Fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung auf­ge­gleist

Delegiertenversammlung 2019

Die Delegierten stellen mit angepassten Einzelmitgliederbeiträgen, einem personell verstärkten Vorstand und der Einführung eines Jahresthemas die Weichen für die Zukunft.

Publikationsdatum
25-04-2019
Ivo Vasella
Co-Leiter Kommunikation und Leiter Projekte/Veranstaltungen

Die Lokremise in St. Gallen bildete die passende Kulisse für die Delegiertenversammlung des SIA. Im über hundertjährigen Pionierbau der SBB wurden früher Lokomotiven wieder flott gemacht und für die Zukunft gerüstet. Ende der 1980er-Jahre wurde der imposante Industriebau in ein attraktives Kulturzentrum umgenutzt.

Keine Fragen zu den Turbulenzen

Der umfassende Rückblick auf das ereignisreiche Vereinsjahr von SIA-Präsident und Geschäftsführer ad interim Stefan Cadosch liess bei den Delegierten keine Fragen offen.

Vorstandsmitglied Daniele Biaggi erläuterte anschliessend die in der letztjährigen Delegiertenversammlung geforderte Präsentation der Mittelfristplanung. Auch er begann mit einem längeren Rückblick: eine Bilanz seit der letzten, zehn Jahre zurückliegenden Mitgliederbeitrags­erhöhung. Der SIA fährt heute auf vielen verschiedenen Schienen, die alle regelmässig überprüft und unterhalten, erweitert, vielleicht aber auch stillgelegt werden müssen. So wird beispielsweise die Zusam­menarbeit mit Drittorganisationen kontinuierlich überprüft und hinterfragt.

Daniele Biaggi listete auf, was in der vergangenen Dekade alles geleistet wurde: verschiedenste neue Projekte, Veranstaltungen und unzählige weitere Aktivtäten. Zudem wurden über 400 Normen und Ordnungen à jour gebracht oder neu erstellt. Nicht ohne Stolz vermerkte der abtretende Quästor, dass der SIA in jüngerer Zeit massiv an Bedeutung, Einfluss und Attraktivität gewonnen hat.

Wie schwierig eine Budgetierung im SIA sein kann, wie schnell ein bestehendes Budget zur Makulatur werden kann, zeigte im vergangenen Jahr die nicht vorhersehbare Intervention der Wettbewerbskommission (Weko) zu den Leistungs- und Honorarordnungen.

Wichtige Aufgaben stehen an

Die Finanzen des SIA sind heute wieder im Lot, aber um für die Zukunft gerüstet zu sein, braucht der Verein mehr Mittel. Zu den wichtigsten anstehenden Aufgaben gehören neben den bereits gestarteten vier neuen digitalen Projekten die weiter zu ­verstärkende politische Arbeit und eine erhöhte Unterstützung des Verlags espazium.

Die Zusammenarbeit des SIA mit und unter den Sektionen soll verbessert werden. Und es stellen sich weitere Fragen zur künftigen Arbeitsweise, denn das Milizsystem des SIA stösst an seine Grenzen. Wichtiger ist jedoch die Diskussion, wie sich die tägliche Arbeit der Mitglieder in Zukunft verändern wird und wie der SIA auf diese Entwicklungen reagieren soll.

Nach diesen und weiteren Ausführungen wurde dem Vorstand unter Applaus einstimmig die Decharge erteilt, was Stefan Cadosch sichtlich gerührt und sogar etwas erstaunt zur Kenntnis nahm.

SIA-Award zurückgestellt, Mitgliederbeiträge angehoben

Der Vorstand hätte aus statuarischen Gründen das Projekt SIA-Award nicht in die Delegierten­versammlung bringen müssen. Weil er hier kontroverse Meinungen im SIA ortete, fragte er die Delegierten. Der Award als solcher wurde nicht grundsätzlich infrage gestellt, aber zur Finanzierung und der einhergehenden Zusammenarbeit mit externen Partnern herrschen unterschiedliche Haltungen. Der Award wird daher an der nächsten Versammlung mit einem neuen Fi­nanzierungsmodell noch einmal vorgestellt, und die Delegierten beauftragten die Geschäftsstelle zudem zur Erstellung einer «Charta Sponsoring».

Der Antrag des Vorstands zur Erhöhung der Mitgliederbei­träge wurde nach einem Antrag der BGA sogar noch etwas nach oben angepasst. Ab kommendem Jahr werden die Einzelmitglieder in drei Kategorien eingeteilt: Studierende bezahlen weiterhin keine Beiträge; der Mitgliederbeitrag der berufs­tätigen Einzelmitglieder wird um 50 Franken auf 350 Franken erhöht; und die Senioren sollen künftig 100 Franken bezahlen, unabhängig davon, ob sie eine der drei Zeit­schriften von espazium abonnieren oder nicht.

