Ge­schäfts­la­ge sta­bi­li­siert sich wei­ter im Pla­nungs­sek­tor

Erneut schätzen die Planungsbüros ihre Geschäftslage als stabil ein. Das bestätigt die aktuelle KOF-Konjunkturumfrage vom Juli 2023. Auch das Baugewerbe schneidet gut ab. Beide tragen gegenwärtig zur Stabilisierung der Schweizer Wirtschaftslage bei.

Gemäss den jüngsten Ergebnissen der KOF-Konjunkturumfragen von Ende Juli 2023 hat sich das Geschäftslageurteil im Planungssektor weiter stabilisiert. Im Vergleich zur April-Befragung sind die Planungsbüros jedoch zurückhaltender im Hinblick auf ihren gegenwärtigen Auftragsbestand. Ebenso beurteilen sie die jüngste Entwicklung der Nachfrage als schwächer als noch im April und auch die Entwicklung der erbrachten Leistungen in den vergangenen drei Monaten erfährt eine weniger günstige Beurteilung. Das ist nicht ohne Folgen für die Ertragslage geblieben, die einen Dämpfer erfahren hat.

Möglicherweise überschattet diese Entwicklung auch den Blick in die Zukunft: Die Erwartungen der befragten Büros punkto Geschäftslageentwicklung haben sich im Vergleich zur letzten Befragung leicht eingetrübt. Ebenfalls beurteilen sie die erwartete Leistungs- und Nachfrageentwicklung für die kommenden drei Monaten zurückhaltend. Und zu guter Letzt haben sie auch die Erwartungen hinsichtlich der künftigen Ertragslage heruntergeschraubt.

Architekturbüros tendenziell zuversichtlich

Erfreulicherweise revidieren die Architekturbüros ihr Urteil über die gegenwärtige Geschäftslage seit der Befragung im April leicht nach oben. Indes hat in den vergangenen drei Monaten die Entwicklung von Nachfrage, Auftragsbestand und erbrachter Leistung weiter an Dynamik verloren. Ebenso fiel die Einschätzung der Ertragslageentwicklung wieder ungünstiger aus. Dem gegenüber hellt sich das Urteil der Büros über ihre Beschäftigtenzahl weiter auf. Allerdings wird die Zahl immer noch als deutlich zu tief taxiert.

Die Erwartungen für die nächsten sechs Monate sind durchmischt: Die Entwicklung der Geschäftslage revidieren die Architekturbüros im Vergleich zum April leicht nach unten. Punkto Nachfrageentwicklung hellen sich die Erwartungen in den nächsten drei Monaten weiter auf, während die Ertragslageerwartungen nun wieder etwas abflauen. Bezüglich der Aussichten für die Erträge sind die Büros jedoch nach wie vor tendenziell zuversichtlich. Das einzig Stabile in diesem Auf und Ab sind die Preiserwartungen, die sich fast gleich wie zur letzten Befragung verhalten: Aktuell rechnen 18% der Architekturbüros mit steigenden Preisen in den nächsten drei Monaten, 78% mit gleichbleibenden und 4% mit sinkenden.

Auftragsbestände bei Ingenieurbüros unverändert

Bei den Ingenieurbüros hat sich die Geschäftslage verglichen mit den Umfrageresultaten vom April leicht verschlechtert. In den vergangenen drei Monaten waren die Nachfrage und die erbrachten Leistungen der Büros rückläufig. Die Entwicklung der Ertragslage empfanden sie ebenfalls als etwas weniger positiv. Die Reichweite der Auftragsbestände bleibt aber unverändert bei rund elf Monaten. Bei der Zahl der Beschäftigten, einem altbekannten Thema der Ingenieurbüros, hat sich ebenfalls nicht viel getan: Sie wird anhaltend als zu niedrig beurteilt. Dennoch nahm die Einstellungsbereitschaft in den vergangenen drei Monaten ab. Der Anteil der Büros, die einen Mangel an Arbeitskräften als wichtigen limitierenden Faktor nennen, ist mit 72% weiterhin hoch.

