Grü­ne Fas­sa­den: kli­ma­ti­sie­ren­de Ge­stal­tung, mi­ni­ma­ler Raum­be­darf

Im Zuge einer Gebäudesanierung konnte eine Fassadenbegrünung den Lebensraum von Haussperlingen erhalten. Das Gestaltungselement verfügt noch über zahlreiche andere Vorteile.

Data di pubblicazione
09-02-2026

Begrünungen helfen, Netto-Null-Ziele zu erreichen: Laut dem deutschen Bundesverband GebäudeGrün nimmt ein Quadratmeter begrünte Fläche 2.3 Kilo Co2 pro Jahr auf, bindet bis zu sechs Gramm Feinstaub, erhöht die winterliche Oberflächentemperatur um bis zu sieben Grad Celsius, senkt die sommerliche um bis zu 19 Grad Celsius und verbessert die Wärmedämmung um bis zu 22 %.Wer über grosse Gebäudeflächen verfügt, kann mittels Wand- und Dachbegrünungen dem vom Bund geforderten Ziel von Netto-Null bis 2050 näherkommen. 

Kleines Projekt als Vorbild

Ein Umbau in Zürich Seebach greift diese Massnahme der Wandbegrünung auf. Wo bis 2020 eine braungrüne Wandbemalung aus den 1960er-Jahren die Fassade des Büro-, Gewerbe- und Wohnhauses an der Seebacherstrasse 4 prägte, bieten heute Kletterpflanzen neuen Lebensraum. Neben der Aussenwärmedämmung wurden sämtliche Fenster und Rollläden erneuert. Für die Zerstörung der Nistplätze der rund 50 Haussperlingspaare in den Storenkästen kompensiert nun eine 95 m2 grosse Begrünung, die neuen Lebensraum für die Vögel schafft. 

Die Planerin Corinne Rüedi erarbeitete das Projekt nach Animal-Aided Design (AAD), einem System, das Wildtiere fördert. So montierte sie für die Haussperlinge während der Bauzeit Nistkästen an das Gerüst. Die kleine Umgebungsfläche liess sie mit einheimischen Sträuchern bepflanzen, die den Tieren als Futterpflanzen dienen. Auch in der Fassadenbegrünung kommen Nisthilfen vor. 

Die Wandbegrünung des Projekts ist bodengebunden mit Rankhilfen aus einem Edelstahlnetz. Daran ranken Geissblatt, Akebia sowie verschiedene Waldreben und haben heute eine Höhe von rund zehn Metern erreicht. Das Anbringen von Kletterhilfen benötigt allerdings eine Baubewilligung. Denn bei Gebäuden, die die mittlere Gebäudehöhe zwischen elf und 30 Metern überschreiten, dürfen keine brennbaren Rankhilfen angebracht werden. Zudem müssen die verschiedenen Brandschutzvorschriften der Feuerversicherung eingehalten werden. Diese sind im VKF-Brandschutzmerkblatt Gebäudebegrünung 2004 zu finden.

«Das bodengebundene System bringt viel Grün auf wenig Bodenfläche», erläutert Corinne Rüedi. Zudem bietet es Lebensraum für Käfer und Co., die den Vögeln als Nahrung dienen. Die Unterpflanzung besteht aus einheimischen Blumen und Stauden. Die Gebäudebegrünung sollte jährlich zurückgeschnitten und Totholz zum Schutz vor Bränden entfernt werden. Dieses erste, 30'000 Franken teure Projekt des Unternehmens Natur am Haus preist die Schweizerische Fachvereinigung SFG bereits als Best Practice an.

Pflanzenvielfalt und Gestaltungsmöglichkeiten

Neben der bodengebundenen Wandbegrünung gibt es die wandgebundene Begrünung. Für welche sich Bauherrschaften entscheiden, hängt von den gewünschten Pflanzen ab und davon, ob die Pflanzen einheimisch, essbar, langblühend oder lärmmindernd sein sollen. Kostengünstig sind Selbstklimmer wie Efeu oder die dreispitzige Jungfernrebe. 

Oder ist eine Pflanze gewünscht, die im Sommer Schatten gibt und im Winter kein Licht nimmt? Dann ist Hopfen empfehlenswert. Wenn die Fläche sofort grossflächig kühlen soll, sind wandgebundene Systeme ratsam. Dabei werden bereits bepflanzte Elemente an die Wände montiert. Dieses System ist im Vergleich zum bodengebundenen teurer, da der technische Aufwand gross ist. Bewässerung und Zugabe von Nährstoffen werden elektronisch gesteuert und müssen lückenlos überwacht werden. Dafür ist die Auswahl an Pflanzen gross. 

Articoli correlati