«Mo­no­dis­zi­pli­na­rität führt in die Sack­gasse»

Wozu lanciert die ZHAW einen neuen Studiengang für Fachleute an der Schnittstelle zwischen Architektur und Energieplanung? Wir befragten die vier Initiatoren.

Date de publication
09-02-2026
Judit Solt
Fachjournalistin BR, Chefredaktorin espazium magazin


Welche Kompetenzen vermittelt der neue Studiengang «MSc Integrierte Bau- und Energiesysteme»? 

Oya Atalay Franck: Ein vertieftes Verständnis energietechnischer Zusammenhänge und die Fähigkeit, energetische Systeme mithilfe geeigneter digitaler Tools zu analysieren und zu bewerten. Auf der Basis fundierten bautechnischen Wissens befähigt der Studiengang die Absolventinnen und Absolventen, ihre Kompetenzen über alle Planungs- und Bauphasen hinweg einzubringen und die Ziele des nachhaltigen, zirkulären Bauens in der Praxis zu verankern.


Warum braucht es dazu einen eigenen Studiengang? Die Planungsfachleute der unterschiedlichen Disziplinen könnten sich doch auch direkt am Projekt austauschen?

Beat Waeber: Nachhaltiges Bauen erfordert heute interdisziplinäre Kompetenzen, die in bestehenden Studiengängen nur teilweise vermittelt werden. Fachpersonen sind oft stark disziplinär geprägt und nicht darauf vorbereitet, komplexe bau- und energietechnische Systeme ganzheitlich zu betrachten. Der Studiengang setzt hier an und verankert integrale Planung systematisch in einer praxisnahen, projektorientierten Ausbildung.


Der ganzheitliche Ansatz zielt auf die Ausbildung von Generalistinnen und Generalisten. Ist das nicht auch die Stärke von Architektinnen und Architekten? 

Alexis Ringli: Diese verfügen zwar über ein ausgeprägtes generalistisches Verständnis; doch mit den steigenden Anforderungen an Energieeffizienz, Klimaverträglichkeit und Systemintegration wächst die Komplexität deutlich. Es entsteht ein neues Aufgabenfeld, das vertieftes technisches und naturwissenschaftliches Wissen erfordert. Der Studiengang bildet dafür spezialisierte Fachpersonen aus, die Architekturschaffende als kompetente Sparringpartner ergänzen.


Gibt es am Markt einen Bedarf nach interdisziplinären Fachleuten an der Schnittstelle zwischen Bauwesen und Energietechnik?

Luca Baldini: Definitiv. Gebäude sind als komplexe Systeme aus Material, Konstruktion und Energie zu verstehen. Ein rein monodisziplinärer Ansatz führt in die Sackgasse. Marktanalysen, Stellenausschreibungen und Rückmeldungen aus der Praxis zeigen einen klaren Bedarf an Fachpersonen mit breiter baufachlicher Kompetenz, ausgeprägtem Schnittstellenwissen und der Fähigkeit, Nachhaltigkeit ganzheitlich umzusetzen.


Welche weiteren Chancen und Herausforderungen kommen noch auf die Planungsbranche zu?

Oya Atalay Franck: Die Planungsbranche befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Neben Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft prägt zunehmend der Einsatz von künstlicher Intelligenz Entwurf und Projektierung. KI eröffnet neue Möglichkeiten, erfordert aber auch neue Kompetenzen. Die Ausbildung muss Fachpersonen befähigen, diese Entwicklungen zu antizipieren und verantwortungsvoll zu gestalten.

Weitere Infos

Das Departement Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen der Zürcher Hochschule der Angewandten Wissenschaften ZHAW ist die älteste Bauschule der Schweiz. Gründungsjahr: 1874 (Technikum), 1998 (ZFH), 2007 (ZHAW). 


Infos zum Studiengang: 
www.zhaw.ch/de/archbau

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