Prix SIA: Fül­le und Qua­li­tät

Die Jury des Prix SIA hat getagt: Aus 169 gültigen Eingaben wählte sie neun für die Shortlist aus. Zwei Tage lang diskutierte, hinterfragte und würdigte das Gremium unter der Leitung von Emanuel Christ nicht nur die eingereichten Projekte und Prozesse, sondern präzisierte auch die eigenen Beurteilungskriterien.

Publikationsdatum
07-12-2023

Das Echo war erfreulich: 172 Arbeiten wurden für den Prix SIA eingereicht, rund ein Drittel aus der Romandie und mit unterschiedlichen Schwerpunkten – von der grenzübergreifenden Regionalplanung über partizipative Prozesse und zirkuläres Bauen bis hin zu Neu- und Umbau. Aufgrund der Vorprüfung wurden drei Projekte von der Jurierung ausgeschlossen, sodass die interdisziplinär und mehrsprachig zusammengesetzte Jury in zwei Tagen über 169 Eingaben zu befinden hatte. Die Projekte können auf www.prixsia.ch eingesehen werden.

Eine Herausforderung stellte die Ausstandsregelung dar. Wenig überraschend führte die Zusammensetzung der Jury aus hochkarätigen, mehrheitlich in der Praxis tätigen Fachleuten dazu, dass einzelne von ihnen sich bei einem oder mehreren Projekten als befangen erklärten. Obschon kein Jurymitglied selbst Arbeiten ins Rennen geschickt hatte, stellte sich heraus, dass einige bei Projekten, die durch Dritte eingereicht wurden, beteiligt gewesen waren.

Für diese Fälle entschied das Plenum, dass das betroffene Mitglied bei der Diskussion in den Ausstand treten und den Raum verlassen müsse. Barbara Buser schied auf eigenen Wunsch aus der Jury aus: Das von ihr gegründete Büro – dem sie zwar nicht mehr angehört, das sie aber über Jahrzehnte geprägt hat – hatte ohne ihr Wissen gleich mehrere Projekte eingereicht. Die Jury würdigte ihre Integrität und bedauerte, auf ihre exzeptionelle Kompetenz verzichten zu müssen.

Klärung der Kriterien

Intensiv diskutierte das Beurteilungsgremium die acht Kriterien des «Davos Qualitätssystem für Baukultur», auf deren Grundlage es die eingereichten Projekte beurteilte, und entwickelte eine klare Haltung in Bezug auf deren Auslegung. Die Jury einigte sich auf eine strenge Interpretation, die teilweise über die wörtliche Formulierung der Krite­rien hinausweist: So solle hohe Baukultur beispielsweise beim Krite­rium «Umwelt» nicht nur schonen, sondern auch aufwerten, etwa indem sie die Biodiversität fördere statt nur erhalte.

Weiter hielt die Jury ihren Anspruch auf Ganzheitlichkeit und Interdisziplinarität fest: Es gehe nicht darum, lediglich einzelne der acht Kriterien herausragend zu erfüllen. Preiswürdig seien vielmehr Projekte und Prozesse, die eine komplexe Aufgabe unter Berücksichtigung möglichst vieler Aspekte auf vielschichtige, differenzierte, nachhaltige und beispielhafte Weise lösen; gerade dadurch zeichne sich hohe Baukultur aus. Entsprechend umfasst die Shortlist nicht Leuchtturmprojekte für einzelne ­Themen, sondern solche, die mehrere Themen vereinen und in dieser Synthese eine hohe, zukunftsfähige Qualität erreichen.

Spannung bis zuletzt

Zuerst in interdisziplinären Gruppen und anschliessend im Plenum besprachen die Jurymitglieder jede Eingabe, bevor sie die Anzahl der weiter zu berücksichtigenden Projekte und Prozesse in mehreren Durchgängen auf 42 reduzierten. Aus diesen wählte die Jury neun herausragende Eingaben für die Shortlist – eine vielfältige Auswahl hoher baukultureller Leistungen, die im Januar 2024 an der Swissbau in Basel verlesen wird.

Welcher der neun Shortlist-Finalisten den Prix SIA erhält, wird die Jury am 23. Mai 2024 entscheiden, hinter verschlossenen Türen zwar, aber im Rahmen der öffentlichen Veranstaltung, deren Höhepunkt die Preisverleihung bildet. In der Zwischenzeit wird sie die Pro­jekte in drei Jury-Talks weiter debattieren – die Videos dieser moderierten Diskussionen werden ab März 2024 publiziert. Zum Public Voting für den Publikumspreis sind derweil alle gültigen Eingaben zugelassen. Die Spannung steigt also weiter.

Prix SIA – Die Schweizer Auszeichnung für eine nachhaltige Gestaltung unseres Lebensraums


Die Longlist mit allen eingereichten Projekten ist auf www.prixsia.ch/de/1584 verfügbar.


Die neun Projekte der Shortlist werden am 16. Januar 2024 an der Swissbau im Rahmen der Veranstaltung «Schwammstadt in der Praxis – Wie sieht die Stadt von morgen aus?» bekannt gegeben.