Ferienarchitektur an der Côte d’Azur

Editorial

Danielle Fischer Architektur, Redaktorin TEC21

Im Oktober 2016 führte unsere Leserreise entlang der Côte d’Azur (vgl. TEC21 48/2016) zu Feriensiedlungen aus der Nachkriegszeit. Zu den Höhepunkten gehörten Les Sablettes und Bandol bei Toulon und La Grande Motte bei Montpellier. Wir fanden die Anlagen so spannend, dass wir ihnen nun ein ganzes Heft widmen – sozusagen als Reisenachtrag.
Die Geschichte dieser Siedlungen ist in Frankreich eng mit dem verbunden, was uns heute so selbstverständlich scheint – einige Wochen bezahlten ­Urlaubs. Für den neuen Massentourismus musste der Staat nach dem Krieg Ferienorte schaffen. Neben der Natur war spannende Architektur gefragt, um möglichst viele Feriengäste anzu­ziehen. In Südfrankreich gibt es dafür Bei­spiele, die uns bis heute durch ihre Eleganz, ihre Monu­menta­lität oder ihre Schlichtheit faszinieren. Seit ihrer Entstehung sind viele Jahrzehnte verstrichen, und einige stehen unter Denkmalschutz. Ob und wie aber die Bauten, die funktional und energetisch nicht mehr den Ansprüchen unserer Zeit entsprechen, renoviert werden, ist unklar.
Die Anlagen werfen auch Fragen nach dem Umgang mit der Umwelt auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es noch grosse Landreserven. Der heute zersiedelte Freiraum des Littorals wird in Frankreich immer knapper, und der Siedlungsdruck auf die Küste steigt – beides Themen, die uns im Zusammenhang mit schützenswerten Bauten aus der Mitte des letzten Jahrhunderts und den Gewässerräumen auch in der Schweiz beschäftigen.

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