Ge­sund im Holz

Gesundheitsbauten aus Holz – das Thema der neusten Fachveranstaltung aus der Reihe «Stadt aus Holz» klingt nach einem Spezialgebiet bescheidenen Ausmasses. Doch der Eindruck täuscht. Die vom BAFU beauftragte, von Wüest Partner durchgeführte und von TEC21 moderierte Veranstaltung zeigte, dass gerade hier ein enormes Potenzial für den Holzbau besteht.

Publikationsdatum
18-10-2022

Legt man den Begriff «Gesundheitsbauten» breit aus, kommen – neben Spitälern und Kliniken – unterschiedliche, teilweise neuen Bautypen hinzu. Zum einen widerspiegeln sie die Diversifizierung der medizinischen Versorgung, etwa in Form von Gesundheitszentren, Ambulatorien, Gross- und Gemeinschaftspraxen, spezialisierten Privatkliniken oder Anlagen für betreutes, aber möglichst selbstständiges Wohnen mit unterschiedlichsten Behinderungen. Zum anderen resultieren sie aus gesellschaftlichen Trends und demografischen Entwicklungen.

Die Lebenserwartung in der Schweiz ist im internationalen Vergleich hoch, und mit den Babyboomern wird in den nächsten Jahrzehnten eine besonders geburtenreiche Generation ins Alter kommen. Eine einfache Hochrechnung ergibt, dass sich die Anzahl der über achtzigjährigen Menschen in der Schweiz bis 2050 verdoppeln wird: von rund einer halben auf eine Million innert einer einzigen Generation.

Wohnen und Pflege kombinieren

Zumindest ein Teil dieser hochbetagten Menschen – zurzeit sind es rund ein Viertel – benötigen früher oder später einen Platz in einer Pflegeeinrichtung. Andere leisten sich Altersresidenzen mit medizinischen Service-Leistungen. Bereits das ergibt die eindrückliche Zahl von 250'000 Pflegeplätzen. Die Mehrzahl der Hochbetagten jedoch – und dieser Trend dürfte aufgrund der Individualisierung unserer Gesellschaft weiter anhalten – möchte auch im hohen Alter möglichst selbständig leben. Daher steigt die Nachfrage nach erschwinglichen, altersgerechten Wohnungen an zentralen Lagen, kombiniert mit flexibel buchbaren Services in den Bereichen Pflege, Gastronomie und Haushalt, fallweise auch erweitert mit entsprechenden Praxis- und Arbeitsräumen sowie gemeinschaftlichen Infrastrukturen für wie Therapiebäder oder Turnräume.

So betrachtet heisst das, dass das Thema Gesundheitsbauten zunehmend auch den Wohnungsbau umfasst; und dass mit den Seniorinnen und Senioren der Babyboomer-Generation eine wachsende, vergleichsweise zahlungskräftige Zielgruppe existiert, die an solchen Bauten im breiteren Sinne interessiert sind.

Wohlbefinden für vulnerable Personen

Wie institutionelle Investorinnen und Investoren mit dieser Entwicklung umgehen, war – mit besonderem Fokus auf die besonderen Eigenschaften und Möglichkeiten des Holzbaus – das Thema der Fachveranstaltung vom 29. September 2022. Welche Chancen, welche Risiken eröffnen sich für ein langfristig angelegtes Portfolio? Dabei kamen unterschiedliche Aspekte zur Diskussion. Dass sicht- und fühlbare Holzoberflächen sich positiv auf mehrere gesundheitliche Faktoren auswirken, wurde dabei vorausgesetzt: Der wissenschaftliche Nachweis dafür war bereits in einer vorangehenden Veranstaltung dargelegt worden. Daher konzentrierte man sich auf die Analyse aktueller Bauten. Der Neubau des Kinderspitals in Zürich exemplifizierte die günstigen Wirkungen, die von einer freundlichen, mit vielen sinnlichen Holzoberflächen gestalteten Architektur im Gesundheitsbereich zu erwarten sind. Als sozial und ökonomisch erfolgreiches Beispiel eines Holzgebäudes für Sozialinstitutionen wurde das Bewohnerhaus Aarhus präsentiert.

Im Zusammenhang mit dem Wohnungsbau gab vor allem der Aspekt des Komforts zu sprechen: Räume mit warmen Oberflächen wie Holz oder Textilien werden subjektiv als wärmer wahrgenommen als solche mit kalten Oberflächen. Gerade für besonders vulnerable Personen – zum Beispiel alte und kranke Menschen, deren Grundumsatz vergleichsweise tief ist und die deshalb eher frieren – kann Holz im Innenausbau so zu einem besseren Wohnbefinden beitragen. Auf der anderen Seite erlaubt es dieser Effekt der subjektiven Temperaturempfindung, die Lufttemperatur in «hölzernen» Räumen ohne Komforteinbusse um zwei Grad zu senken, was im Hinblick auf die Energieeffizienz von Gebäuden einen bedeutenden Beitrag darstellt.