«Das Spon­tane ist die Qua­lität»

Das Haus Sura in Davos ist ein Beispiel für die zeitgenössische Interpretation von Sgraffito. Der Architekt Robert Arnold erläutert die Zusammenarbeit mit der Künstlerin Mazina Schmidlin-Könz.

Date de publication
21-12-2018
Revision
21-12-2018
Tina Cieslik
Redaktorin TEC21 / Architektur und Innenarchitektur

TEC21: Herr Arnold, beim Bau des ­­Hauses Sura in Davos hatten Sie vonseiten der Bauherrschaft viele Freiheiten. Wie kam es dazu?
Robert Arnold: Das war ein Glücksfall. Die Bauherrschaft hatte Vertrauen und uns einen Freipass ­ge­geben. Bestellt hatte der Bauherr «das Nonplusultra». Ich habe mir zunächst lang überlegt, was das be­deuten könnte. Letztendlich bin ich auf die Frage der Qualität gestossen, der Wertigkeit. Während meiner  Ausbildung hatte ich im Architekturbüro von Albert Caviezel in Vitznau gearbeitet. Er war eng mit dem Künstler Steivan Liun Könz befreundet, der zahlreiche Sgraffiti im Engadin und auch im Unterland realisiert hat. Daran erinnerte ich mich, über diesen Weg bin ich beim Sgraffito gelandet. Als Ausführende empfahl mir Albert Caviezel Steivan Liuns Nichte Mazina Schmidlin-Könz, die ebenfalls Sgraf­fiti realisiert.

TEC21: Wie musss man sich die Zusammen­arbeit zwischen Ihnen und Frau Schmidlin-Könz vorstellen? Das Volumen war zu dieser Zeit ja bereits fertig. Oder hatte der Entscheid für Sgraffito auch architektonische Entscheidungen zur Folge?
Robert Arnold: Es gab einige Fragen, die sich erst daraufhin lösten, z. B. beim Vordach oder beim Dachrandabschluss. Auch die flächenbündigen Fenster haben wir extra gemacht, um keine Reminiszenz an die markanten Laibungen beim historischen Engadinerhaus zu wecken. Daneben war auch die eigentliche Konstruktion eine Anpassung an das Sgraffito. Ursprünglich war die Konstruktion mit Aussendämmung geplant, wie das heute Standard ist. Für mich war aber klar: Sgraffito bedeutet ein zweischaliges Mauerwerk. Neben den architektonischen Details änderte sich auch meine Rolle als Architekt. Mein Standpunkt war: Hier arbeitet eine Künstlerin, die Rückendeckung braucht. Ich habe mich eher als Coach gesehen.

TEC21: Und Sie hatten das Vertrauen, dass das auch gut kommt?
Robert Arnold: Nach dem ersten Telefonat hatte ich Mazina eine Fas­sadenabwick­lung geschickt. Dann kam eine Zeichnung retour. Emotional hatte ich eine Vor­stellung vom Projekt, hätte sie aber nicht darstellen können oder sagen, worin sie besteht. Die Zeichnung entsprach genau diesen Ideen. Von da an habe ich nur noch versucht, ihr die Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Wir mussten zum Beispiel ein Farb- und Materialkonzept eingeben – mit einem freien Sgraffito funktioniert das nur bedingt. Das war administrativ die grösste Hürde. Dann hat sich aber herausgestellt, wie tragfähig das Konzept war. Alle Be­­tei­ligten haben ihre Opposition relativ schnell aufgegeben, als sie die Wertigkeit der Idee verstanden hatten.

TEC21: Es gab also eine grundsätzliche ­Opposition?
Robert Arnold: Das war die grundsätzliche Opposition gegen das Ungenaue, das Unvorhergesehene. Wie soll jemand in der heutigen Zeit etwas bewilligen, von dem er nicht weiss, wie es letztendlich ausgeführt wird? Tatsächlich ist aber genau dies die Qualität dieser Fassade, dass es spontane Entscheidungen gab. Am wichtigsten ist, dass der Bau eine Selbstverständlichkeit entwickelt, kein Spektakel.

Das Interview führte Tina Cieslik, Redaktorin Architektur/Innenarchitektur.

 

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