Im Gegensatz zu den Architekturbüros beurteilen die Ingenieurbüros die Zukunft weniger positiv. Ihre Erwartungen im Hinblick auf die Entwicklung der Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten trübt sich ein. Auch die Erwartung bezüglich Entwicklung von Nachfrage, zu erbringender Leistung und Ertragslage in den nächsten drei Monaten beurteilen sie negativer. Einziger erfreulicher Faktor: Die Preiserwartungen schwächt sich seit April noch einmal ab. Zurzeit rechnen nur noch 21% der Ingenieurbüros mit steigenden Preisen in den kommenden drei Monaten und nur 4% erwarten sinkende Preise.

Bau- und Planungssektor stabilisiert Schweizer Wirtschaft

Das Resultat der Konjunkturumfrage des Planungssektors – und auch des Baugewerbes – heben sich leicht von denjenigen der übrigen teilnehmenden Branchen wie Industrie, Gross- und Detailhandel, Gastgewerbe, Finanz- und Versicherungsleistungen sowie der Dienstleistungsbranchen ab. Wie das KOF in seiner Medienmitteilung vom 7. August 2023 schreibt, sei die Lage in den mit der Bautätigkeit verbundenen Wirtschaftsbereichen nach wie vor gut. Der Bau- und Planungssektor trage eher zur Stabilisierung der Schweizer Wirtschaft bei und die Geschäftslage könne in beiden Bereichen nach wie vor als gut eingestuft werden.

Demgegenüber steht ein schwächelnder KOF-Geschäftslageindikator, der das Kondensat aller Konjunkturumfragen der teilnehmenden Branchen beinhaltet. Gemäss diesem Indikator ist die Geschäftslage so ungünstig wie seit zwei Jahren nicht mehr. Die Erwartungen der Unternehmen an die wirtschaftliche Entwicklung und sind eher durchschnittlich, das heisst, es wird weder mit einem Einbruch noch mit starken Impulsen gerechnet. Das nicht überraschende Resultat: Die Schweizer Konjunktur schwächelt. Positiv hingegen ist, dass der Fachkräftemangel nicht mehr ganz so akut ist und der Preisauftrieb in nahezu allen Wirtschaftsbereichen abnimmt. Die Erwartungen der Unternehmen über die eigene Preissetzung hinaus für die Entwicklung des Konsumentenpreisindex sind geringfügig weniger hoch als bisher.

Teuerung sank gegenüber Vormonat um 0.1 Prozent

Diese Einschätzung beweist auch die Entwicklung der Schweizer Konsumentenpreise im Juli. Denn im letzten Monat stiegen die Konsumentenpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1.6 % und sanken gegenüber dem Vormonat um 0.1%. Allerdings weicht die Teuerung je nach Hauptgruppe des Warenkorbes, der die Preisentwicklung misst, deutlich voneinander ab: So betrug im Juli die Inflationsrate innerhalb des letzten Jahres bei der Hauptgruppe Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke 5.3%. Hingegen verzeichnete sie ein negatives Resultat bei der Hauptgruppe Verkehr um 3.9%.

Je nachdem welches Gewicht die unterschiedlichen Hauptgruppen im Leben der Konsumentinnen und Konsumenten haben, fällt die individuelle Teuerung stärker oder schwächer als diejenige des Schweizer Durschnitts aus. De facto ist die Teuerung auch immer relativ. Wer wissen will, wie stark der eigene Haushalt von der Teuerung tatsächlich betroffen ist, kann das mit dem Teuerungsrechner des Bundesamts für Statistik prüfen.

Der Rohtext dieses Artikels stammt von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) und wird mit Recherchen zum wirtschaftlichen Geschehen ergänzt von Susanne Schnell, Fachspezialistin Kommunikation/Themenmanagerin beim SIA; susanne.schnell [at] sia.ch

Tags

Verwandte Beiträge