Vom raffinierten Bauklotz bis zum Klang von Keramik

Ausstellung «Bestform» und Berner Design Preis 2017

Hella Schindel Architektur, Redaktorin TEC21

Angewandte Kunst hat im Kanton Bern eine lange Tradition. Im weiten Feld zwischen Holzschnitzerei und Typografie tummeln sich hier Designerinnen und Gestalter jeglicher Couleur. Die Berner Design Stiftung, deren Sammlung auf die 1869 begründete Muster- und Modellsammlung des Bernischen Handels- und Industrievereins sowie des Handwerker- und Gewerbevereins zurückgeht, würdigt deren Schaffen alljährlich mit Preisen und der Ausstellung «Bestform».

Dieses Jahr erhalten Susi und Ueli Berger den Hauptpreis für ihre unkonventionellen Möbelentwürfe, die seit den 1960er-Jahren bis 2008 entstanden sind. Insbesondere der «Schubladenstapel» von 1981 hat es zu einiger Berühmtheit gebracht und wird noch heute produziert. Ein Teil des Preisgelds ist zur Weitergabe bestimmt. Susi Bergers Wahl fiel auf die Modedesignerin Sabine Portenier, deren Kollektionen in vollem Umfang in Thun hergestellt werden. Als Pendant dazu sind die vielschichtigen Entwürfe von Sandra Lemp zu sehen, die ihren Reiz aus einer Kombination von Lederteilen und zart plissierten Stoffen beziehen. Zu dieser Kollektion wurde sie während ihres New-York-Aufenthalts inspiriert, für den sie vergangenes Jahr von der Berner Design Stiftung ein Stipendium erhalten hat.

Auch im grafischen Bereich gibt es einige Entdeckungen zu machen, zum Beispiel die Verwebung amerikanischer Schriften mit den Klassikern der Schweizer Typografie zu einer neuen Type durch Noël Leu. Eine Auswahl von Sammlungsobjekten ergänzt die Ausstellung und zeigt gleichzeitig eine Schwäche auf: Kreisen die Preise und Stipendien doch häufig um wiederkehrende oder bereits bekannte Protagonisten. Ob jung oder alt: Ein paar neue Gesichter wären erfrischend!
 

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