«An­de­re Ab­tei­lun­gen lan­cier­ten früh neue Ideen»

Leserbrief

Aus unserer Leserschaft: Kommentar zu espazium magazin 8/2026, «Wollen wir zusammen waschen?»

Data di pubblicazione
23-06-2026

Ich habe den Beitrag mit Interesse gelesen. Ich möchte hier einige Persönlichkeiten hinzufügen, die ausserhalb des Departements Architektur das Thema Nachhaltigkeit an der ETH Zürich trotz institutioneller Widerstände früh geprägt haben:

Pierre Fornallaz, 1924–2011, Prof. für Feintechnik, Solarpionier, gemäss Wikipedia organisierte er schon 1973 an der ETH Zürich ein Symposium «Technik für oder gegen den Menschen», unter anderem nach den Ideen des Ökonomen Ernst Friedrich Schumacher, Mitbegründer der Schweizerischen Vereinigung für Sonnenenergie (1974) und der Schweizerischen Energie-Stiftung (1976). Er verliess die ETH früh nach Widerständen gegen seine Ideen. 

Theo Ginsburg, 1926–1993, Dozent für numerische Mathematik, interessiert an Wachstumsmodellen und Umweltsimulationen, profilierter Exponent des Wandels hin zu einer kritischen Haltung gegenüber Atomkraftwerken. Co-Autor der wissenschaftlichen Publikationen «NAWU-Report, Wege aus der Wohlstandsfalle» 1978 (Hans Christoph Binswanger, Werner Geissberger und Theo Ginsburg) und «Jenseits der Sachzwänge» 1978 (Hans Christoph Binswanger, Samuel Mauch, Elmar Ledergerber, Theo Ginsburg, et al.), die sich mit der ökologischen und ökonomischen Zukunft der Schweiz beschäftigten. 

Miklos Kiss, 1934–2025, Maschineningenieur, Elektrowatt Ingenieurunternehmen, Dozent bei den Maschinenbauern über Energieeffizienz und Gebäudetechnik. Mitverfasser der SIA 380/1 von 1979, Empfehlung Energie im Hochbau. Massgebender Ingenieur für effiziente Gebäudetechnik im Ravel-Programm der 90er-Jahre des Bundesamtes für Konjunkturfragen.

Ich selbst habe im Seminar von Miklos Kiss in den 80er-Jahren, aufgrund meiner Erfahrung als Mitbegründer der Arbeitsgruppe PLENAR (Planung-Energie-Architektur) von 1973 bis 1980 und der Sanierung der Wohnkolonie Limmatstrasse 1978–1980, mehrere Vorträge über energiegerechtes Bauen gehalten.

Eine wichtige Rolle spielte auch die EMPA Dübendorf, wo mit dem Abteilungsleiter Ralph Saggelsdorff, 1929–2000, bis 1992 Dozent für Bauphysik an der ETHZ, das zentrale Know-how für effiziente Gebäude, vom Backstein bis zum Fensterglas, von den Bedingungen für ein Niedrigenergiehaus bis zur passiven Nutzung der solaren Energie, entwickelt wurde.

Auch fehlt der Hinweis, dass in den frühen 80er-Jahren an der EPFL vom Professor für Physik André Faist, 1935–2021, das Institut LESO (Laboratoire de l’énergie solaire) aufgebaut wurde, wo zusammen mit Prof. Jean Bernard Gay zur passiven Solararchitektur und zu weiteren Formen erneuerbarer Energie und zur modernen Bauphysik für energiegerechte Bauten geforscht wurde.

Man kann sagen, dass die Zürcher Architekturprofessoren damals tendenziell wenig Interesse an Themen wie Nachhaltigkeit, Ökologie und Energie hatten. Dafür lancierten aber andere ETH-Abteilungen, Studierende und die EPFL in Lausanne früh wichtige neue Ideen – gegen Widerstände.

Es ist erfreulich, dass heute die Bedeutung der nachhaltigen Entwicklung der gebauten Umwelt im Berufsbild der Architektinnen und Architekten stärker betont wird.

Zur Ausgabe von espazium magazin 8/2026, «Wollen wir zusammen waschen?»

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