Fran­zö­si­sche Stei­ne für die Schweiz

Für die beiden Natursteingebäude im Quartier Les Sciers in Plan-les-Ouates verwendete das Atelier Archiplein Steine aus Frankreich. Die Kalksteine zeichnen sich durch verschiedene Eigenschaften aus.

Publikationsdatum
22-10-2025
Stefano Zerbi
Architekt, Professor an der SUPSI und Redaktor bei espazium quaderni

Kalkstein fügt sich in Genf gut in die bebaute Umgebung ein. Insbesondere in den nach der Mitte des 19. Jahrhunderts errichteten Gebäuden wurde viel Kalkstein aus dem Jura und der Region Rhône-Alpes verwendet. Widerstandsfähigerer Kalkstein mit geringerer Porosität kam bei den Gebäudesockel, Gesimsen und Zierleisten zum Einsatz, während für Fassaden und dekorative Elemente Kalkstein mit geringerer Härte, der leichter zu bearbeiten ist, verbaut wurde. 

Einige dieser Materialien, insbesondere diejenigen aus der Schweiz, sind heute nicht mehr erhältlich. Daher kamen bei den beiden Gebäuden in Plan-Les-Ouates Steine aus französischen Steinbrüchen zum Einsatz.

Der richtige Stein am richtigen Platz

Gemäss dem alten Prinzip «der richtige Stein am richtigen Ort» fanden drei verschiedene Kalksteine Verwendung, die sich in ihren mechanischen Eigenschaften und ihrer Witterungsbeständigkeit unterscheiden: Der fossilhaltige Kalkstein aus dem Steinbruch Estaillades wurde für das 14 cm dicke, nicht tragende Mauerwerk verwendet, das die Wirtschaftsräume im Kern der Gebäude voneinander trennt. Dieser poröse Kalkstein befindet sich somit in einem nicht exponierten Bereich.

Das tragende Mauerwerk des zentralen Kerns mit einer Dicke von 30 cm besteht aus oolithischem Kalk­stein aus Migné. Der gleiche Kalkstein mit einer Dicke von 40 cm wurde für das Mauerwerk der Fassaden verwendet, mit Ausnahme der Elemente, die statisch beziehungsweise durch Witterungseinflüsse am stärksten beansprucht werden. Die Stürze, der Sockel, die Gesimse und die Balustra­de des Akroterions bestehen aus oolithischem Kalkstein aus Brétigny.

Effekte an der Oberfläche

Die Gesamtmenge des verwendeten Natursteins belief sich auf 2200 m³ oder 10 000 Natursteinblöcke. Die Oberflächen der grossformatigen Elemente, die mit Kalk- und ­Zementmörtel vermauert wurden, blieben sägerau. Diese Entscheidung, die auch aus Kostengründen getroffen wurde, macht die Gebäude deutlich erkennbar und unterscheidet sie von den alten Gebäuden, bei denen das Material «klassisch» verarbeitet wurde. In der Vergangenheit schliff man Kalksteine ab, um möglichst homogene Oberflächen zu erhalten. Diese Oberflächenbehandlungen ermöglichten es auch, Schatten und «Bewegung» am Material zu erlangen. Paradoxerweise erzeugt die sägeraue Oberfläche dank der Spuren, die die Diamantscheiben hinterlassen, gleichartige Effekte. 

Die beiden Bauten zeigen, dass massiver Naturstein für den Bau moderner Wohngebäude mit moderaten Mietzinsen verwendet werden kann. Sie zeigen auch, dass Naturstein nicht nur eine zeitgemässe Wahl ist, sondern auch dazu beitragen kann, unsere Stadtbilder zu bereichern.

Der Artikel ist im Original in französischer Sprache erschienen.

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