Ra­di­kal frisch – das neue Schul­zen­trum Da­vos

Anstatt das bestehende Schulhaus abzureissen, integrierten es CURA Architekten ins neue Davoser Schulzentrum. Es ermöglicht nun zeitgemässe Unterrichtsformen und bietet eine behagliche Atmosphäre.
 

Publikationsdatum
17-12-2025
Ariana Pradal
Journalistin | Ausstellungsmacherin für Design und Architektur

Die Erstlingswerke von Architekturbüros sind oft radikal, denn die Jungen haben noch nicht viel zu verlieren. Diese Unbefangenheit führt zu einer klaren, starken Haltung. Dies trifft auch auf das im Herbst 2024 fertiggestellte Davoser Schulzentrum von Marc Ritz und Otto Closs des Architekturbüros CURA aus München zu. In der Wettbewerbsausschreibung bestellte die Gemeinde einen Ersatzneubau. Doch die Architekten entschieden sich, den Bestandsbau von 1958 der Davoser Architekten Krähenbühl & Bühler stehen zu lassen. 

«Mit unserer Eingabe wollten wir zeigen, wie wir Nachhaltigkeit verstehen. Für uns war klar, dass wir das Schulhaus bewahren müssen, um die gespeicherte graue Energie zu erhalten», erklärt Marc Ritz bei der Besichtigung vor Ort. Das Risiko hat sich gelohnt, die Jungen haben sich erfolgreich gegenüber etablierten Büros durchgesetzt. Durch ihre Entscheidung wurden etwa 1355 Tonnen CO2 gegenüber einem Ersatzneubau eingespart.

Alt und neu unter einem Dach

Das neue Schulzentrum ist Teil eines grösseren Campus. Es wird von je einem Bau aus den 1970er-Jahren mit Waschbetonfassade flankiert. Gegenüber einer Längsseite befindet sich der Pausenplatz, seinerseits begrenzt von der neuen Dreifachturnhalle des Zürcher Architekturbüros Neff Neumann. Spielwiesen und ein kleiner Kindergarten runden den Campus ab. 

Dieser Artikel ist erschienen in «Fassaden: Umbaukultur aus öffentlicher Hand».
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Dass der Altbau noch steht, ist von aussen nicht zu sehen. Um das geforderte Programm zu realisieren und den Schulbetrieb als Tagesstruktur zu ermöglichen, haben die Architekten dem bestehenden Bau eine hölzerne, grüne Kappe übergezogen. Vom heutigen Gesamtvolumen sind 40 % Alt- und 60 % Neubau. Otto Clos erklärt: «Beim Altbau haben wir die beiden Längsfassaden entfernt, ansonsten ist aber noch alles vorhanden: Decken, Wände und die beiden Treppenhäuser.» 

Die vorhandene Beton- und Mauerwerksstruktur wurde einer umfassenden Kernsanierung unterzogen. Die Längsseiten wurden beidseitig um eine Schicht erweitert und der ganze Bau um ein Geschoss aufgestockt. Die bestehenden seitlichen Fassaden wurden ertüchtigt, damit sie den heutigen Erdbebennormen entsprechen. Die neue Holzfassade verbessert die Isolation und ist sorgfältig komponiert. Horizontal verlaufende Messingbänder schützen die Fenstersimse und die vorspringenden Holzkanten vor Witterungseinflüssen. Zusammen mit der vertikalen Lattung und den gestanzten Blechpaneelen der Absturzsicherung rhythmisieren sie die einzelnen Geschosse. Je nach Jahreszeit verschmilzt der Bau mit dem Grün der umliegenden Wälder oder sticht im Winter aus der weissen Landschaft hervor.

Effizient geplant und gebaut

Die Anbauten bestehen aus einem wirtschaftlichen Holzstützenraster. Es orientiert sich an den Wandachsen des bestehenden Massivbaus. Die kurzen Spannweiten ermöglichten eine kostengünstige Dimensionierung aller tragenden Bauteile. Einen Grossteil des Holzbaus hat die Firma Künzli in Davos vorgefertigt und auf der Baustelle innerhalb kurzer Zeit montiert. So gelang es, den Rohbau noch vor dem Winter fertigzustellen und während der kalten Jahreszeit im Inneren weiterzubauen. Vom Wettbewerbsgewinn bis zur Eröffnung dauerte es zwei Jahre. Dieser enge Zeitplan war dank gegenseitigem Vertrauen, einem gesunden Pragmatismus aller Beteiligten und einer entscheidungsfreudigen Bauherrschaft möglich.

In dem neuen Schulzentrum gibt es 13 Klassenzimmer und vier Gruppenräume, die bei Bedarf zugeschaltet werden können. Zudem sind Büros für die Schulleitung und die Sozialarbeit, Sitzungszimmer, eine Mensa, eine Aula, ein vielseitig nutzbares Atrium, Toiletten, Duschen und Garderoben für die Talentschülerinnen und -schüler untergebracht. Ein Dachgarten dient als Raumreserve und liesse sich in Schulraum umwandeln.

Helle und offene Mitte

Im Inneren fallen die Halbgeschosse auf. Da die beiden bestehenden Treppenhäuser nun ins Innere des Baus gerückt sind, docken die Geschosse nach jedem Treppenlauf an und nicht wie vorher nach jedem zweiten. Durch die Splitlevels ist das Atrium entstanden, das zusätzlichen Aufenthaltsraum bietet und für die natürliche Belüftung des Schulhauses sorgt. Denn das Gebäude folgt einem einfachen Low-Tech-Konzept: Im Sommer lassen sich alle Lern- und Arbeitsbereiche durch Öffnen der Fenster nach aussen und durch Oberlichter zum Atrium querlüften. Das Atrium funktioniert wie ein natürlicher Kamin und leitet die warme, gebrauchte Luft nach oben ab. Der Energiebedarf wird durch eine Geothermieanlage und Photovoltaikmodule gedeckt.

Verschiedene Längs- und Querverbindungen zwischen Alt und Neu erschliessen die einzelnen Ebenen und lassen durch die offene Mitte Blickbeziehungen zu. Bestehende und hinzugefügte Bauteile sind unterschiedlich gestaltet, damit der Umbau erkennbar bleibt. Die offene Mitte, die Verwendung von viel Holz und das natürliche Licht schaffen eine wohltuende Atmosphäre im Inneren. Die neuen Räumlichkeiten ermöglichen nicht nur zeitgemässe Unterrichtsformen, sie verbessern auch die ganztägige Kombination aus Unterricht und Betreuung.

Schulzentrum Davos Platz


Bauherrschaft:

Gemeinde Davos


Architektur :

CURA Architekten


Baumanagement :

Baulink


Tragkonstruktion:
Conzett Bronzini Partner


HLK-Planung: |

Caviezel Klima + Collenberg Energietechnik


Bauphysik:
Kuster & Partner


Brandschutz:
Bachofner

 


Facts & Figures


Fertigstellung:

2024

 Baukosten:

14.5 Mio. CHF


Geschossfläche:

3750 m2


Volumen:

13 500 m3


Energieversorgung:

Geothermie


Art der verbauten Solarpanels:

Typ JAM54S30-420/GR,

38.64 kWp

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