Ein ge­schun­de­ner Land­strich wird auf­ge­wer­tet

Neuer Landschaftspark im Mendrisiotto

Das Mendrisiotto, jenes Gebiet des Kantons Tessin, wo die Landesgrenzen auf drei Seiten immer enger werden, ist eine Gegend, die von ihrer geografischen Lage viel profitiert, aber im Hinblick auf raumplanerische Aspekte auch gelitten hat. Genau hier ist ein Landschaftspark entstanden, der Parco del Laveggio. Nun wurde er mit dem Preis Espace Suisse 2023 ausgezeichnet.

Publikationsdatum
07-12-2023

Zwischen Ligornetto und Mendrisio existiert eine Flurbezeichnung, die aufhorchen lässt: Campagna Adorna, die Schöne Landschaft. Wer die Gegend heute inspiziert, wird schnell bemerken, dass von dieser landschaftlichen Schönheit dank Verkehrsinfrastruktur, Logistikzentren und Industrie fast nichts mehr übriggeblieben ist. Genau hier ist jüngst jedoch ein Naherholungsgebiet entstanden, der Parco Laveggio.

Eine gelungene Zusammenarbeit einer Bürgerinitiative mit verschiedenen Akteuren wie Architekten, Biologinnen, Landschaftsgärtnern und dem Kantonalen Departement für Raumplanung sowie den politischen Behörden von drei Gemeinden – Riva San Vitale, Mendrisio und Stabio – hat dazu geführt, dass in dieser Gegend etwas entstand, das auch für andere stark genutzte Orte Vorbildcharakter haben könnte.

Am 8. Oktober ist der neue Landschaftspark Parco del Laveggio, der sich von Stabio bis ans südliche Ende des Lago di Lugano über 12 km erstreckt, der Bevölkerung übergeben worden. Vielleicht zieht dieser durchgehende Weg auch Menschen aus dem Norden an, die sonst vielleicht eher ins Val Verzasca pilgern würden. Hier am Ufer des Laveggio findet sich alles auf engstem Raum: Landschaften, die an die Toskana erinnern und Ausbicke in eine Welt, wie sie eben in Zeiten der vielen und schnellen Transporte daherkommt. Hier sind spannende Kontraste im Ausflug inbegriffen; Denkanstösse sind ebenso Teil dieses neuen Weges.

Eine Bürgerinitiative kümmert sich um Raumplanung

Die Situation präsentierte sich zu Beginn des Aufwertungsprozesses folgendermassen: der Laveggio war ein kleiner Fluss am Rand verschiedener Gemeinden, in seiner Nähe platzierte man all das, was man nicht direkt sehen wollte: Industrie- und Kläranlagen. An manchen Stellen war der Fluss nicht zugänglich und zu einem Kanal degradiert.

Ausgehend von diesen Prämissen formulierten die «BürgerInnen fürs Territorium» eine ambitiöse Zukunftsvision. Diese Initiative, die von Grazia Bianchi und Ivo Durisch koordiniert wird, hat sich zum Ziel gesetzt, das Territorium aufzuwerten und zu schützen. Umwelt, Natur, Landschaft und die Landwirtschaftsfläche vom Mendrisiotto stehen im Fokus. Dabei handelt es sich um einen von unten initiierten Prozess, der sich allmählich nach oben durchgesetzt hat.

Die Bürgerinitiative bemühte sich darum, den Fluss und seine Umgebung nicht mehr nur als eine unbeachtete und ziemlich geschundene Peripherie darzustellen, sondern im Gegenteil ihn als ein neues Zentrum zu definieren. Wie erreicht man so etwas?

Zusammen mit dem Architekten Tita Carloni (1931–2012) wurde der Stein ab 2000 ins Rollen gebracht: 2017 stand die Idee im Raum, einen Park zur Aufwertung und zum Schutz des Flusses und seines Ufergebiets zu gründen. Ein multidisziplinäres Team, koordiniert von Atelier PeR und Studio Hug, legte 2019 einen konkreten Plan vor, um mit einem möglichst breiten Ansatz das Projekt voranzutreiben. Es wurden Massnahmen formuliert wie die Schaffung einer Serie «Themenstationen», in denen unterschiedliche Inhalte dargelegt werden sollten.

Carlo Romano, Architekt, erklärte, man habe speziell das Gebiet der Quelle in Stabio, die Gegend, wo der Laveggio Mäander bildet, und das Mündungsgebiet näher untersucht. Auch Verbindungswege mit den einzelnen Ortschaften sollten geschaffen werden. Am wichtigsten war die Idee, dass man einen durchgehenden Weg entlang des gesamten Laveggio (ca. 12 km) anbieten wollte.

Das Projekt verfolgt auch die Absicht, die Identität im nördlichen Teil des Mendrisiotto zu stärken und kann als verbindendes Element zwischen Fauna und Flora des Monte San Giorgio (seit 2003 UNESCO-Weltnaturerbe) und des Monte Generoso betrachtet werden. Kurzum, ein weitsichtiges Projekt zur Verbesserung der Lebensqualität in einer Realität, die stark vom internationalen Durchgangsverkehr geprägt ist. Es ist auch ein Projekt, dass von engagierten Bürger:Innen für alle Bürger:Innen dank eines langen Atems und einer umsichtigen Planung umgesetzt wurde. Aus einer Vision ist so Realität geworden.

Weitere Infos:
parcolaveggio.ch

cittadiniperilterritorio.ch
are.admin.ch

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