Testplanung klybeckplus Basel

Im Mai 2016 teilten BASF und Novartis mit, dass sie ihre Werkgebiete im Norden von Basel nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt benötigen. In der Folge unterzeichneten die Konzerne mit dem Kanton Basel-Stadt eine Planungsvereinbarung für die Entwicklung des Areals. Seit Ende Juni liegen die ersten konkreten Vorschläge vor.

Katharina Marchal Architektin und Fachjournalistin

Beim Projekt klybeckplus handelt es sich um ein unerschlossenes Gebiet, ähnlich wie zuvor das Dreispitzareal im Süden der Stadt. Das rund 40 Fussballfelder grosse Areal zwischen Rhein und dem Flüsschen Wiese ist die grösste zusammenhängende Entwicklungsfläche der Stadt überhaupt und eröffnet gemäss Kantonsbaumeister Beat Aeberhard «eine echte Chance für diese – zumal in Verbindung mit dem angrenzenden trinationalen Entwicklungsprojekt 3Land um den Hafen Kleinhüningen» (vgl. TEC21 20/2016 und TEC21 42/2016). Bis dato bildet die Industriebrache eine Barriere zwischen den Stadtteilen Klybeck, Horburg und Matthäus.

Die Planungsvereinbarung zwischen Grundeigentümer und Kanton sieht Gebiete mit einer Mischung von Wohnen, Arbeit, Freizeit und Kultur vor. Ziel ist es, ein neues, zusammenhängendes Stück Stadt mit eigener Identität zu gestalten und ein in sich verdichtetes Quartier mit öffentlichen Räumen zu schaffen. Wohnen soll in unterschiedlichen Segmenten möglich sein. Rund ein Sechstel des Areals soll künftig von Wirtschaft und Gewerbe genutzt werden; damit soll ein Teil der starken Nachfrage nach innenstädtischen Gewerbeflächen befriedigt werden.

Innerhalb des Industrieareals können einzelne Entwicklungen schon jetzt in Gang gesetzt werden. Auf den kontaminierten Bereichen wird die Umsetzung jedoch voraussichtlich einige Jahrzehnte dauern.

Vier eingeladene Planungsteams haben zusammen mit Landschaftsarchitekten und Verkehrsplanern dafür Szenarien entwickelt: das Team AS+P, Frankfurt am Main, mit Atelier Loidl, Berlin; das Team Prof. Hans Kollhoff, ebenfalls aus Berlin; aus Basel Team Diener & Diener mit Vogt Landschaftsarchitekten + Gruner AG sowie aus Rotterdam das Team OMA.

Eine städtebauliche Verdichtung und Akzente von Hochhäusern sind in allen Projekten wiederzufinden. Das Team Diener markiert mit drei Hochhaustürmen den neuen zentralen Klybeckplatz, der die Quartiere als begrünte Begegnungszone verbindet und einen Verkehrsknotenpunkt mit Tram- und S-Bahn-Haltestellen bildet. Während zwischen Wiese und Klybeckplatz eine lebendige «Industriestrasse» zum Wohnen und Arbeiten geplant ist, soll die Maurerstrasse als grüne Achse und Ökokorridor zwischen Rhein und Wiese verkehrsfrei bleiben. Historische Industriebauten bleiben möglichst erhalten und werden nur sukzessive ersetzt. 

Das Team Kollhoff schlägt eine im Verhältnis gleichmässigere Bebauung und Verdichtung vor. Die klassische Blockrandbebauung, wie man sie im Matthäusquartier findet, wird hier weitergeführt. Eine Gruppe von Hochhäusern umkränzt einen sternförmigen Platz, der vor allem als Verkehrskreisel dient. In der traditionellen Stadtstruktur dominieren zwei grossflächige Naturräume: ein ausgedehnter Bootshafen, der vom Rhein bis zur Klybeckstrasse reicht, und der Horburgpark, dessen Fläche beinahe verdoppelt werden soll.

Viel moderner und visionärer liest sich das Projekt von Team OMA. Ein in Modell und Plan farblich hervorgehobenes «Kulturband», das von der Mitte der Wiese bis zum Rhein reicht, bildet das Zentrum für öffentliche, soziale und kulturelle Nutzungen. Gleich einem Rückgrat entlang der Maurerstrasse löst es die Trennwirkung zwischen dem Klybeck- und Matthäusquartier auf. Auf dem Band sind fünf Turmhäuser um einen grosszügigen Aussenraum platziert. Um den Horburgpark dominieren Blockrandbebauungen. Entlang der Wiese schlägt das niederländische Team eine langgezogene Streusiedlung mit kleinen Wohnhäusern vor. Entlang des Rheins und im Süden bei der Dreirosenbrücke bildet ein Band aus Solitärbauten einen Industriecluster.

Fast schon radikal geht das Planerteam von AS+P aus Frankfurt mit dem Bestand um. In seinem Konzept bleiben mehr oder weniger nur die Bauten erhalten, die auf der Inventarliste des Denkmalschutzes stehen, dazu jene, die Novartis am Rhein weiter nutzen will. Am Kopf der der Dreirosenbrücke ist ein stark verdichteter Hochhauscluster vorgesehen, während im Norden wiederum auf traditionelle Blockrandbebauungen gesetzt wird. Der Horburgpark soll um ein Drittel vergrössert werden und an eine neue Markthalle angrenzen.

Aussergewöhnlich an der Vorgehensweise der Planung ist das kooperative Planungsverfahren, das von Anfang die Bevölkerung miteinbezieht – es liegt somit nicht nur in der Hand der Grundeigentümer BASF, Novartis und der Stadt Basel.

Anregungen der Beteiligten werden im nächsten Schritt aufgenommen und in der kurzen Synthesephase eingearbeitet. Am 19. September wird der Entwurf an einer dritten Beteiligungsveranstaltung diskutiert. Ein Stadtteilrichtplan soll bis 2018 vollendet sein.
 

Stadt im Umbruch: Die Messe expandiert, die IBA Basel 2020 übt die trinationale Zusammenarbeit, der Hafen ist im Wandel, Neubauten werden errichtet, Grenzen übergreifende Projekte werden realisiert und die Verkehrsinfrastruktur ausgebaut.
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