Ei­ne De­sign­wo­che für Zü­rich

Vom 27. November bis 1. Dezember 2013 findet in Zürich Oerlikon die internationale Wohn- und Möbelausstellung «neue räume» statt. TEC21 sprach mit Initiator Stefan Zwicky über Schwellenängste, wiederentdecktes Handwerk und Expansion nach innen.

Publikationsdatum
20-11-2013
Revision
30-10-2015

Die «neue räume» findet in diesem Jahr zum siebten Mal statt. Was war 2001 der Auslöser, die Veranstaltung ins Leben zu rufen 
Stefan Zwicky (S. Z.): Als im Jahr 2000 die Schweizer Möbelmesse eingestellt wurde, war ich der Meinung, wir müssten etwas Eigenes auf die Beine stellen. Durch meine Arbeit mit dem Designer Alfred Hablützel, mit dem ich 1985–1989 die Sonderschauen an der Möbelmesse realisierte, hatte ich Kontakt zum einem harten Kern von Agenten, die gute Marken vertraten. Ich habe ihnen ein Konzept für eine eigene Veranstaltung vorgestellt. Sie fanden das zwar gut, passiert ist aber nichts. Im nächsten Jahr hat es dann geklappt. Es brauchte viel Effort und auch die Unterstützung von befreundeten Gestaltern, die zu Kulturtarifen mitgeholfen haben. 

In diesem Jahr fand bereits die Werkschau «architektur 0.13» statt, eine Woche vor «neue räume» folgt die Designmesse «blickfang». Was unterscheidet «neue räume» von diesen Veranstaltungen 
S. Z.: Bei uns stellen Hersteller aus und unterstützen so den Schweizer Möbelfachhandel. Ein Hersteller kann bei «neue räume» ungefiltert durch den Handel all die Modelle zeigen, von denen er überzeugt ist. Bei der Auswahl der Aussteller versuchen wir jedes Mal, eine interessante, heterogene Gruppe zusammenzubringen, die zueinander passt. Was auch wichtig ist: Der Hersteller bekommt das direkte Feedback des Verbrauchers.

Das heisst, es gibt ein Bewerbungsverfahren für die Aussteller 
S. Z.: Wenn jemand mitmachen will, den wir nicht kennen, schauen wir zuerst, was er macht. Wir möchten eine bestimmte Bildwelt vermitteln – wenn jemand Stilmöbel sucht, ist er bei uns am falschen Ort. Natürlich gibt es auch immer Zwischenbereiche, wo wir Kompromisse eingehen. Wir wollen die Halle ja füllen. Das Ziel ist aber, dass die Aussteller zusammenpassen. Deswegen muss die Veranstaltung auch nicht immer wachsen. Das ist auch für die Besucher interessanter: Die Ausstellung sollte so abgerundet sein wie eine Pralinémischung und kein Durcheinander wie an einer Kirmes. 

An welches Zielpublikum richtet sich die Veranstaltung 
S. Z.: Die «neue räume» richtet sich zum einen an Planer, zum anderen an Endverbraucher, an Menschen, die sich für Wohnkultur interessieren. Über das Mittel der Ausstellung können Schwellenängste abgebaut werden. Viele Menschen trauen sich nicht in ein Fachgeschäft, um sich einfach nur umzuschauen. Bei einer Ausstellung ist das anders – es gibt keinen Kaufzwang, und mit dem Eintrittsbillet ist man berechtigt, sich alles anzuschauen und alles zu fragen, was einen interessiert. 

In diesem Jahr gibt es neben der Hauptausstellung zwölf Sonderschauen. Eine davon läuft unter dem Titel «Manufaktur». Was dürfen die Besucherinnen und Besucher erwarten 
S. Z.: Wir haben sechs Firmen, die vor Ort ihre Handwerkskunst zeigen. Das reicht von Bugholz über Polstern bis hin zu Shibori, einer japanischen Batiktechnik, die in diesem Fall zur Herstellung von Lampen genutzt wird. Auch Licht ist ein wichtiges Thema. Endkonsumenten, aber auch Planerinnen und Planer sind zunehmend verunsichert wegen der schnellen Entwicklung im Leuchtmittelbereich. Wir haben daher jeden Tag einen unabhängigen Lichtplaner vor Ort, der seine Arbeit erläutert. Dazu kommt eine kleine thematische Ausstellung mit einem Überblick über fast hundert Jahre Leuchtendesign – von der Kerze bis zum LED. Interessanterweise bekommt man fast 30 Leuchten aus all diesen Jahrzehnten zusammen, die man auch heute noch kaufen kann. 

Die Interaktion mit den Besuchern ist ein typisches Merkmal der «neue räume». Auch die Vereinigung Schweizer Innenarchitekten bietet Beratungen an. 
S. Z.: Jeder Verband, der gestalterisch tätig ist, stellt bei solchen Veranstaltungen seine Arbeit vor. Das ist auf Dauer ermüdend. Wir finden es wichtig, anstatt der fertigen Arbeit die Tätigkeit eines Innenarchitekten aufzuzeigen. Darum haben wir «Das grösste Innenarchitekturbüro der Schweiz» ins Leben gerufen: Die Planer sind quasi zum Anfassen, und die Besucher können ihre Projekte oder ihre Fragen präsentieren und in einem Beratungsgespräch herausfinden, ob das Gegenüber einlösen kann, was es verspricht. 

In letzter Zeit ist das Thema «Nachhaltigkeit» bei jeder Veranstaltung ein Thema. Warum nicht bei «neue räume»  
S. Z.: Wir haben das Thema in den letzten Jahren aufgegriffen, beispielsweise mit der Sonderschau «Green Design» zusammen mit Ikea oder auch mit «100 unter 100». Im Moment braucht es Reflexionszeit. LED zum Beispiel haben sich inzwischen als gar nicht so nachhaltig herausgestellt. Das Gleiche gilt für Energiesparlampen. 

Viele Design- oder Kunstmessen expandieren ins Ausland. Ist das auch für «neue räume» geplant 
S. Z.: Wir fänden eher eine Expansion gegen innen im Sinn einer «Zürich Design Week» spannend, gemeinsam mit «Design + Design», «blickfang» oder auch «Kreislauf 4 + 5». Zürich hat enormes Potenzial. Wir haben ein sehr designaffines Publikum, auch rund um die Stadt bis nach Winterthur, Rapperswil, Zug, Luzern oder Baden. Ein Vorbild wäre die Londoner Ausstellung «100% Design», die inzwischen sogar zweimal pro Jahr stattfindet. Mit der Aktion «neue räume in the city» versuchen wir ja bereits, die Ausstellung über branchenfremde Firmen in die Stadt hineinzutragen. In Köln oder in Mailand wird das bereits sehr erfolgreich gemacht. Zur Mailänder Möbelmesse kommen 700.000 Besucherinnen und Besucher, das sind mehr als zur Modewoche.

Also eine Veranstaltung à la Zürich Film Festival 
S. Z.: Genau. Das Interesse besteht. Es lohnt sich dann auch, für ein paar Tage hierher zu reisen. Im Gegensatz beispielsweise zu London ist Zürich ideal, weil hier alles sehr kompakt ist. Diese Chance wollen wir nutzen.

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