Neue Saiten aufziehen

Vorgeschichte zum Bauprojekt Universität Luzern
Anfang September 2011, rechtzeitig vor Beginn des Herbstsemesters, werden nach fünfjähriger Bauzeit die neuen Räume der Universität Luzern bezogen. Nach einer wechselvollen Vorgeschichte kann sich die junge Hochschule nun im umgebauten ehemaligen Postbetriebsgebäude hinter dem Kunst- und Kongresshaus Luzern (KKL) in einem grosszügigen und inspirierenden ­architektonischen Umfeld entfalten.

Aldo Rota Werkstoffingenieur ETH/SIA

Die Bildungsinstitution existiert in der heutigen Form erst seit einem Jahrzehnt: Obwohl ihre historischen Wurzeln als theologische Schule bis ins Jahr 1600 zurückreichen, ist die Uni­versität Luzern die jüngste Schweizer Universität; ihre Gründung erfolgte erst nach der ­Annahme des Universitätsgesetzes im Kanton Luzern im Jahr 2000. Die schweizerische ­Anerkennung durch den Bundesrat folgte 2005. Als Vorläuferinstitutionen bestanden bereits die theologische Fakultät, die 1970 die akademischen Gradrechte erhielt, und seit 1993 die geisteswissenschaftliche Fakultät. Bedingt durch die kurze Entstehungsgeschichte, die Herkunft aus verschiedenen Institu­tionen und die kleinen Anfangsbestände waren die Schulräume der jungen Universität auf 16 Standorte in Luzern verteilt, ein universitäres Zentrum fehlte. Von Anfang an war daher beabsichtigt, die neu gegründete Universität in einem repräsentativen Gebäude zusammenzufassen und zu beheimaten. Ursprünglich war dafür ein Neubau am Kasernenplatz, in der Nähe des Historischen und des Naturhistorischen Museums, vorgesehen. Für die Planung des neuen Universitätsgebäudes, das bereits 2008 hätte eröffnet werden sollen, wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, in dem der Entwurf des Zürcher Architekten Valerio Olgiati den ersten Rang belegte. Sowohl der als peripher kritisierte Standort als auch die Durchführung des Wettbewerbs und das ausgewählte Projekt waren aber heftig umstritten und führten in der Folge zu langwierigen Auseinandersetzungen, denen das Verwaltungsgericht Luzern Anfang 2004 ein Ende setzte, indem es den Entscheid der Wettbewerbsjury aufhob (vgl. TEC21, 44/2003, S. 20; TEC21, 48/2003, S. 24; s. Download Dokumente). Nach dem Debakel um den Wettbewerb war es ein Wink des Schicksals, dass die Post ihr Betriebsgebäude an der Frohburgstrasse neben dem Bahnhof bis auf eine Poststelle aufzugeben gedachte, weil sie beabsichtigte, das Verteilzentrum in Härkingen zu konzentrieren.

Da capo in der alten Post

Die verschiedenen Institute der Universität Luzern sowie rund die Hälfte des Raumbedarfs der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz in unmittelbarer Bahnhofsnähe zu vereinen, eröffnete einen idealen Ausweg aus dem Dilemma: Der Entscheid, die Luzerner Hochschulen und die angegliederte Zentralschweizer Hochschulbibliothek (ZHB) im frei werdenden Postbetriebsgebäude an der Frohburgstrasse unterzubringen, fiel deshalb noch im selben Jahr – nicht, ohne auch noch 21 weitere Standorte geprüft zu haben. Die Post überliess den Bau dem Kanton für 45 Millionen Franken. 2005 wurde ein Wettbewerb für die Umnutzung des Postbetriebsgebäudes durchgeführt. ­­Zu dessen optimaler verkehrstechnischen Lage gesellten sich die exzellente Qualität der Bausubstanz und das enorme Flächenangebot: Auf sechs Geschossen liessen sich nun knapp 23 000 m2 Nutzfläche realisieren. Seit dem ersten Anlauf waren die Studierendenzahlen nämlich förmlich explodiert: Im Jahr 2000 rechnete der Kanton Luzern mit ­900 Studierenden (ausbaubar auf 1200 bzw. 1500) und kalkulierte für den Bau am Kasernenplatz 55 bis 65 Millionen Franken. 2005 waren es rund 1600. 2012 werden 2000 bis 2600 Personen an der Universität Luzern studieren (ohne PHZ). Eine zentrale Herausforderung war die Neugestaltung der Fassade; die lieblose Industrie­architektur des Postbetriebsgebäudes passte weder zu den Ansprüchen nach Repräsen­tation der Universität noch zur Dominanz des benachbarten KKL. Das siegreiche Projekt der Zürcher Architekten Enzmann + Fischer legt denn auch besonderen Wert auf eine eigenständige Fassadenarchitektur. Bereits im folgenden Jahr 2006 stimmte das Luzerner Stimmvolk dem Projekt von Enzmann + Fischer Architekten zu, und die Baubewilligung wurde im Herbst 2007 erteilt. Die Rückbau- und Umbauarbeiten begannen im Dezember 2007 im 2. Unter­geschoss, zuerst bei noch laufendem Postbetrieb; mit der Montage der neuen Fassaden wurde im Mai 2009 begonnen. Die verbleibende, neu gestaltete Poststelle im ­Erdgeschoss nahm ihren Betrieb bereits Ende 2009 wieder auf. Im Juni des aktuellen Jahres konnten die Umbauarbeiten termingerecht abgeschlossen werden. Gegenwärtig ist der ­Umzug der Universität und der PHZ in ihre neuen Räume an der Frohburgstrasse im Gange. Das Umzugsvolumen umfasst allein für die Universität rund 24 000 m3.

Zahlen und Fakten

Finanzierung Kredit: 143.5 Mio. Fr. (davon ca. 110 Mio. Fr. für UNI), bewilligt an der Volksabstimmung 2006 mit 81 % Ja-Stimmen
Finanzierungsbeiträge: - Bundessubventionen ?ca. 49 Mio. Fr. (53 % nach altem Schlüssel,nur aufwandbestimmende Baukosten
[ohne Nebenkosten, Landerwerb, Honorare], also ohne den Erwerb des Postgebäudes, der mit rund 45 Mio. Fr. veranschlagt wurde)
- Albert Koechlin Stiftung 15 Mio. Fr.
- Stadt Luzern 8 Mio. Fr.
- Kanton Luzern für UNI ca. 38 Mio. Fr. und für PHZ ca. 33 Mio. Fr.
Baukosten (Stand August 2011)Total 154 000 000 Fr.
BKP 2 1905 Fr./m2
BKP 2 485 Fr./m3
BKP 2+3 2012 Fr./m2
BKP 2+3 512 Fr./m3
BKP 1–8 2259 Fr./m2
BKP 1–8 575 Fr./m3
ZeitplanStandortwahl 2004
Wettbewerb 2005
Volksabstimmung 2006
Baubeginn 2. UG Dezember 2007
Auszug Post bis September 2008
Umbau Oktober 2008 bis Juni 2011
Umzug Juli / August 2011
Semesterstart PHZ 12. September 2011, Universität 19. September 2011  
FlächenHauptnutzfläche ca. 23 000 m2, davon
– UNI ca. 14 000 m2 (inkl. Anteil ZHB)
– PHZ 4500 m2 (inkl. Anteil ZHB)
– Rest UNI und PHZ (Mensa, Foyer etc.)
BibliothekLeseplätze ca. 650
Bücherstellplätze UNI ca. 220 000

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