Bestand + Pflege + Nutzung = Baukultur
An der Stadtgrenze von Basel sanierten MET Architects das Restaurant des Gartenbads Bachgraben und erweckten den alten Sichtbeton des Baudenkmals zu neuem Leben.
Grüne Wiesen, blaue Wasserbecken und filigrane Betonbauten; abtauchen, Sprungturm, danach Pommes und Eis: Das Schwimmbad ist das Sommerrefugium in Schweizer Städten. Viele dieser Anlagen entstanden in den 60er-Jahren. Durch die wachsende Bevölkerung boomte nicht nur der Wohnungsbau, die Gemeinden investierten auch in Sportinfrastrukturen wie Schwimmbäder.
Das Gartenbad Bachgraben in Basel ist mit über 5 ha schweizweit die grösste dieser Anlagen. Durch das Gelände verläuft die Kantonsgrenze zwischen Basel-Stadt und Basel-Landschaft. Auch die Grenze zu Frankreich ist nur zwei Querstrassen entfernt. Dazwischen reihen sich Firmensitze von Pharmakonzernen (vgl. Sonderheft «Dynamische Gemeinden: Allschwil», espazium – Der Verlag für Baukultur, 2025) und weiteren Unternehmen. Zur anderen Seite schliesst die dichtbebaute Wohnperipherie der Stadt Basel an.
Dieser Artikel ist erschienen in «Fassaden: Umbaukultur aus öffentlicher Hand».
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Die Anlage aus dem Jahr 1962 wurde von den Architekten Otto und Walter Senn mit Ingenieur Heinz Hossdorf in einem strengen orthogonalen Raster angelegt. Zusammen mit dem Stadtgärtner von Basel, Richard Arioli, schufen sie eine grosszügige Parkanlage mit vielen schattenspendenden Bäumen.
Bestand: verändert und gealtert
Man betritt das Bad über das übereck positionierte Eingangsdach aus vier betonierten Pilzstützen. Die Männer- und die Frauengarderobe, die sich einst in zwei separaten Gebäuden befanden, sind heute in einem Haus zusammengefasst. Das andere wurde zur Tagesschule umfunktioniert. Am anderen Eck des Geländes, zum Hegenheimermattweg, liegt das zweigeschossige Restaurant des Gartenbads. Das orthogonale Raster bestimmte auch dessen Gestaltung: ein Kubus aus Sichtbeton, der teils in seine Struktur aufgelöst ist. Stützen und Riegel formen im Obergeschoss ein offenes Terrassenvolumen. Zwei grosse Freitreppen erschliessen diesen Bereich, der nach der Sanierung wieder als Restaurant dient. Im Erdgeschoss sind betriebliche Funktionen des Bads untergebracht.
Seit der Erstellung vor über 60 Jahren erfuhr das Gebäude einige Nutzungsänderungen. Diese führten immer wieder zu baulichen Anpassungen, teils unsachgemäss ausgeführt. Irgendwann wurde nur noch die untere Ebene genutzt und die obere Etage stand leer. Zum Zeitpunkt des Planerwahlverfahrens im Jahr 2019 sollten zunächst ein Restaurant, Betriebsräume und ein Jugendzentrum im Gebäude untergebracht werden.
Nachdem die Stadt Basel MET Architects als Planende ausgewählt hatte, legten diese in Studien dar, dass die Umnutzung zum Jugendzentrum grosse Teile des Gebäudes zerstören würde. Die gesamte Anlage ist im ISOS der Gemeinde Basel-Stadt gelistet – allerdings ohne Schutzziel. Weil der Bau ursprünglich als Sommergebäude konzipiert worden war, hätte die angestrebte Nutzung eine energetische Ertüchtigung der Gebäudehülle und starke räumliche Eingriffe erfordert.
Nutzung wiederhergestellt
MET Achitects schlugen eine Nutzungsrochade vor. Das Jugendzentrum zog in das ehemalige Hauswartgebäude neben dem Eingang des Gartenbads und das Restaurant konnte wie einst im 1. Obergeschoss des Gebäudes untergebracht werden.
Die Räume des Restaurantgebäudes sind in drei klimatische Zonen unterteilt: die beheizte, die teilbeheizte und die unbeheizte. Beheizt und im Dämmperimeter ist ein Multifunktionsraum, der aktuell vom Golfclub gemietet wird, der im Winter das Parkgelände nutzt. Teilgeheizt, gedämmt und mit zweifachverglasten Fenstern versehen sind die Betriebs- und Personalräume.
Das Restaurant, die Werkstatt und die restlichen Räume bleiben ungedämmt. Darum wurden alle Fenster ausgetauscht, im Inneren einige Wände und Stützen versetzt und schliesslich die Betonfassade saniert. Grundlage dafür war ein umfangreicher und systematischer Annäherungsprozess an den Bestand. Denn die Aussenwände waren mit der Zeit mehrfach überstrichen, überklebt, neu betoniert oder verputzt worden.
Sichtbeton sanieren
Das Restaurantgebäude befindet sich auf dem Gebiet des Kantons Basel-Landschaft. Dort wird es nicht als schützenswert geführt. Trotzdem behandelte die Eigentümerin Basel-Stadt es gemäss ihrer Liste als schützenswerten Bau. So war ein Ziel, viel von der Struktur in ihren ursprünglichen Zustand – den Sichtbeton – zurückzuführen. Dafür legten die Architekten einen Schadenskatalog an und dokumentierten, wo welche Schichten auf die Originalwand aufgebracht wurden. Ergebnis: sechs unterschiedliche Befunde.
Um die verschiedenen Schichten auf möglichst schonende Weise wieder abzutragen, wendeten sie die Sandstrahlmethode an. Ausserdem wurden die Abplatzungen im Beton aufgrund von Carbonatisierung (Rost) entfernt, freiliegende Eisen entrostet, mit Rostschutzmittel versehen und wieder neu betoniert. Zum Schluss wurde die Oberfläche hydrophobiert und an der Strassenseite mit Graffitischutz versehen. Das Resultat ist eine ebenmässige, aber durch das Schalungsmuster strukturierte Fassade.
Doch obwohl die Stadt und die Architekten eine sorgsame Sanierung durchführten, scheint die Nutzung noch nicht optimal auf den Ort zugeschnitten. Denn nicht alle Räume werden derzeit genutzt. Mit seiner speziellen Lage am Stadtrand stellt der Betrieb eines solchen Gebäudes eine Herausforderung dar und es bedarf kreativer Ideen, den Ort für die verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Grenzgebiet attraktiv und zugänglich zu machen.
Gesamtsanierung und Umbau Restaurant Gartenbad Bachgraben
Bauherrschaft
Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt, Städtebau & Architektur, Immobilien
Architektur
MET Architects, Basel
Tragkonstruktion
wh-p Ingenieure, Basel
HLKS-Planung
Hermann + Partner Energietechnik, Basel
Bauphysik
Gruner, Basel
PV-Anlage
Planeco, Arlesheim
Facts & Figures
Fertigstellung:2024
Geschossfläche:893.1 m2
Volumen:
3435.3 m3