Hö­her woh­nen in der Sch­weiz

Die aktuellen Schweizer Hochhausprojekte widerspiegeln die Strategie der wachsenden Schweiz, auf bestehendem Bauland zu verdichten. Die hier versammelten Projekte – alle ab 2025 fertiggestellt oder begonnen – geben einen Überblick über die gegenwärtigen Tendenzen.

Data di pubblicazione
28-09-2026

Auf die wachsende Schweizer Bevölkerung reagieren Bauherrschaften im Umfeld grösserer Städte – ob staatlich, gemeinwohlorientiert oder privatwirtschaftlich – heute wieder vermehrt mit dem Bau von Wohnhochhäusern. Um auf dem knappen städtischen Boden neuen Wohnraum zu erstellen, der den heutigen Komfort- und Raumbedürfnissen entspricht, nehmen sie die höheren Erstellungskosten pro Quadratmeter auf sich (siehe Collage 6/22). Denn je höher ein Gebäude wird, desto höher werden die Kosten für Tragstruktur, Fassade, Sicherheitsanforderungen und Haustechnik pro Quadratmeter. Zudem verringert die höhenbedingte Zusatzinfrastruktur die Wohnfläche pro Geschoss gegenüber niedrigeren Gebäuden. Beides sind Treiber für höhere Marktmieten in dieser Gebäude­typologie. Nur bei genossenschaftlichen oder städtischen Projekten, bei denen der Boden der Spekulation entzogen ist, spiegelt sich dessen Wertsteigerung nicht in den (Kosten-) Mieten wider, wie beispielsweise bei der Wohnsiedlung Letzi oder dem Hochhaus auf dem Koch-Quartier in Zürich. Gleich ist allen Hochhäusern, dass die Preise mit jedem Geschoss ansteigen – sowohl die Kosten- und Marktmieten als auch die Preise für Wohneigentum.

Weitere Beiträge zum Thema Hochhäuser finden Sie in unserem digitalen Dossier.

Die Hochhäuser – in unserer Analyse solche ab 60 m Höhe – erlauben eine hohe Verdichtung auf wenig Boden und sind besonders in Metropolregionen wie Zürich, Genf oder Lausanne vertreten. Sie entstehen aktuell an Orten, die verkehrsmässig gut erschlossen sind. Eine Bedingung für ihren Bau ist, dass es entweder potenzielle Mieter und Mieterinnen gibt, die höhere Marktmieten zahlen können, oder günstiges Wohnen in Hochhäusern von der öffentlichen Hand oder gemeinnützigen Organisationen getragen wird. 

Doch diese markanten Gebäude stechen ins Auge und sorgen für Kontroversen. Sie rufen Fragen nach Sozialverträglichkeit und Ökologie hervor, die man nicht pauschal beantworten kann, sondern bei jedem Projekt eigenständig beurteilen muss. Darum versammeln wir hier – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – eine Auswahl von Hochhäusern, die ab 2025 fertiggestellt oder begonnen wurden, um die unterschiedlichen Gebäude, deren Abmessungen, Nutzungen und Kontexte vergleichen zu können.

Die Hochhäuser sind entweder als Punkthochhäuser, wie zum Beispiel der Alto Tower in Zürich, als Doppelhochhäuser wie die Wohntürme der Pilatusarena oder als Teil eines grösseren Ensembles wie das Central Malley oder das Zwhatt­areal konzipiert. Die meisten haben eine Sockelnutzung mit Gewerbe und eher wenig öffentliche oder gemeinschaftliche Räume. In der Auswahl ist auch ein Hochhausumbau: das Oerlikon One in Zürich. Das ehemalige Hotel ist nun zu einem Wohnhaus mit Hotelnutzung transformiert worden. Es erinnert an den Hochhausboom in den 1970er- und 1980er-Jahren, der sich besonders in der Deutschschweiz entwickelte. 

Heute hingegen boomt der Hochhausbau in der Romandie ebenso wie in der Deutschschweiz. Auffällig ist, dass im Tessin aktuell keine Hochhausprojekte in dieser Kategorie entstehen. Der demografische Wandel mit dem geringsten Bevölkerungswachstum der Schweiz und sogar prognostizierter Abwanderung gibt Aufschluss darüber, dass der Druck auf dem Wohnungsmarkt dort nicht so stark ist wie nördlich der Alpen. Aus dieser Perspektive erscheinen die aktuellen Hochhausprojekte in der Schweiz zwar nicht so symbolhaft wie jene in Dubai oder New York, aber sie weisen ebenfalls auf regionale, wirtschaftliche Potenz hin.

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