Of­fen und kom­plex, am­bi­ti­ös und aus­bau­fä­hig

Erweiterung und Neubau für Primarschule und ausserschulische Betreuung, Wolfacker, Düdingen

Die geplante Erweiterung der Primarschule in Düdingen FR ist für die Gemeinde ein Mammutprojekt. Trotzdem – oder gerade deswegen – bewies sie Mut und entschied sich für ein offenes Verfahren. Den Zuschlag erhielten Ramser Schmid Architekten mit Eberli Landschafts­architektur. Hat sich das Vorgehen für die Gemeinde gelohnt?


 

Publikationsdatum
12-08-2026
Tina Cieslik
Korrespondentin Architektur/Innenarchitektur espazium magazin

Düdingen ist eine der am stärksten wachsenden Gemeinden im Kanton Freiburg. Dank der Lage an der Grenze zwischen Romandie und Deutschschweiz und der guten Infrastruktur ist der Ort vor allem für Familien attraktiv. Seit 1985 ist die Bevölkerung um mehr als 30 % gewachsen, auf aktuell über 9000 Einwohnerinnen und Einwohner.

Schon lange ist klar, dass die bestehenden Gebäude der Primarschule den Raumbedarf nicht mehr decken können. Allein in den vergangenen fünf Jahren hat sich die Anzahl der Anmeldungen für den Kindergarten verdoppelt. Zukünftig werden an drei Standorten rund 760 Schülerinnen und Schüler im Primarschul- und Kindergartenalter unterrichtet.

Die Gemeinde beschloss 2022, dieser Entwicklung zu begegnen, und setzte auf eine langfristige Planung: Eine Analyse förderte neben zusätzlichem Schulraum auch Bedarf bei der ausserschulischen Betreuung (ASB), bei den Turnhallen und einer auch extern nutzbaren Aula zutage – aus dem reinen Schulbauprojekt wurde ein Projekt für die ganze Gemeinde. 

Aus den Ergebnissen dieser Analyse resultierte 2024 ein Raumprogramm für einen offenen Wettbewerb, den die Gemeinde im Juni 2025 lancierte. Der Standort dafür war gesetzt: Beim Bau der Primarschule 1974 hatte man eine rund 21 000 m2 grosse Landreserve südlich der heutigen Anlage auf dem Wolfacker freigehalten. Das Ensemble aus Schulhaus, Lehrkräftetrakt sowie Schwimmbad und Turnhalle wurde 2009 erweitert sowie partiell aufgestockt. 

 

Das offene Verfahren als Ideengenerator

Für Düdingen ist das mit 46 Mio. Franken budgetierte Projekt das grösste Bauvorhaben seit Jahren. Umso aussergewöhnlicher wirkt daher die Wahl des Verfahrens: Die Gemeinde entschied sich für einen offenen, einstufigen Wettbewerb – was zwar die Projektvielfalt fördert, aber auch deutlich mehr Aufwand bedeutet. Für Gemeindeammann Urs Hauswirth standen jedoch die Vorteile des offenen Wettbewerbs im Vordergrund: «Für dieses komplexe Projekt wünschten wir uns einen möglichst grossen Strauss an Lösungen.» 

Gefragt waren also Entwürfe für eine neue Schulanlage im Zusammenspiel mit den bestehenden Bauten auf dem Wolfacker. Der Bestand mit 14 Klassen soll um 15 Klassen erweitert werden, ergänzt durch die Räume für die aus­serschulische Betreuung für rund 265 Kinder zwischen Kindergarten und Sekundarstufe, eine Einfachturnhalle und eine Aula. Für die grosse Altersbandbreite der Kinder sollten differenzierte Räume mit guter Orientierungsmöglichkeit entstehen. Ein wichtiges Anliegen war den Initiatorinnen auch die Gestaltung und die ökologische Aufwertung der Aussenräume – ein grosses Manko der aktuellen Anlage, deren Pausenplätze weitgehend aus versiegelten Flächen bestehen. Teams aus Architektur und Landschaftsarchitektur waren für die Teilnahme daher zwingend.

Auf städtebaulicher Ebene wünschte sich die Bauherrschaft ein adäquates Gegenüber für die benachbarten Wohnhäuser sowie eine gewisse Durchlässigkeit. Die Fussgängerverbindung zwischen dem Ortszentrum und den Quartieren im Osten und Süden der Anlage führt mitten durch das Schulgelände. 

 

Angeknüpft und ausgebaut

25 Entwürfe wurden fristgerecht eingereicht, die Teilnehmerschaft war bunt gemischt: erfahrene Büros neben Neulingen, Schweizer Architekturschaffende und jene aus dem benachbarten Ausland waren gleichermassen vertreten. Den Projektverfassenden war es freigestellt, das umfangreiche Raumprogramm in einem oder mehreren Gebäuden unterzubringen. Dementsprechend gab es Lösungen mit einem, zwei oder drei Volumen. 

Das Rennen machte ein Entwurf, der die Qualitäten des Bestands weiterschreibt. Der Beitrag «Esplanade» von Ramser Schmid Architekten zusammen mit Eberli Landschaftsarchitektur orientiert sich räumlich am Bestand und organisiert die Klassenräume in einem schmalen, in Nord-Süd-Richtung gestreckten, dreigeschossigen Gebäude. Eine zentrale Treppenanlage verbindet die halbgeschossig versetzten Schulflügel. Die Klassenräume sind wie im Altbau entlang eines grosszügigen, variabel nutzbaren Korridors organisiert. Eine stimmige Disposition, die sich im Betrieb bewährt hat. 

Weitere Informationen, Pläne und Bilder zum Wettbewerb Primarschule Düdingen finden Sie hier.

