Lehm­ar­chi­tek­tur ent­wi­ckeln

Editorial

Publikationsdatum
02-03-2017
Revision
03-03-2017

Deutschland ist uns, was Lehmbau angeht, in vielem voraus. Doch auch dort ist der Anteil der Lehmbauprodukte am gesamten Baustoffmarkt seit 2001 nur von 0,01 % auf 0,1 % gewachsen, was vor allem mit der steigenden Nachfrage an Lehmputzen zusammenhängt.
Lehmvollbau oder auch nur -hybridbau braucht seitens Architekten und Bauherrschaft Mut zum Experiment. Daher wird der Baustoff auch in der Schweiz bei Wettbewerben äusserst selten vorgeschlagen.
Lehm ist ästhetisch ansprechend, reichlich vorhanden und feuchtigkeitsabsorbierend. Die Energiebilanz von industriell gefertigten Lehmprodukten ist fünf- bis zehnmal niedriger als jene von Kalk- und Gipsprodukten. Warum also ist Lehm bisher kaum über den ­Experimentstatus hinausgekommen? Lückenhaft vorhandene Materialkennwerte, schwierig zu ermittelnde Kosten, aber auch die vernachlässigte Materialentwicklung erschweren seine prak­tische Anwendung. Dabei machen es die jüngsten Tendenzen im Holzbau vor: ­Die öffentliche Hand kann die Ausbildung an Hochschulen und im Handwerk, die Erforschung und das Image des Baustoffs fördern und somit einiges bewirken.
Soll Lehm seine Rolle als ein Baumaterial der zukünftigen postfossilen Gesellschaft einnehmen, dann müssen Normen entwickelt und Industrie, Handwerk und Ausbildung unterstützt werden.

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