BIG: Bun­ker-Mu­se­um in den Dü­nen Jüt­lands

Die Anziehungskraft des neuen Tirpitz-Museums liegt im spannungsvollen Kontrast zwischen Alt- und Neubau. Es entstand ein «unsichtbares Museum».

Publikationsdatum
14-01-2018
Revision
15-01-2018

Blåvand im dänischen Jütland besteht neben Sandstrand, Dünen und Leuchtturm vornehmlich aus Souvenirläden, Ferienhäusern, Supermärkten und Restaurants. Angrenzend an Nordsee und Naturpark hat nun die Bjarke Ingels Group (BIG) neben einem deutschen Wehrmachtsbunker eine einzigartige Mischung aus Land Art, Kultur- und Geschichtszeugnis gebaut. Während der Bunker am dänischen Nordseestrand eine unübersehbare Präsenz besitzt, zielte BIG auf das genaue Gegenteil. Die Kopenhagener Architekten wollten den Erweiterungsbau möglichst unauffällig erscheinen lassen und entschlossen sich, das Museum einfach einzugraben. Tatsächlich kam ein «unsichtbares Museum» heraus – laut Bjarke Ingels eine «Antithese zum Wehrmachtsbunker». Ingels spricht von «Einschnitten», die er in die Dünenlandschaft getrieben hat. Es sind die zueinander leicht versetzten Linien eines Kreuzes, die sich im Kreuzungspunkt zu einer «Lichtung» vereinen, einem Patio, der jedem Besucher oder Nichtbesucher offen steht. Die vier Einschnitte wurden, analog zur Bunkerarchitektur, als Rampen entworfen, die zu einem offenen Platz führen. Von dort werden die Museumsbesucher weiter in die jeweiligen Galerieräume geleitet. 

BIG gelang es, durch eine reduzierte Materialpalette das Atmosphärische der Architektur zu steigern. Das Entree besteht einfach aus einer Stahlbrücke, die über eine schräg verlaufende Stahltreppe hinab in die Galeriebereiche führt. Das hat etwas von expressionistischer, auf Sur­prise setzender Filmarchitektur. 

Der Tirpitz-Granatbunker, der erst im September 1945 fertig gestellt werden sollte, bleibt wohl für immer unvollendet. Wer den lichten Erweiterungsbau hinter sich lässt und den unterirdischen Tunnel durchquert, gelangt plötzlichm in eine andere Welt: Hier ist alles dunkel, stickig, feucht und beklemmend. Ein Ort, absolut nah und doch so fern von den sommerlichen Strandfreuden. 
 

Weitere Artikel zu Museumsbauten finden Sie in unserem E-Dossier.

Am Bau Beteiligte
 

Bauherrschaft
Vardemuseerne (DK)
 

Architektur
BIG Bjarke Ingels Group, Valby, Kopenhagen (DK), New York
 

Bauingenieure Tragwerkskonzept,
Ausführungsplanung der vorgespannten Decken und der Haupttragwände
Dr. Lüchinger+Meyer, Zürich
 

Bauingenieure vor Ort
Johansson & Kalstrup, Varde/DK

Verwandte Beiträge