Neuau­fla­ge für ei­ne De­si­gni­ko­ne

Für bis zu 20'000 Euro wird dieses filigrane Stück gehandelt: die «Movalux»-Leuchte von 1947. Gian Franco Legler (1922–2015) entwarf diese Ikone des Leuchtendesigns während seines Architekturstudiums an der ETH Zürich – er benötigte in seinem Studentenzimmer eine Leuchte, mit der er alle Ecken ausleuchten konnte. Es war sein erstes Designobjekt – und sogleich ein Wurf.

Data di pubblicazione
08-11-2022

Die leichte Stehleuchte aus Messing und Aluminium ist perfekt ausbalanciert und lässt sich in alle Richtungen weit auskragend drehen und wenden – das Licht wird dahin geführt, wo immer es gerade gebraucht wird. Am auffallendsten sind vielleicht die Gewichte – schwarze, runde Zylinder in länglicher Form bilden den Abschluss von drei zarten, feingliedrigen Röhren. Letztere halten die weite Auskragung des Leuchtenkopfs in Balance, bilden aber auch einen Gegenpol zur filigranen Bauweise. Der Entwurf ist opulent und reduziert zugleich. Der emaillierte Leuchtenkopf mit seinen weichen Rundungen prägt den Entwurf ebenso wie die Klammer, die seine Gelenkachse führt.

1951 liess Legler das Design schützen; einer der wichtigsten italienischen Leuchtenhersteller, Arredoluce in Monza, nahm die heute im Vintagehandel sehr gesuchte Leuchte in Produktion. Seit rund 60 Jahren wird sie allerdings nicht mehr hergestellt. Hier kommt Thomas Schätti ins Spiel. Der Zufall wollte es, dass der Sohn von Gian Franco Legler vor einem Jahr anfragte, ob das Glarner Unternehmen zum 100-Jahr-Geburtstag des Schweizer Gestalters die «Movalux»-Leuchte wieder herstellen könne.

Eine passende Verbindung, war Legler doch der Spross einer Textilunternehmerfamilie aus Diesbach, unweit des Schätti-Firmensitzes. Firmeninhaber Thomas Schätti sah das Potenzial einer Neu-Edition. Schätti und den Zürcher Gestalter Jörg Boner, der für die gesamte Schätti-Leuchten-Kollektion verantwortlich zeichnet, verbindet ein grosses Interesse für Geschichte und Tradition des Schweizer Designs. So machte man sich gemeinsam an die Neuauflage.

«Die Grazie, die schiere Grösse und die Eleganz haben mich überzeugt», erklärt Jörg Boner. «Die Balance in verschiedenen Konfigurationen ist das grosse Versprechen der Leuchte von Legler». Die Leuchte mit ihrer ausgeklügelten Mechanik wurde an die heutigen Sicherheitsstandards angepasst. Mit ihrer Klarheit und dem sparsamen Einsatz der Materialien löst sie das heutige Bedürfnis nach Nachhaltigkeit ein. «Alles Material, das verwendet wird, soll nur dazu dienen, die Lichtquelle zu führen und sie an Ort im Raum zu halten», sagt Boner.

Die Leuchte mit dem formalen Alleinstellungswert bildet den Ausgang für die «CH50»-Kollektion von Schätti. Die Kollektion widmet sich der Wiederentdeckung Schweizer Leuchten aus den 1950er-Jahren. Den Auftakt macht neben dem Legler-Entwurf die «DOT»-Leuchte der BAG Turgi. Die Wandleuchte ist vermutlich ein Werkentwurf aus den 1950er-Jahren und hatte die Werknummer 21.787. Die Halbkugel der Leuchte wird in den Farben Rot, Weiss und Schwarz erhältlich sein. Die Reeditionen sind ab Anfang 2023 lieferbar.

Weitere Infos
schaetti-leuchten.ch