Iran und seine Architektur

Architekturreisen

Ein Architekturführer und eine Kulturführer-Serie zeigen Irans Bautenreichtum. Vielfalt, gewagte Kombinationen, verblichener alter und brillanter neuer Glanz wecken den Entdeckergeist. 

Danielle Fischer Architektur, Redaktorin TEC21

Der Iran ist bestimmt keine typische Reisedestination, sondern ein in Westeuropa weitgehend unbekanntes, klischeebehaftetes und oft von negativen Schlagzeilen begleitetes Land. Trotzdem lohnt sich eine Reise – denn es gibt viel zu entdecken. 

Von Foroughi bis Hollein

Der DOM-Architekturführer Iran von Thomas Meyer-Wieser weist auf persische Paläste wie den Golestan- Komplex hin. Daneben ist vor allem der Teil mit den zeitgenössischen Bauten in Teheran spannend, darunter befinden sich Trouvaillen – wie der Moravarid-Palast von Frank Lloyd Wright Associated und Nezam Ameri, der das Märchenbild von «1001 Nacht» mit einem Schlag ins 20. Jahrtausend katapultiert. Viele der Villen und modernen Paläste, die Mohammed Reza Shah Pahlavi bis zu seinem Sturz im Jahre 1979 bauen liess, sind so prächtig wie ihre historischen Vorbilder. Er beauftragte namhafte europäische und amerikanische Architekten, darunter Gio Ponti und Hans Hollein. Iranische Architekten wie Kamran Diba und Mohsen Foroughi stehen ihnen in nichts nach.

Einzelne Kapitel sind Gärten, der Frühgeschichte, der Islamischen Republik und den Städten Isfahan und Shiraz gewidmet. Die über 300 Bauten im Buch lassen erahnen, welch aufwendige Recherche dahintersteht. Kurze Beschriebe mit historischen und kulturellen Hintergründen sind mit Fotos, teilweise Plänen und Skizzen ergänzt. Die Position der Bauten entnimmt man Plänen, die jeweils am Anfang der farblich gekennzeichneten Stadtkapitel zu finden sind. Das ist nicht immer ganz einfach. Im Fall von Teheran sind rund 150 Bauten auf zwei Pläne verteilt. Es braucht oft etwas Geduld, bis man die entsprechende Nummer gefunden hat. Noch schwieriger ist es, ­einen Bau vor Ort zu finden. Die Pläne sind zu wenig detailliert und die Strassen im Iran nicht immer auf Englisch beschriftet. Die QR-Codes schaffen Abhilfe – es braucht dafür eine Internetverbindung, am besten mit einer lokalen SIM-Karte. Etwas Standhaftigkeit, um sich am Ort durchzufragen, führt aber auch zum Ziel. Die Hilfsbereitschaft der Iraner macht das zum Erlebnis – voraus­gesetzt, man hat die Zeit dazu. 

Ein sehenswertes Land

Einen anderen Zugang zu Bauten und Kultur des Hochlands vermitteln die in verschiedene Sprachen übersetzten Bücher des iranischen Fotografen Davood Vakilzadeh und der Redaktorin Nezhat Yaghobi. Auf zahlreichen Reisen haben sie stimmungsvolle Bilder von teilweise entlegenen Orten und aus ungewohnten Perspektiven festgehalten. Sie zeigen klassische Bauten aus der Safawiden- oder Kadscharenzeit, aber auch moderne Architektur, fantastische Landschaften und Menschen in unterschiedlichem Kontext. Der Band «Der Iran, ein sehenswertes Land» ist beispielsweise eine nicht auf Vollständigkeit ausgelegte Sammlung der wichtigsten Bauten im Land. Andere Bücher sind einzelnen Städten oder Regionen wie Kashan, Kerman oder Yazd gewidmet. Sie sind mit Ausführungen zu ­Handwerk und Kunst derjeweiligen Region unterlegt und ­zeigen Trouvaillen, die man in anderen Reisebüchern kaum findet.  Vakilzadehs Bücher sind in Europa nicht erhältlich, doch bei einem Iranbesuch sind sie in vielen Buchhandlungen zu kaufen.
 

TEC21-Redaktorin Danielle Fischer unterwegs im Iran: Mehr dazu in den Fotoreportagen «Eine Winterreise durch den Iran» und «Teheran im Winter».

 

Angaben zu den Publikationen

Davood Vakilzadeh: Der Iran, ein sehenswertes Land; Vakilzadeh Publications, Teheran 2016, bestellbar u.a. bei Almas Book City, Almas-e Iran Commercial Center. Tel.: +98 21 22 98 10 92

Thomas Meyer-Wieser: Architekturführer Iran; DOM Publishers, Berlin 2016, 480 S., 13.5 × 24.5 cm, 1000 Abb., Softcover, Fr. 59.50, ISBN 978-3-86922-392-6

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