Über die Ar­chi­tek­tur­schu­le der Zu­kunft

Im Mai 2019 veranstaltete die Hochschule Luzern zum dritten Mal die «Lucerne talks – Architekturpädagogiken», die dieses Mal die Architekturschule von morgen zum Thema hatten. Die vielfältigen Aspekte und Ergebnisse des eintägigen Symposiums sind nun in einer neuen Publikation gut lesbar und inhaltsreich zusammengefasst.

Publikationsdatum
09-03-2022

Über die ideale allgemeinbildende Schule für Kinder und Jugendliche wird seit Jahren diskutiert, und es entstehen neue, ermutigende Schulbauten. Die Frage nach einem optimalen Lern- und Lehrumfeld stellt sich dabei aber ebenso für alle Fakultäten der Architektur. Planende sehen sich dabei allerdings mit folgendem Dilemma konfrontiert, wie es im Klappentext zu lesen ist: «Architektonische Umgebung wie auch pädagogische Vision erfahren aufgrund strenger Auflagen und vorgegebener Raumprogramme jedoch häufig massive Einschränkungen.»

Mit welchen Lösungsansätzen lässt sich beides miteinander kombinieren? Und wie können Räume mit möglichst wenigen begrenzenden Bedingungen entstehen? Mit diesen und weiteren Fragen rund um das Thema «Building for Architecture Education» setzten sich die Vortragenden sowie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der dritten Lucerne Talks auseinander. Am Vormittag referierten sieben Architektinnen und Architekten über von Ihnen geplante «Architekturschulen» und ihre Lehre, während am Nachmittag in sechs Gruppen über verschiedene Themen diskutiert wurde.

Da zwischen dem Symposium und dem Erscheinen des Buchs im Oktober 2021 die weltweite Corona-Pandemie ausgebrochen war, floss der Aspekt globaler Pandemien und die damit verbundene Frage nach Präsenz- und Onlinelehre bereits in die Texte ein.

Reichhaltiger Inhalt

Der Aufbau bildet den Ablauf des Symposiums ab: Nach einem Vorwort auf Englisch folgen die Essays der Architektinnen und Architekten, davon zwei auf Deutsch und fünf auf Englisch. Mit einem Umfang von sechs bis 22 Seiten und illustriert mit zahlreichen Plänen sowie Schwarz-Weiss- und Farbfotografien haben sie konkrete Projekte zum Inhalt, wie die Architekturfakultät in Nantes, die 2009 nach Plänen von Lacaton Vassal fertiggestellt wurde, oder übergreifende Aspekte, wie eine intensive Auseinandersetzung mit der Atelierhalle, den riesigen Zeichensälen als «besonderem Kennzeichen» einer Architekturhochschule, wie Mike Guyer und Markus Peter schreiben.

Für die sich daran anschliessenden 26 Talks griffen die Autorinnen und Autoren jeweils einen Aspekt der nachmittäglichen Diskussionen aus einer der sechs gebildeten Gruppen auf. Die Bandbreite der in Deutsch, Englisch oder Italienisch verfassten und sich über vier oder sechs Seiten erstreckenden Beiträge reicht dabei von «Bauen von der Stadt her gedacht», «Own Your Space – Creating Room for New Thinking» und «Le facoltà dell’architettura». Die Form ist dabei sehr vielfältig und reicht von klassischen Fliesstexten über Gespräche bis hin zu Textdialogen, wodurch sich die Lektüre kurzweilig und abwechslungsreich gestaltet. Ein Verzeichnis mit den Namen und den aktuellen Tätigkeiten der 55 Schreibenden runden die Publikation ab.

Für all diese zum Nachdenken anregenden Inhalte fand das Grafikteam ein angenehm handliches Format mit einem hochwertig wirkendem Leineneinband und in Schwarz aufgedrucktem Titel. So überzeugt diese Neuerscheinung inhaltlich und optisch gleichermassen.

Marc Angélil, Heike Biechteler, Dieter Dietz, Johannes Käferstein (Hg): Building for Architecture Education. Architekturpädagogiken. Lucerne Talks. Park Books, Zürich 2021. 212 S., 66 farb. und 61 s/w Abbildungen, 17 × 24 cm, Gebunden, ISBN 978-3-03860-262-0, Fr. 39.–

 

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