Wurzeln einer Baukulturbewegung
Nationales Forschungsprogramm «Baukultur»
Die aktuelle Seminarreihe des NFP 81 spürt den Ursprüngen der Baukultur in der Schweiz nach. André Bideau blickt auf Zürich um 1960, als sich ein erster Widerstand gegen die technokratische Planungspraxis der Nachkriegsmoderne regte, während Roger Diener und Gion A. Caminada städtische und ländliche Baukulturen der Schweiz ergründen.
Von den Diskussionen der ersten Reihe über die europäische «Genealogie» inspiriert, beschlossen die drei verantwortlichen Mitglieder der Leitungsgruppe – Paola Viganò (Präsidentin und Professorin an der EPFL und der IUAV), Pierre Caye (Forschungsdirektor am CNRS Jean Pépin) sowie Andri Gerber (Professor an der ZHAW) –, die Reihe im Frühjahr 2026 fortzusetzen. Der Blick richtet sich nun auf die Schweiz und ihre verschiedenen Wurzeln einer Baukulturbewegung.
Die neue Seminarreihe startete am 9. März 2026 an der EPF Lausanne mit dem Architekten und Hochschullehrer Bruno Reichlin, der in einer weiten Tour d’horizon einen Einblick verschaffte in die verschiedenen Strömungen der vergangenen sechs Jahrzehnte in der Schweiz. Es gab wohl kaum jemanden, der besser geeignet war, die Reihe «Baukultur: a Swiss Genealogy» zu eröffnen.
Weiter geht es Ende März mit André Bideau: Der Architekturhistoriker und -theoretiker leitet das Weiterbildungsprogramm am Institut gta der ETH Zürich und unterrichtet an der Accademia di Architettura in Mendrisio. Er wird für die Seminarreihe ein Sittenbild der Stadt Zürich nach dem Zweiten Weltkrieg entwerfen – eine Stadt, in der sich mit der Zürcher Arbeitsgruppe für Städtebau ZAS Widerstand gegen die starre modernistische Stadtplanung regt.
ZAS könnte demnach als Vorbote einer erwachenden Baukulturbewegung verstanden werden, indem sie Gesamtheit und Vielfalt der Stadt in den Vordergrund stellten und nicht deren optimale Organisation. Die Session mit André Bideau findet am 30. März 2026 um 18 Uhr an der EPF Lausanne statt und wird zeitgleich über Zoom gestreamt.
Einen Monat später kommen die Architekten Roger Diener und Gion A. Caminada nach Lausanne. Sie repräsentieren mit ihrem umfangreichen und über viele Jahre gewachsenen Werk zwei die Schweiz prägende baukulturelle Kontexte, das Städtische des Flachlands und das Ländliche der Berge. Beides steht nicht für sich allein, beides ist in ständigem Austausch miteinander und darüber hinaus. Wie beeinflussten Strömungen aus Europa diese Baukulturen – und wie wirkte die Schweiz aus den Städten und der Peripherie zurück nach Europa? Diesen Fragen soll am 27. April um 18 Uhr in Lausanne nachgegangen werden. Die Session wird ebenfalls live über Zoom gestreamt.
Die Reihe wird im Mai fortgesetzt mit einem Abend der Bauingenieur:innen am 18. Mai, kuratiert von Prof. em. Eugen Brühwiler, Mitglied der Leitungsgruppe des NFP 81, sowie am 1. Juni mit einer Session über die Wurzeln der Baukultur in der Schweizer Landschaftsarchitektur des 20. Jahrhunderts, zusammengestellt von der in den USA lehrenden Professorin für Geschichte und Theorie der Landschaftsarchitektur Anette Freytag.
Das Nationale Forschungsprogramm «Baukultur» (NFP 81) des Schweizerischen Nationalfonds umfasst 13 Forschungsprojekte. Die Ausschreibung erfolgte 2023, die Auswahl der Projekte 2024 und seit Anfang 2025 läuft die Forschungsphase, die über einen Zeitraum von fünf Jahren bis 2030 erfolgt.
Die Leitungsgruppe des NFP 81 setzt sich aus zehn Expertinnen und Experten aus dem In- und Ausland zusammen und wird von Prof. Paola Viganò von der EPFL präsidiert. www.nfp81.ch