Ei­ge­ne Bau­ob­jek­te ver­läss­lich mit Best Prac­ti­ce ver­glei­chen

Wenn Daten das Öl sind, mit dem die heutige Welt geschmiert wird, so sind die Gebäudedaten in werk-material.online die Quelle dafür. Damit die Anwender aus den Zahlen und Kennwerten verlässliche Rückschlüsse auf das eigene Projekt ziehen können, müssen sie sich mit dem Rohstoff, dem «werk-material», auseinandersetzen. Wie das geht und welche Weiterentwicklungen geplant sind, erläutert der folgende Beitrag.

Publikationsdatum
25-08-2023
Urs Wiederkehr
Bauingenieur und Leiter des Fachbereichs Digitale Prozesse beim Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein SIA

Etwas Neues zu schaffen ist anspruchsvoll. Planerinnen und Planer im Umfeld des Bauens kennen das bestens. Kaum ist der erste Entwurf oder die erste Skizze da, folgen auch schon die Fragen: Was kostet es? Können wir uns auf diese Zahl verlassen? Können Sie das garantieren? Langjährig im Markt verankerte Planungsbüros sind im Vorteil: Sie können auf ihren Erfahrungsschatz, eigene ausgewertete Objekte, zugreifen.

Aber auch für alle anderen steht seit 2019 eine interessante Alternative bereit, die die detaillierte Einsicht in Daten von über 1'000 verschiedenen Bauwerken ermöglicht: werk-material.online. Träger der Web-Applikation sind die Zeitschrift «werk, bauen + wohnen» sowie CRB. Als Kooperationspartner sind das Bundesamt für Statistik BFS und der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein SIA dabei.

Das Lizenzieren von werk-material.online ist der erste Schritt für eine erfolgreiche Anwendung der hinterlegten Daten. Diese funktioniert aber nur, wenn mit dem «werk-material», wie der Name sagt, «gewerkt» wird – oder in anderen Worten: Wenn man sich mit diesem Datenrohstoff beschäftigt und ihn auf die eigenen Objekte differenziert anwendet.

Vorteile der Online-Version

Das «werk-material» ist seit 40 Jahren integraler Bestandteil von «werk, bauen + wohnen». Dank der Perforation der Datenblätter ist «werk-material» leicht herausnehmbar und für die Aufbewahrung geeignet. Jeden Monat folgen zwei weitere Datenblätter. Wer die publizierten Objekte über die Jahre verfolgt hat, erinnert sich bestimmt an das eine oder andere und könnte es in der Sammlung finden.

Wer aber heute, 2023, alle 800 Datenblätter auf einmal in gedruckter Form erhält, wird verständlicherweise überfordert sein, den Überblick zu finden und ihn auch zu behalten. Hier ist die digitale Form als werk-material.online praktikabler und effizienter. Dank einheitlicher Präsentationsstrukturen der Daten ist hier alles vergleich- und auffindbar macht.

Der Wert der Differenzen

Wie wäre eine Welt ohne Differenzen, also ohne Unterschiede zwischen den Dingen? Können Sie sich das vorstellen? Dieser Text wäre nicht lesbar, denn alles käme Farbton in Farbton daher. Aber auch Innovation, Verbesserung zu schaffen, wäre nicht möglich. Vergleichen wir Situationen in unserem Leben, dann basieren diverse Annehmlichkeiten gerade darauf, dass wir Unterscheidungen machen sowie nach differenzierten Kriterien bewerten und ordnen können. Seien es Sportwettkämpfe, Architekturwettbewerbe, Variantenvergleiche oder Verbesserungen in der Lebensqualität, ohne das Erkennen, Bewerten und Optimieren von Differenzen ginge das nicht.

Wider die Einsamkeit des Planers

Bei einem Bauprojekt ist der Planer am Anfang mit seiner Planungsaufgabe allein. Obwohl noch nicht bekannt ist, welche Ausprägungen das fertige Werk einmal haben wird, soll er bereits detaillierte Angaben machen können – zum Aussehen, zu verschiedenen Qualitäten und davon abhängig, insbesondere zu den Kosten. In der ersten genannten Zahl stecken einige Tücken, nicht umsonst spricht man vom «Fluch der ersten Zahl». Auf diese Zahl wird bestanden, sie ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen, obwohl sie vielleicht ohne Rückversicherung genannt oder vom Gegenüber erhascht worden ist. Eventuell hat auch Zeitdruck geherrscht oder die Planung war noch mit grossen Unsicherheiten behaftet.