Jahresthema «Zukunftsfähige LHO»

Der SIA hat in den vergangenen Jahren viele strategische Themenfelder benannt und sich mit ihnen beschäftigt. Um sich intensiver und effizienter mit einem einzelnen Thema auseinandersetzen zu können, wird fortan ein Jahresthema bestimmt. Das aktuelle Jahresthema «Zukunftsfähige LHO» hat es in sich, wie die intensive Diskussionen der Delegierten zeigten.

Der Vorstand wollte das mit der Weko ausgehandelte Übergangskalkulationsmodell auf Anfang Mai zurückziehen, die Delegierten beschlossen jedoch, dieses bis Ende 2019 beizubehalten. Dies hat zur Folge, dass die frisch revidierten, von den Delegierten zur ­Publikation freigegebenen, Weko-konformen Ordnungen SIA 102, 103, 105 und 108 ohne den Artikel 7 erst Ende Jahr publiziert werden können.

Ende 2019 muss das aktuelle Übergangsmodell sistiert werden. Obwohl aktuell verschiedene neue Modelle geprüft und intensiv diskutiert werden, braucht deren Ausarbeitung mehr Zeit, als die Weko dem SIA zu geben bereit ist. Stefan Cadosch mahnte, dieser Situation mit Pragmatismus zu begegnen. Im benachbarten Ausland sei die Situa­tion vor Jahren praktisch identisch gewesen, und der aktuelle Zustand dort sei heute unproblematisch.

Vorstand personell verstärkt

Das zurücktretende Vorstandsmitglied Daniele Biaggi wurde von den Delegierten mit frenetischem Applaus verabschiedet. Die Delegierten wählten die in Zürich lebende und tätige Umweltingenieurin Manijè Chantal Alexander-David sowie die ebenfalls in Zürich lebende und tätige Architektin Birgitta Schock in den Vorstand. Alexander-David tritt die Nachfolge des Geologen ­Daniele Biaggi an. Schock erweitert den Vorstand als Koryphäe im Bereich der Digitalisierung im Bauwesen.

Die 1982 geborene Alexander-David hat an der ETH Zürich Umweltingenieurwissenschaften mit Vertiefung Wasser- und Stoffhaushalt studiert sowie einen MAS in Management, Technology and Economics/BWI an der ETH Zürich absolviert. Der Projektleiterin im Umwelt- und Sicherheitsbereich ist es ein Anliegen, bei der strategischen Orientierung der Architektur- und Ingenieurbranche mitzuwirken, eine Vorbildfunktion für angehende Ingenieurinnen einzunehmen, Werbung und Lobbying für die Planer voranzutreiben sowie partizipative Prozesse im Umweltbereich weiterzuentwickeln. Die Delegierten­versammlung ist überzeugt, mit Alexander-David eine engagierte, kompetente und verantwortungsvolle Umweltingenieurin mit fundierten betriebswirtschaftlichen Kenntnissen gewählt zu haben, die sich als Brückenbauerin zwischen den Disziplinen versteht.

Birgitta Schock führt Fachrat Digitalisierung

Der Vorstand des SIA will den Wandel der Planungs-, Bau- und Im­mobilienbranche, der mit der Digitalisierung einhergeht, aktiv und richtungsweisend gestalten. Mit Birgitta Schock wurde eine international anerkannte Kapazität gewählt, die die digitale Transformation im Planungs- und Bauwesen der Schweiz mit wesentlichen Impulsen voranbringen kann. Sie wird sich des ­Themenfelds «Digitalisierung der Planungs- Bau- und Immobilienbranche» annehmen und dem neuen Fachrat Digitalisierung vorstehen.

Schock ist Partnerin von schockguyan partner gmbh. Sie hat langjährige Erfahrung in der Architektur und im Bauwesen. Ihr Fokus liegt auf der Prozessoptimierung unter Anwendung unterschiedlicher Arbeitsmethoden wie Design Thinking, Lean Construction Management sowie in der BIM-Beratung für Neubauten und Bestand. Schock ­studierte an der ETH Zürich Architektur und absolvierte ein Programm in Global Teamwork am Project-Based Learning Laboratory an der Stanford University, Kalifornien, USA. Sie war wissenschaftliche ­Mitarbeiterin im Bereich Raumplanung an der ETH Zürich und Gastdozentin für Raumentwicklung an der Hochschule Rapperswil. Schock ist Mitglied des Vorstands von ­Bauen digital Schweiz, Vorstands­vorsitzende von building SMART Schweiz sowie Vizepräsidentin vom netzwerk_digital.

Die Delegiertenversammlung zeigte, dass das Vertrauen in den Vorstand ungebrochen ist, und die Delegierten haben der Geschäftsstelle mehr Mittel zugesprochen. Der SIA Schweiz kann weiter Gleise bauen und wichtige Weichen stellen. Aber die Züge, die uns vorwärts bringen, sind die Sektionen und die Berufsgruppen, also jedes einzelne Mitglied. Die nächste Delegiertenversammlung wird am 24. April 2020 im Kanton Aargau stattfinden.

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