Die Poesie der Nachhaltigkeit

Global Holcim Awards 2015

Die Gewinner der 4. Global Holcim Awards for Sustainable Construction stehen fest: Die Trophäen und 350 000 Dollar Preisgeld gehen an Projekte in Kolumbien, Sri Lanka und in den USA.

Nathalie Cajacob Co-Redaktionsleiterin espazium.ch

Der Holcim Award wird alle drei Jahre verliehen und gilt als einer der bedeutendsten internationalen Wettbewerbe für nachhaltiges Design. Zur vierten Auslobung gingen mehr als 6000 Beiträge aus 152 Ländern ein. 

Die international besetzte Jury unter der Leitung von Mohsen Mostafavi kürte die drei Preisträger der Global Holcim Awards aus den insgesamt 15 Projekten, die im Rahmen der fünf regionalen Holcim Awards ausgezeichnet worden waren. Alle drei befassen sich mit architektonischen Interventionen, die konkrete Vorteile für unsere Gesellschaft liefern: die Umnutzung von stillgelegten Wasserbehältern in einen Park in Medellín (Kolumbien), der Wiederaufbau eines sozialen Gefüges in Form einer Gemeindebibliothek in Ambepussa (Sri Lanka) und die Erstellung von öffentlichen Zonen und Hochwasserschutz für die Südspitze Manhattans in New York (USA).

Vom Wasserreservoir zum öffentlichen Platz

Die Gold-Auszeichnung verleiht die Jury einem Projekt für einen öffentlichen Park in der kolumbianischen Stadt Medellín, das einen urbanen Raum um ein Ensemble von stillgelegten Wasserreservoirs schafft. Die Bassins werden nun als Erholungszone und als Freiluftauditorium für verschiedene Veranstaltungen genutzt, die den Wert des Wassers als wichtige Ressource des städtischen Lebens hervorheben. 

Die Jury lobte die besonders schöne Umsetzung und würdigte den Fokus auf die Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt. Sie bezeichnete das Projekt als «Modell, das von anderen Städten in Lateinamerika und in der ganzen Welt nachgeahmt werden könnte».

Gemeindebibliothek als Nachkriegsprojekt

Mit Silber wird ein Projekt in einer Kleinstadt in der Nähe von Ambepussa in Sri Lanka ausgezeichnet, das Soldaten nach dem Bürgerkrieg in die Gesellschaft reintegriert. Die Gemeindebibliothek aus Stampflehmwänden und recycelten Materialien wird mit Unterstützung der Armee erstellt. Durch den Bauprozess wird den jungen Männern zugleich die entsprechende Konstruktionstechnik vermittelt.  

Schutz und öffentlicher Raum

Ein grossmassstäbliches Hochwasserschutzkonzept für New York City gewinnt die Bronze-Auszeichnung. Die Verfasser von «Dryline» schlagen einen Schutzgürtel um Lower Manhattan mit einer Aufschüttung vor, auf der neuer öffentlicher 

Raum entsteht, um so entlang der Uferlinie verschiedene kommerzielle, kulturelle und Freizeitaktivitäten zu fördern. Laut Jury wandelt das Projekt ein bestehendes Problem in eine Chance – es sei «ein politisches Statement mithilfe eines archi­tektonischen und städtebaulichen Vorschlags».

Der internationale Holcim Award for Sustainable Construction zeichnet innovative, zukunftsweisende Sach- und Bauvorhaben aus, die nachhaltige Antworten geben auf die technologischen, ökologischen, sozioökonomischen und kulturellen Fragen, mit denen sich die Bauwirtschaft konfrontiert sieht. Die nächste Ausschreibung findet 2016 statt.

Auszeichnungen


Auszeichnungen

Gold (200 000 USD)
Articulated Site: Water reservoirs as public park, Medellín, Kolumbien: Mario Camargo und Luis Tombé, Colectivo720, mit Juan Calle und Horacio Valencia, 
EPM Group (Empresas Públicas de Medellín), beide Kolumbien

Silber (100 000 USD)
Post War Collective: Community library and social recuperation, Ambepussa, Sri Lanka: 
Milinda Pathiraja und Ganga Ratnayake, Robust Architecture Workshop, Sri Lanka

Bronze (50 000 USD)
The Dryline: Urban flood protection infrastructure, New York, NY, USA: Barke Ingels und Kai-Uwe Bergmann, BIG – Bjarke Ingels Group (Dänemark/USA) und Team

Jury

Mohsen Mostafavi (Jurypräsident), Harvard University, USA
Marc Angélil, ETH Zürich
Alejandro Aravena, Elemental, Chile
Maria Atkinson, Green Building Council of Australia and Sustainability Business Advisor, Australien
Meisa Batayneh Maani, Maisam Architects and Engineers, Jordanien
Yolanda Kakabadse, WWF International, Ecuador
Matthias Schuler, Transsolar Energietechnik, Deutschland
Rolf Soiron, Holcim Foundation, Schweiz

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