Am einfachsten wäre in diesem Fall, hundertprozentig auf etwas Bestehendem und Bewährtem basieren zu können, dieses zu kopieren und der Bauherrschaft anzubieten. Verschiedene Gründe sprechen gegen diese Vorgehensweise, nicht nur rechtliche (Urheberrecht), auch das Vermeiden einer eintönig gebauten (Um-)Welt oder ganz persönliche, wie etwas aus der eigenen Kreativität zu schaffen.

Das konsequente Nachverfolgen von Unterschieden ist das Geheimnis einer erfolgreichen Anwendung von werk-material.online. Zuerst müssen diese Unterschiede aber beschrieben bzw. erkennbar sein.

Herausforderung beim Beschreiben

«Die Beschreibung der Welt ist nicht die Welt selbst – das ist eine Banalität, aber sie hat erhebliche Folgen», meint der deutsche Soziologe Armin Nassehi in seinem Buch «Unbehagen – Theorie der überforderten Gesellschaft». Zudem sei uns «… die Welt nur über Beschreibungen zugänglich, über ihre zeichenhafte Verdoppelung, …». Was beim Schreiben gilt, gilt selbstverständlich auch beim Sprechen: «Das Problem des Sprechens besteht darin, dass immer auch anders gesprochen werden kann …» und «… es kann nicht alles bezeichnet werden, schon gar nicht gleichzeitig».

Tritt diese Herausforderung schon beim Beschreiben der bestehenden Welt auf, akzentuiert sich das beim Beschreiben einer zukünftigen Welt, also der geplanten, bebauten Umwelt, erst recht oder bei der Umsetzung der SIA-Vision: «Gemeinsam wirkungsvoll für einen nachhaltig gestalteten Lebensraum». Alle Planenden bewegen sich von der Grundkonstellation aus in diesem Bereich. Ein Plan ist immer eine Vorstellung eines bestimmten Vorhabens, das verwirklicht werden soll, meint der Duden. Dabei kann sich der Plan immer wieder ändern und man nähert sich in auf Zwischenresultaten aufbauenden sich wiederholenden Schritten, also iterativ, dem endgültigen Resultat.

Grundstruktur

werk-material.online basiert auf einem standardisierten Raster, bei dem zu einer bestimmten Eigenschaft oder einem Attribut (z.B. «Raumprogramm») die objektspezifische Ausprägung als zugehöriger Wert angegeben ist. Zum Teil werden diese in Prosatext, andernorts in einzelnen Zahlen ausgedrückt. Gewisse Attribute können auch leer sein, z.B. weil der Wert nicht erhoben worden oder schlicht unbekannt ist. Schlussendlich ist dieser Mut zur Lücke für die Anwendung besser: Er führt zu mehr verfügbaren Objekten, als wenn nur diejenigen erfasst wären, die scheinbar vollständig sind.


Objektarten und Jahr der Erstellung
Objektart (Schulhaus, Mehrfamilienhaus, usw.) und Jahr der Erstellung sind wichtige Parameter, die rasch zu einer Einschränkung der Objekte führen – so lässt sich schnell Übersicht gewinnen. Bis zu vier ausgewählte Objekte können für den Projektvergleich übernommen werden.


Differenz über Informationen, u.a. zu SIA-Flächen und Energie
Unzählige Attribute ermöglichen das vertiefte Kennenlernen der Objekte, sei das die Auflistung der Projektbeteiligten oder die Auswertung der Kosten, z.B. nach BKP 2017. Dabei können auch Analysen gemacht werden: Die ausgewählten Objekte werden z.B. im gegenseitigen Vergleich als Punkt in einem Funktionsgraphen dargestellt. Sofort ist ersichtlich, ob es sich um einen Ausreisser handelt, der vermutlich für den Vergleich weniger geeignet ist. Ein anderes Vergleichsobjekt ist dann ratsam.

