Die Kunst, für Kunst zu bau­en

Editorial

Publikationsdatum
03-11-2016
Revision
04-11-2016

Es ist eine der schönsten Bauaufgaben: Der Museumsbau vereint differenzierte räumliche Ansprüche mit hochfunktionaler Architektur, die aber der Kunst den grossen Auftritt überlässt – im besten Fall. Handelt es sich um die Erweiterung eines etablierten Hauses, vervielfacht sich die Thematik um die Verbindung von Alt und Neu. Dazu kommt die Bedeutung einer solchen Institution für die jeweilige Stadt und ihre Menschen.
In TEC21 33–34/2016 zeigten wir die Erweiterungen der Kunstmuseen in Basel und Chur; nun präsentieren wir zwei internationale Beispiele: die Erweiterung der Tate Modern in London und die Ergänzung des Mu­seums Unterlinden in ­Colmar, beide von ­Herzog & de Meuron. Unterschiedlicher, meint man auf den ersten Blick, könnten die Projekte kaum sein. Der erste Umbau der Tate Gallery of Modern Art im Jahr 2000 setzte das Basler Architekturbüro ebenso wie die Tate ­Modern auf die internationale Landkarte. Das Museum Unterlinden im elsässischen Colmar hingegen beherbergt die Renaissance-­Kostbarkeit des Isenheimer Altars und hat ansonsten eine eher regionale Ausstrahlung.
Und doch ähneln sich die Projekte in vielem: Beide überzeugen durch den gelungenen städtebau­lichen Ansatz, schaffen Öffentlichkeit an einem Ort, der vorher brach lag. Beide arbeiten mit Backstein, einem Material, das lang als «démodé» galt, das jedoch in dieser gekonnten Ausführung an beiden Orten Sinn ergibt. Und während sich die Tate Modern durch die virtuosen Begegnungs­räume im Innern auszeichnet, überzeugt am Museum Unterlinden der augenzwinkernde Umgang mit der Historie.

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