Be­arth & De­pla­zes Ar­chi­tek­ten: Neu­bau in Mer­gos­cia

Festung gegen die Hässlichkeit

Publikationsdatum
16-12-2015
Revision
17-12-2015

In Mergoscia, hoch über dem Verzasca-Stausee und inmitten einer atemberaubenden Landschaft, hat ein Paar aus Bern den Ort gefunden, an dem es seine Ferien, wenn nicht sogar seinen Ruhestand verbringen möchte. Beim Neubau in Mergoscia kombinierte Valentin Bearth von Bearth & Deplazes Architekten die Konzepte «Haus» und «Panorama» so, dass den Bewohnern der Eindruck vermittelt wird, die ersten und einzigen Einwohner des kleinen Tessiner Dorfs zu sein. Die Szenerie wird dadurch so beeindruckend, dass man sich wie in eine fremde Welt versetzt fühlt. Andere Gebäude sind nicht zu sehen – ausser vielleicht in weiter Ferne die Silhouette von Mario Bottas Kapelle Santa Maria degli Angeli auf dem Monte Tamaro.

Um dieses Szenario zu kreieren, war ein Kraftakt nötig, bei dem der Platz für das Haus regelrecht aus dem Hang herausgebrochen wurde. Durch die aus der talseitigen Bruchsteinmauer ausgeschnittene Öffnung gelangt man auf eine schmale Treppe aus glattem Sichtbeton, die hinauf zum Haus führt. Von oben fällt Licht in den Treppenschacht, das den Besucher hinauf leitet und schliesslich fast blendet, wenn er auf die riesige Terrasse heraustritt.

Das Wohnhaus selbst steht am anderen Ende der Terrasse wie eine Stützmauer im Fels. Die einzige Fassade des Hauses wird zu beiden Seiten von dreieckigen Betonmauern flankiert, die den Hang stützen. Der so geschaffene Raum ist voll und ganz auf die spektakuläre Aussicht ausgerichtet.

Auch die Innenräume sind vom Beton geprägt und wirken minimalistisch. Der grosse Hauptraum beinhaltet die Küche mit einer Insel und einer langen Tafel sowie das Wohnzimmer, das hauptsächlich durch eine Sitznische in der Wand gebildet wird – ein Ort, wo man lesen, Musik hören oder einfach die Landschaft betrachten kann. Auch das Cheminée ist in die Wohnzimmerwand eingelassen. Ein Zimmer für die Gäste und ein Badezimmer runden das Programm im Erdgeschoss ab.

Über eine enge, hohe Treppe gelangt man ins Obergeschoss. Nur durch ein Oberlicht fällt Tageslicht in den schmalen Raum, und man wird sich bewusst, wie tief das Gebäude in den Berg gegraben wurde. Im Obergeschoss befindet sich das geräumige Schlafzimmer der Besitzer mit einer hohen, geneigten Decke und französischen Fenstern.

Die Wahl der Materialien wurde von den örtlichen Gegebenheiten beeinflusst, denn alles musste auf dem engen Strässchen transportiert werden, das von der Ebene nach Mergoscia führt. Sowohl aussen als auch innen Beton zu verwenden, der vor Ort hergestellt wurde, war die einzige Möglichkeit, den Bau zu realisieren. Ein einfacher Betonmischer und lokale Handwerker schafften ein kleines Wunder. Die ­Bodenbeläge sind aus Gneis aus dem Onsernone-Tal gefertigt, die Bäder aus Peccia-Marmor. Diese hochwertigen Materialien schaffen einen Kontrast zur Rohheit des Betons.

Der Weinberg, der das Haus umgibt, wurde zum Teil bewahrt – auf Wunsch der Bauherrschaft, die mit den neu gepflanzten Weinstöcken ihren ­eigenen Wein herstellen kann.

Dieser Text zu Tessiner Ferienhäusern erschien zuerst in Archi 1/2015 «Vacanze sudalpine», Februar 2015. Dort finden sich auch weitere Artikel zum Thema.

Am Bau Beteiligte


Bauherrschaft
privat


Projektleitung
F. Testa


Bauingenieur
Bonalumi Monotti Ingegneri, Alessandro Bonalumi


Bauleitung
Ennio Maggetti, Minusio


HLKS-Ingenieure
Tecnoprogetti SA, Werner Biral, Thomas Lasikowski, Semih Coskun


Vermessung
Studio Ingegneria Barudoni, Muralto, Antonio Barudoni

Magazine

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