Die Anzahl der unterstützten Attribute wird laufend erweitert, so sind unterdessen die SIA-Mengen aus der Norm 416:2003 «Flächen und Volumen von Gebäuden» verfügbar (z.B. Grundstücksfläche GSF oder Geschossfläche GF).

Auch Analysen zur Energie sind möglich. Die entsprechenden Werte sind nach den etablierten SIA-Normen zur «Gebäudetechnik und Energie» berechnet worden. Die genauen Definitionen der Werte können über die Begriffsdatenbank SIATerm abgefragt werden. Dort ist der terminologische Gesamtbestand der vom SIA herausgegebenen Normen, Ordnungen und Merkblätter dokumentiert.


Differenz über Regionen und Zeitraum
Bis vor zwei Jahren hat die Teuerung in der Schweiz keine Rolle gespielt, so sind auch viele Kenntnisse über die Teuerungsberechnungen in Vergessenheit geraten. Die aktuelle Lage hat das geändert: Der halbjährlich vom BFS berechnete Baupreisindex (Baugewerbe: Total, ganze Schweiz) hat von 2010 bis 2020 um 2.4 % zugelegt, von 2020 bis 2022 aber um 12.7 %. Bei Betrachtung der Grossregionen ist sichtbar, dass auch hier grosse Unterschiede bestehen: Tessin plus 9.8 %, Nordwestschweiz plus 15.3 %. Es kann sich lohnen, die passende Grossregion auszuwählen, wie es in werk-material.online möglich ist, und diesen Unterschied zu prüfen.


Differenz über Bezugsgrösse
Die meisten Zahlen können als absolute Werte, aber auch relativ zu verschiedenen Bezugsgrössen wie Quadratmeter Geschossfläche oder Gebäudevolumen berechnet werden. Ein Kennwert ist das Verhältnis der Kosten zu einer Bezugsmenge (z.B. Kosten in CHF/m3 Gebäudevolumen). So können Objekte unterschiedlicher Grösse miteinander verglichen werden. Es ist aber Vorsicht geboten, denn ob alle Grössenordnungen linear hoch- und runter gerechnet werden können, ist von Fall zu Fall im Detail anzuschauen.


Differenz über detaillierte Berechnungselemente
Liegen zu einem bestimmten Zeitpunkt auch die detaillierten Berechnungselemente und ihre Mengen vor, so lassen sich die aktuellen Kosten abrufen. Für rund 100 Berechnungselemente erhebt das BFS diese Kostenkennwerte zweimal jährlich in den sieben Grossregionen der Schweiz. Diese werden aus Normpositionen hochgerechnet und nach der Struktur des elementbasierten Baukostenplans Hochbau eBKP-H abgebildet.


Aktualisierung der Daten von werk-material.online


Die Daten werden regelmässig angepasst und ergänzt:

  • Jeden Monat werden mindestens zwei neue und aktuelle Objekte zur Verfügung gestellt.
  • Das Bundesamt für Statistik BFS erhebt die aktuellen Kostenkennwerte von ausgewählten Berechnungselementen halbjährlich und veröffentlicht sie per Juni bzw. Dezember im Paket «BFS Kostenkennwerte für Berechnungselemente».
  • Alle Objekte sind an den halbjährlich berechneten Baupreisindex des BFS gekoppelt. Damit lassen sich die einzelnen Objekte auf das aktuelle Preisniveau der Schweiz oder einer der sieben schweizerischen Grossregionen (Genferseeregion, Espace Mittelland, Nordwestschweiz, Zürich, Ostschweiz, Zentralschweiz oder Tessin) umrechnen.

Somit sind alle Objekte mindestens kostenmässig up to date. Trotzdem sollte die Anwenderin oder der Anwender die entsprechende Vorsicht walten lassen, denn die Baupreisindizes sind gewichtete Werte aus Erhebungen und bilden nicht detailgetreu die wirkliche Teuerungssituation beim Einzelobjekt ab.

