Wak­ker­preis 2019 an die Stadt Lan­gen­thal BE

Das Zentrum des bernischen Oberaargaus hat nach Jahren der wirtschaftlichen Krise ein neues bauliches Wachstum erfahren, das vom Stolz auf das industrielle Erbe, von guter Planung und der Bereitschaft zum Dialog geprägt ist.

Publikationsdatum
15-01-2019
Revision
15-01-2019

Der Zusammenbruch der traditionsreichen Porzellanfabrik Langenthal war für die Stadt ein Schock. Weil auch andere bedeutende Industriefirmen schwächelten, gingen um die Jahrtausendwende weit über 1000 Arbeitsstellen verloren.

Nicht zuletzt dank einer Rückbesinnung auf die Qualitäten vor Ort und mit Mut zur Innovation gelang es der Stadt Langenthal, die Krise zu überwinden. Besonders zeigt sich dies im Umgang mit dem reichen gebauten Erbe der Industriegeschichte: Fabrikareale, Arbeitersiedlungen, öffentliche Gebäude und Villenanlagen wurden systematisch inventarisiert und als zentrale Ankerpunkte für die künftige Entwicklung in der Planung festgeschrieben, schreibt der Schweizer Heimatschutz in einer Mitteilung. 

Sinnbildlich für die Herangehensweise der Stadt stehe die gemeinschaftliche Testplanung für das Areal der Porzellanfabrik: Die Stadt verlangt von den Investoren Verantwortung und eine Gesamtsicht bei der Entwicklung neuer Werte; im Gegenzug ist sie bereit, Fachwissen und Geld in einen Prozess einzubringen, der Qualität und Langfristigkeit sichern soll.

Auf Weitsicht und Dialog setzt die Stadt auch bei der baulichen Verdichtung in wertvollen Quartieren. In Langenthal kehrt ein Workshop-Verfahren die üblichen Prozesse um: Fachleute des Städtebaus und der Denkmalpflege bewerten ein Projekt nicht erst bei der Vorlage eines Baugesuchs. Vielmehr begleiten sie Architekten und Investoren von der Ideensuche bis zur Baueingabe. Dieser relativ kostengünstige, auf kurze 60 Tage angelegte Prozess klärt Interessen und Wünsche frühzeitig und schafft im Idealfall Mehrwerte für Eigentümerschaft und Öffentlichkeit.

In den letzten Jahren hat die Stadt Langenthal markant in die Aufwertung der öffentlichen Räume im Zentrum und an wichtigen Achsen investiert. Dasselbe gilt für die Renovation und Aktualisierung vieler Bildungsbauten oder des Stadttheaters. Mit diesen Massnahmen bringt die Stadt selbstbewusst zum Ausdruck, dass sie ein lebendiges und urbanes Zentrum einer grösseren ländlichen Region sein will.
 


Der Wakkerpreis zeichnet Gemeinden aus, die bezüglich Ortsbild- und Siedlungsentwicklung besondere Leistungen vorzeigen können. Hierzu gehören insbesondere das Fördern gestalterischer Qualität bei Neubauten, ein respektvoller Umgang mit der historischen Bausubstanz sowie eine vorbildliche Ortsplanung, die Rücksicht auf die Anliegen der Umwelt nimmt. Nach Wiedlisbach (1974), Diemtigen (1986), Bern (1997), Biel (2004) und Köniz (2012) geht der Wakkerpreis zum sechsten Mal an eine Gemeinde im Kanton Bern.


 

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