Fr.

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