Kontinuierliche Erweiterung von werk-material.online

Zurzeit werden verschiedene Überlegungen angestellt, wie das Werkzeug erweitert werden könnte:

  • Die Anzahl der verfügbaren Objekte soll erhöht werden. Eine Früherkennung von interessanten Objekten wäre bei der SIA-Programmbegutachtung bezüglich Konformität mit den sich aktuell in Revision befindenden SIA-Ordnungen 142:2009 «Ordnung für Architektur- und Ingenieurwettbewerbe» bzw. 143:2009 «Ordnung für Architektur- und Ingenieurstudienaufträge» möglich. Je nach Bedeutung des Objekts und der Einwilligung der Stakeholder könnten diese publizistisch begleitet werden. Daraus verspricht sich das Projektteam lückenlosere Daten und somit einen Mehrwert bei der Anwendung.
  • Während des Projektablaufs fliessen neue Erkenntnisse, neue Rahmenbedingungen und auch neue Randbedingungen ein. Diese neuen Voraussetzungen können dazu führen, dass ein entsprechendes Objekt gegenüber der ersten Idee grundlegende Änderungen erfährt, die von entscheidender Bedeutung sind. Leider sind solche Schritte schlecht dokumentiert. Würden Projektdaten, auch unvollständige, regelmässig archiviert, könnten daraus interessante Lehren gezogen werden, bis hin zur Denkmalpflege.

Fazit

werk-material.online ist ein umfassendes Werkzeug, um Zahlen und Kennwerte von diversen Objektarten zu erhalten. Die Anwendung ist ein abwechslungsweises Erkennen, Analysieren und sorgfältiges Abwägen von Unterschieden zwischen den Referenzobjekten und dem eigenen Objekt. Mit der zielgerichteten Anwendung liegt am Schluss ein Beleg vor, also ein nachverfolgbarer Nachweis der gemachten Aussagen.

Ob ein festgestellter Unterschied auch beim eigenen Objekt entscheidend für die Kostenwahrheit ist, muss jeweils kontrolliert werden. Damit lässt sich die Wahl der Kennwerte gegenüber dem Auftraggeber und den anderen Stakeholdern begründen. Die absolute Zahlensicherheit liefert auch werk-material.online nicht. Es gibt aber eine Leitlinie vor und schränkt wie eine Leitplanke die möglichen Werte ein. Diese Referenz zur Best Practice wirkt vertrauensbildend. Sie basiert auf dem, was andere tun und ermöglicht eine Rückverfolgung der Daten bis zu ihrer Quelle. Das fördert die Diskussion und ermöglicht Verbesserungen.

Auf jeden Fall lohnt es sich, mit dem Einsatz von werk-material.online zu starten. Wie bei allen interaktiven Tools wird die Anwendungssicherheit mit jeder Nutzung gestärkt, sodass es beim nächsten Mal leichter geht. Nur durch wiederholtes Anwenden und damit praxisbezogenem Lernen kann der Expertenstatus erreicht werden.

Angebot von material.werk.online

 

PAKET 1: Objektarten werk-material.online

 

Beinhaltet mehr als 1'000 nach BKP und eBKP abgerechnete Objekte. Die einheitlich definierten Kennwerte helfen bei der Analyse, der Berechnung und dem Vergleich von Baukosten. Aus den weiteren Informationen können wertvolle Erkenntnisse für eigene Bauobjekte generiert werden.

 

Zielpublikum: Planer, die in frühen Projektphasen Informationen, nicht nur Kosten, über interessante realisierte Hochbauten für ihre Überlegungen verwenden möchten.

 

Beteiligte: Redaktion «werk, bauen + wohnen» sowie CRB als Betreiber der Plattform.

 

Jährliche Nutzungsgebühr:  500.– Franken plus MWST

 

PAKET 2: BFS Kostenkennwerte für Berechnungselemente

Die durchschnittlichen Kostenkennwerte sind für ca. 100 Berechnungselemente des Hochbaus erhältlich (halbjährliche Updates im Juni und Dezember). Sie bieten den Schweizer Planern repräsentative Grundlagen zum Preisniveau der jeweiligen regionalen Märkte und unterstützen sie damit bei der Kalkulation ihrer Objekte.

 

Zielpublikum: Planer, die ihre Objekte mit verlässlichen Kostenkennwerten zu den Berechnungselementen nach eBKP-H 2020 (oder 2012) berechnen möchten.

 

Beteiligte: Die Daten werden vom Bundesamt für Statistik BFS produziert und von CRB zur Verfügung gestellt.

 

Jährliche Nutzungsgebühr:  500.– Franken plus MWST

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