Die Räume für die ausserschulische Betreuung finden westlich des neuen Schulhauses im Sockelgeschoss Platz. Hier nutzt der Entwurf die Hanglage, sodass – auch dank zweier Innenhöfe – natürlich belichtete und angenehm proportionierte Räume entstehen. Sorgfältig gestaltete Freiräume verschränken Innen und Aussen und bieten die gewünschte Aufenthaltsqualität und Durchlässigkeit.

Schwieriger ist die Lage von Turnhalle und Aula. Sie liegen fast versteckt im hinteren Teil des Untergeschosses, die Erschliessung ist sowohl für Interne als auch für Externe nicht selbsterklärend. Hier zeigt sich, dass Synergien auch immer Kompromisse bedeuten: So schlug etwa der viertplatzierte Entwurf «Element» von Berrel Kräutler Architekten eine zentrale Aula im Schulhaus vor, ein Typus, der mit seinen umlaufenden Laubengängen an das Globe Theatre erinnert. Der spannende räumliche Ansatz, der zudem auch noch Flächen gespart hätte, wurde aber wegen ortsbaulicher Fragen infolge der Grossform und wegen allfälliger Nutzungskonflikte verworfen. 

 

Ambitiöse Bestellung, präzise Vor­bereitung

Hat sich der Mut der Gemeinde ausgezahlt, auf ein offenes Verfahren zu setzen? Ja, wenn auch mit einem Aber. Zwar habe sie den «Strauss an Möglichkeiten» erhalten, den sie sich gewünscht habe, so Urs Hauswirth. Doch das eine Projekt, das alle Aspekte löst, sei nicht dabei. 

Tatsächlich belegt die Vielzahl an Entwürfen und die Aussage, dass keiner davon alle Aspekte vollumfänglich abdecke, vor allem eines: die Komplexität der Bestellung mit unterschiedlichen Nutzergruppen, -typen und -zeiten. Denn: Die Vorbereitung für den Wettbewerb war umfassend, die verschiedenen Nutzergruppen wurden im Vorfeld gehört, ihre Bedürfnisse berücksichtigt. 

Der offene Wettbewerb hat also vielleicht nicht die eine grosse Lösung hervorgebracht. Doch die sorgfältige Vorbereitung hat dazu geführt, die Bestellung zu schärfen. Oft wird ein offener Wettbewerb dazu genutzt, sich über den Bedarf klarzuwerden – also architektonische Lösungen für organisatorische Probleme zu suchen. Zwangsläufig kann dies in Enttäuschung münden, sowohl auf Planer- als auch auf Bauherrschaftsseite. 

In Düdingen hingegen hat die durch den offenen Wettbewerb ausgelöste, präzise Bestellung dabei geholfen, ein überzeugendes Projekt zu finden. Kleinere Schwachpunkte lassen sich in der Überarbeitung beheben. 

 

Erweiterung und Neubau für Primarschule und ausserschulische Betreuung, Wolfacker, Düdingen
Offener, einstufiger Projektwettbewerb 

 

1. Rang, 1. Preis: «Esplanade»
Ramser Schmid Architekten GmbH; Eberli Landschaftsarchitektur GmbH, Zürich; ARGE Timbatec + Aschwanden & Partner, Zürich; Hefti. Hess. Martignoni. Aarau AG, Aarau
 

2. Rang, 2. Preis: «Si Sa Sug»
MJ2B Architekten AG, Bern; Urbscheit Hoekstra Landschaftsarchitekten GmbH, Zürich; Weber + Brönnimann Bauingenieure AG, Bern; Pirmin Jung Schweiz AG, Thun; Epro Engineering AG, Gümligen
 

3. Rang, 3. Preis: «Alles bleibt anders»
Naos Architekten AG, Bern
 

4. Rang, 4. Preis: «Element»
Berrel Kräutler Architekten AG, Zürich; Bryum GmbH, Basel; Pirmin Jung Schweiz AG, Sursee; Bogenschütz AG, Basel; HKG Engineering AG, Schlieren
 

5. Rang, 5. Preis: «Tandem»
Markus Schietsch Architekt:innen GmbH, Zürich; MSA Generalplaner GmbH, Zürich; Schmid Landschaften GmbH, Zürich; Schnetzer Puskas Ingenieure AG, Zürich; Aicher, De Martin, Zweng AG, Luzern; HKG Engineering AG, Aarau
 

6. Rang, 6. Preis: «Akela»

eido architectes sàrl, Düdingen; Duo Architectes paysagistes, Lausanne; Ingeni SA Fribourg, Bulle; Amstein + Walthert AG, Zürich
 

Fachjury
Sibylle Aubort Raderschall, Landschafts­architektin, Meilen; Nicole Deiss Architektin, Zürich; Adrian Kramp Architekt, Fribourg; Susanna Krähenbühl, Architektin, Bern; Reto Mosimann, Architekt, Biel; Brigitt Rüttner, Architektin, Baubiologin, Düdingen (Ersatz); Fritz Schär, Architekt, Bern (Präsidium)
 

Sachjury

Eliane Aebischer, Co-Schuldirektorin Primarschule, Gemeinde Düdingen (Ersatz); Marianne Dietrich, Gemeinderätin, Ressort Liegenschaften, Kultur & Sport, Gemeinde Düdingen; Urs Hauswirth, Gemeinde­ammann, Gemeinde Düdingen; Anita Johner-Tschannen, Gemeinderätin, Ressort Bildung und Soziales, Gemeinde Düdingen; Stephanie Tschopp, Co-Schuldirektorin Primarschule, Gemeinde Düdingen
 

Veranstalterin
Gemeinde Düdingen 


Verfahrensbegleitung
reflecta AG, Liebefeld


 


 


 

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